Randale im Tobiaspark? Anwohner können nicht mehr schlafen

rnZahlreiche Beschwerden

Eine Leserin meldete sich bei uns in der Redaktion: Jeden Abend werde im Tobiaspark randaliert. Dass es Probleme gibt, bestätigen Stadt und Polizei - und ergreifen Maßnahmen.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 16.07.2020, 21:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lärmbelästigung, Wildpinkelei und sogar körperliche Angriffe und Auseinandersetzungen - was sich abends bis in die Nacht hinein im Tobiaspark abspielen soll, hört sich wild an. Schon länger fühlen sich einige Anwohner von Jugendlichen gestört, die - so die Anwohner - im Park regelmäßig Randale machen. Eine Betroffene meldete sich bei uns in der Redaktion. Aus Angst vor den Jugendlichen möchte sie anonym bleiben.

„Dass hier Jugendliche abends im Tobiaspark randalieren, geht schon seit längerer Zeit so. Aber seit ein paar Monaten ist es wirklich extrem. Sie machen Krach, schmeißen Essensreste durch die Gegend und Pinkeln in den Park - wir können einfach nicht mehr schlafen“, erklärt sie. Mittlerweile ginge das jeden Abend so: Spätestens ab 22 Uhr bis nach Mitternacht seien die geschätzt 15- bis 18-Jährigen im Park und sorgten für Unruhe. Als ein Nachbar der Frau mit den Jugendlichen sprechen wollte, hätten diese ihn angegriffen, sodass er mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen sei und sich verletzt habe.

Stadt kennt die Probleme

Das war vor drei Monaten. Den direkten Weg zu den Jugendlichen habe die Nachbarschaft danach nicht mehr gesucht. Dafür sei aber eine Gruppe von Anwohnern bei der Stadt vorstellig geworden und habe dort auf das Problem aufmerksam gemacht. „Wir haben mehr als 30 Unterschriften gesammelt und waren damit beim Bürgermeister. Wir möchten einfach, dass im Tobiaspark häufiger Ordnungskräfte präsent sind und für Ruhe sorgen“, sagt die Anwohnerin.

In der Tat weiß die Stadt Lünen um die Problematik. „Es ist uns bekannt, dass gerade Jugendliche dort nachts zuweilen über die Stränge schlagen und Lärm verursachen. Wir wissen auch, dass dort ‚wildgepinkelt‘ wird“, berichtet der Sprecher der Stadt Lünen, Benedikt Spangardt. Wenn sich diese Dinge in den Abendstunden oder nachts ereignen und die Mitarbeiter des Ordnungsamts nicht mehr im Dienst sind, sei aber nicht die Stadt, sondern die Polizei zuständig - genauso, wenn es um Köperverletzung und Betäubungsmittelverstöße geht, über die es offenbar auch schon Beschwerden gab. Deshalb stehe die Stadt in engem Kontakt mit der Polizei, um die Probleme in den Griff zu bekommen.

30 Polizeieinsätze im Tobiaspark

Auch die Polizei bestätigt, dass der Tobiaspark in letzter Zeit häufiger von Beamten angefahren werden musste: Rund 30 Einsätze zählt sie dort seit Jahresbeginn - ein Drittel davon wegen Ruhestörung und die meisten in den Abendstunden zwischen 20 und 23 Uhr, heißt es von der Pressestelle der Polizei Dortmund auf Anfrage. Eine Häufung an bestimmten Wochentagen sei nicht erkennbar. „In einigen Fällen waren die Personen durch die Kollegen nicht mehr anzutreffen, in anderen Fällen fertigten sie entsprechende Anzeigen, führten Bürgergespräche und/oder erteilten Platzverweise“, so die Polizei weiter. Genutzt hat das offenbar nicht wirklich - die Anwohner zumindest haben keine Verbesserung der Situation wahrgenommen.

Jetzt wollen Stadt und Polizei aber weitere Maßnahmen ergreifen: Einerseits hat die Polizei zugesagt, im Bedarfsfall für „erhöhte Präsenz“ zu sorgen, heißt es von der Stadt. Daneben soll ab diesem Freitag, 17. Juli, ein privater Sicherheitsdienst im Auftrag der Stadt punktuell den Tobiaspark anfahren und dort abends und nachts nach dem Rechten sehen. Außerdem ist die WBL bereits beauftragt, regelmäßig unter der Woche und im Sommer auch sonntags sauberzumachen.

Die Anwohner am Tobiaspark hoffen nun auf einen Erfolg der Maßnahmen - und auf Ruhe. „Mit einem gewissen Geräuschpegel muss man leben, aber wir müssen uns nicht terrorisieren lassen“, so unsere Leserin. „Ich weiß ja, dass es in Lünen auch nicht mehr viele Angebote für Jugendliche gibt. Aber das jetzt ist doch kein Zustand.“

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