„Rücksichtslos und unverantwortlich“: Richter liest Autofahrer nach Unfall die Leviten

rnAmtsgericht Dortmund

Bei einem riskanten Überholmanöver auf der Elsa-Brändström-Straße in Lünen kollidiert ein 20-jähriger Dortmunder mit einem entgegenkommenden Auto. Der Richter wählt im Urteil harte Worte.

Brambauer

, 16.05.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das war rücksichtlos und unverantwortlich“, hielt der Jugendrichter dem Angeklagten vor. Der junge Mann habe nicht nur sich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer in große Gefahr gebracht. Deshalb müsse er mindestens für ein Jahr auf seinen Führerschein verzichten. Darüber hinaus soll der junge Mann 500 Euro Schmerzensgeld an die verletzte Frau aus Waltrop zahlen.

Was war passiert? Am Nachmittag des 10. Dezember 2018 raste der Dortmunder mit seinem geliehenen 7er-BMW aus Lindenhorst in Richtung Brambauer. Weil ihm die vor ihm fahrenden Autos offensichtlich viel zu langsam unterwegs waren, setzte er immer wieder zu Überholmanövern an. Selbst vor einer Rechtskurve, die er nicht einsehen konnte, stoppte er sein Vorhaben nicht.

Kurve nicht einsehbar

In der Kurve passierte es schließlich. Dem plötzlich vor ihm auftauchenden Auto einer 41-jährigen Waltroperin konnte der Angeklagte nicht mehr ausweichen. Beide Fahrzeuge wurden bei der Kollision erheblich beschädigt und landeten in der Böschung. Der Dortmunder erlitt Beinbrüche, die 41-Jährige und ihre Tochter im anderen Auto Schürfwunden, Prellungen und einen Schock.

Auch am Donnerstag zeigte sich die Waltroperin noch immer schwer beeindruckt von dem Geschehen. „Das war absolut krank“, sagte sie in Richtung des Angeklagten. „Wir sind alle Menschen, wir können alle Fehler machen. Aber das hat nichts mit einem normalen Fehler im Straßenverkehr zu tun.“

Was die Frau besonders getroffen hat: Nach dem Unfall sollen zahlreiche Gaffer im Schneckentempo an den Wracks vorbeigefahren sein, ohne dass sie anhielten und Hilfe holten. Und auch der Umstand, dass der Dortmunder mit einem nicht versicherten Auto unterwegs war, macht sie wütend und fassungslos. „Mein Auto hat einen Totalschaden und ich habe bis heute noch keinen Euro bekommen“, beschwerte sie sich.

50 Euro Rate im Monat

Ob sie ihren Schaden jemals ersetzt bekommt, ist angesichts des Lebensweges des Angeklagten mehr als fraglich. Der 20-Jährige hat nichts gelernt, wohnt noch bei seiner Mutter und verbringt seine Tage im Wesentlichen mit „Zocken und Chillen“, wie er einmal gesagt hat. In den nächsten zehn Monaten muss er aber stets 50 Euro aufbringen, die er als Schmerzensgeld-Rate an die Frau aus Waltrop zahlen muss.

„Die Summe ist dabei gar nicht mal so wichtig“, sagte der Richter. „Wir befinden uns hier in einem Jugendstrafverfahren. Da geht es auch um den Erziehungsgedanken.“ Ein bisschen scheint bei dem 20-Jährigen davon auch schon angekommen zu sein. „Ich möchte mich von ganzem Herzen entschuldigen“, sagte er zu der Waltroperin.

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