Redner mahnten bei Gedenkfeier in Lünen zum Widerstand gegen rechte Tendenzen

Veranstaltung im Süpark

Zahlreiche Teilnehmer gedachten der sechs Lüner, die vor 74 Jahren von den Nazis im Rombergpark ermordet wurden. Die Gedenkfeier war Mahnung und Aufruf zugleich.

Lünen-Süd

, 19.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Redner mahnten bei Gedenkfeier in Lünen zum Widerstand gegen rechte Tendenzen

Musikalisch umrahmte der Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nazi-Regimes an Karfreitag (19.4.) im Südpark. © Magdalene Quiring-Lategahn

Bei strahlendem Sonnenschein hatten an Karfreitag (19. April) viele Menschen den Weg zum Mahnmal im Südpark gefunden. Vertreter des Schützenvereins, der beiden SPD-Ortsvereine Oberbecker und Lünen-Süd sowie der Siedlergemeinschaft Oberbecker und des Humanistischen Verbands Dortmund-Ruhr-Lippe waren gekommen. Zu den Teilnehmern zählten auch 25 Mitglieder des BVB-Fanclubs Schwarz-Gelbe Lüner. Sie trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Gemeinsam für Borussia gegen Rassismus“.

Stolpersteine zur Erinnerung

Im Februar waren Stolpersteine vor den Häusern der ermordeten Lüner Johann Berg, Jakob Bink, August Dombrowski, Bernhard Höltmann, Johann König und Josef Kriska verlegt worden. Ihr Schicksal stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Der Selmer Bürgermeister Mario Löhr erklärte, die Gestapo tötete kurz vor Kriegsende über 200 Zwangsarbeiter und Häftlinge, darunter auch die sechs Lüner. Ihr einziges Verbrechen war ihre Mitgliedschaft in der KPD und ihr Widerstand gegen Hitler.

„Nur Zusammenarbeit sichert Frieden“

Viele Jahres sei es unvorstellbar gewesen, dass sich Geschichte wiederholen könne, doch es gebe immer mehr Tendenzen. In den westlichen Demokratien seien vielerorts rechte Parteien auf dem Vormarsch. Flüchtlinge würden gerne als Sündenböcke missbraucht, in den sozialen Medien breiteten sich „Fake news“ aus. Löhr mahnte, nicht den Fehler zu begehen, auf die Argumente dieser Menschen hereinzufallen. Nur die Zusammenarbeit der Völker sichere den Frieden, Abgrenzung sei keine Lösung.

Redner mahnten bei Gedenkfeier in Lünen zum Widerstand gegen rechte Tendenzen

Manfred Kolodziejski (l.), Vorsitzender SPD Lünen-Süd, und Jens Hebebrand, Mitglied der SPD im Kreistag und im Humanistischen Verband, legten im Südpark einen Kranz nieder. © Magdalene Quiring-Lategahn

Auch Stephan Wilhelm, Gemeindereferent der katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie, formulierte: „Nie wieder Krieg und Faschismus. Dieser Ruf hallte über Jahrzehnte. Doch ist aus dem Nie wieder vielleicht ein Schon wieder geworden?“ Er warnte vor den Menschen, die einfache Lösungen „verkaufen wollen“. Einfache Lösungen seien zerstörerisch, wenn sie das Komplexe nicht wahrnehmen.

In diesem Zusammenhang erwähnte er den Tipp von Trump, beim Brand von Notre-Dame Löschflugzeuge einzusetzen. „Gott sei Dank ist das nicht passiert. Die einfache Lösung hätte die Kathedrale zum Einsturz gebracht.“ Im Hinblick auf die Europawahl erkläre Wilhelm: „Lassen wir nicht zu, das Gebäude Europa unter Wasserbombenbeschuss zu stellen. Retten wir die Statik von Europa, die uns Jahrzehnte Frieden gab.“

Rechtes Gedankengut in der Gesellschaft

Auf rechte Tendenzen in der heutigen Gesellschaft ging Katrin Rieckermann vom Förderverein Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergpark-Komitee, ein. „Der Widerstand der vor 74 Jahren Ermordeten verpflichtet uns, gegen Neonazis und Rechtspopulisten einzutreten.“ Sie thematisierte die „bundesweit bedrohliche Erscheinung der Verstrickung staatlicher Organe in die militante Szene“ unter anderem am Beispiel NSU.

Am 25. Mai, ein Tag vor der Europawahl, wollen laut Rieckermann in Dortmund Neonazis aufmarschieren. „Alle sind aufgefordert, zu zeigen, dass sie nicht willkommen sind.“ Solidarität und Mitmenschlichkeit müsse dagegen gesetzt werden. Den Aufbau einer Welt des Friedens seien wir den Ermordeten schuldig, „auch wir in Lünen haben viel zu tun.“

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