Rückkehr zur Schule hilft besonders weniger privilegierten Schülern

rnMeinung am Mittwoch

Schule ist ein hohes Gut. Die schrittweise Öffnung bringt etwas Normalität zurück. Sie hilft vor allem den weniger privilegierten Schülern. Aber verspielen wir damit das Gut der Gesundheit?

von Kevin Tigges

Lünen

, 29.04.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weiterhin bestimmt das Coronavirus unseren Alltag. Visualisiert wird der Einschnitt in unser Leben vor allem durch die seit Montag (27.4.) geltende Maskenpflicht. Eine besondere Herausforderung stellt die Krise seither insbesondere für Familien mit Kindern dar. Plötzlich müssen Arbeit, Schule, Kita und das familiäre Zusammenleben zur gleichen Zeit an einem Ort stattfinden, nämlich Zuhause. Umso deutlicher wird, wie wichtig eigentlich unsere Bildungseinrichtungen sind.

Kevin Tigges

Kevin Tigges © Quiring-Lategahn

Gastautor Kevin Tigges ist Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“.

Eine Sommerferienlänge ist mittlerweile seit den Schulschließungen im März vergangen. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler dürfen bislang aber auch weiterhin nicht in ihre Klassen zurückkehren. Ob sich dies bald ändern wird, bleibt abzuwarten. Zu groß ist die Angst vor einer unkontrollierten Infektionswelle. Zurecht? Ja! Denn in Schulen findet Gemeinschaft auf engem Raum statt, sodass Abstandsregelungen im regulären Schulalltag nicht eingehalten werden können.

Mit der sukzessiven Schulöffnung seit Donnerstag (23.4.) für die vergleichsweise wenigen Schülerinnen und Schüler, die sich auf ihre Prüfungen vorbereiten, mussten die Schulen in Lünen und bundesweit entsprechende

Vorsorgemaßnahmen umsetzen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren: Einbahnstraßenprinzip auf Schulfluren, Sitzpläne, Masken, Abstandsregelungen, Aufteilung der Lerngruppen, Frontalunterricht. All das sind einige notwendige Vorkehrungen, um ein wertvolles Gut nicht zu verspielen: den Schulbesuch.

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Schüler nehmen freiwilliges Lernen sehr gut an

Auch an unserem Gymnasium wurde das freiwillige Lernangebot für die Abiturientinnen und Abiturienten sehr gut angenommen. Die Freude, zurück zur Schule gehen zu dürfen, ist bei aller Unsicherheit und Ungewissheit trotzdem groß. Die getroffenen Maßnahmen erwiesen sich als ungewohnt, aber zumindest praktikabel. Mit der Rückkehr in die Schulen kehrt aber auch vor allem ein Stück Normalität zurück.

Es ist vor allem eine „besondere Normalität“: Schülerinnen und Schüler kommen wieder zusammen, stehen in einem echten Austausch mit ihren Mitschülern sowie ihren Lehrkräften und das Lernen kann wieder gezielt bedürfnisorientiert stattfinden. Das alles aber unter den neuen Gegebenheiten – eben besonders. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der für die Schulöffnung spricht: Schülerinnen und Schüler sind wieder erreichbar. Denn das Lernen auf Distanz zeigt auch, dass gerade diejenigen zurückgelassen werden, die ohnehin weniger privilegiert sind.

Die Rückkehr zur Normalität in Form der Schulöffnungen wirkt einerseits Unsicherheiten entgegen. Andererseits bleibt bei allem Positiven aber auch weiterhin eine zentrale Frage vorerst unbeantwortet: Verspielen wir ein anderes wichtiges Gut, die Gesundheit?

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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