Meinung

Ratsmitglied mit Stasi-Vergangenheit: Viele Fragen, kaum Antworten

Eine Liste mit Namen, Personenkennzahl und Jahresgehalt: Dieser Dreiklang wirft Fragen an ein Ratsmitglied der AfD in Lünen auf. Die Antworten fallen spärlich aus, was unser Autor bedauert.

Ein aktives Mitglied des Lüner Stadtrates hat eine militärische Vergangenheit im Machtapparat einer Diktatur, die ihre eigenen Bürger erschießen ließ. Darüber sollte, nein darüber muss ein lokales Medium informieren. Eine Wertung geht mit dieser Geschichte übrigens nicht einher, auch wenn viele das gerne so sehen würden.

Wir wollten tatsächlich ja sehr gerne ergründen, warum das Ratsmitglied damals zur Stasi ging, wie es als Mitglied eines Stasi-Wachregiments den Mauerfall – vermutlich aus nächster Nähe – miterlebt hat und wie diese Vergangenheit zu seiner politischen Gegenwart passt. Dazu haben wir den Betroffenen direkt gefragt. Doch er wollte nicht mit uns reden, sagte lediglich, er sei in eine Partei eingetreten, „die wie derzeit keine andere für Rechtsstaatlichkeit und Grundgesetz steht“. Das ist natürlich Blödsinn.

Mittlerweile dürfte hinlänglich bekannt sein, dass die AfD für gezielte Falschinformation, Unterdrückung von Minderheiten, Gewalt gegen Andersdenkende und rein egoistische Interessen steht – also im Grunde genau wie die SED und die Stasi, von denen der Lüner Politiker angeblich gelernt haben will, wie etwas nicht sein sollte. Warum er dann ausgerechnet zur AfD geht – das wäre eine spannende Geschichte gewesen. Nur falls Sie sich fragen, warum wir diesem Fall überhaupt Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen