Russische Kühe mit virtuellen Brillen sorgen bei Landwirten in Lünen für Schmunzeln

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Die Meldung erinnert an einen Aprilscherz. Aber es ist wahr, dass russische Bauern ihren Kühen mit Spezialbrillen vortäuschen, sie stünden auf einer Weide. Was sagen Lüner Landwirte dazu?

Lünen

, 01.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Darüber muss Carl Schulz-Gahmen lachen. Der Vorsitzende der Lüner Landwirte im Bauernverband hat schon von dieser Geschichte gehört. In Moskau haben Landwirte ihren Milchkühen Virtual-Reality-Brillen verpasst, mit denen sie den Tieren vorgaukeln, sie stünden auf einer saftig grünen Wiese statt im Stall.

Ziel ist es, dass die Tiere mehr Milch geben.

Schulz-Gahmen: „Schuss ist nach hinten losgegangen“

Was sich wie ein Aprilscherz anhört, hat einen ernsten Hintergrund, weiß Schulz-Gahmen. „Nach der Krimkrise haben die Europäer und die Amerikaner beschlossen, landwirtschaftliche Produkte nicht mehr nach Russland zu liefern. Allerdings ist dieser Schuss nach hinten losgegangen.“

Denn die russische Regierung habe daraufhin ihre Landwirtschaft derart gesponsert und gefördert, dass die russischen Bauern mittlerweile zu den größten Getreideexporteuren gehören. Sie sind nicht mehr auf Importe aus Europa und den USA angewiesen - im Gegenteil.

Sanktionen haben sich als „goldener Segen“ für russische Bauern erwiesen

Auch bei der Produktion von Schweinefleisch hätten, so Schulz-Gahmen, die russischen Bauern mächtig aufgeholt und könnten auch dort sehr viel exportieren. Die Sanktionen der Europäer und Amerikaner hätten sich also als „goldener Segen für die russischen Bauern“ erwiesen.

Nur bei der Milch sei das Riesenreich noch auf Zukauf angewiesen. Deshalb nun die Idee, Milchkühe mit Hilfe der virtuellen Realität dazu zu bringen, mehr Milch zu geben.

In Lünen gebe es keine Milchtierhalter mehr, sagt Schulz-Gahmen. Er könnte sich aber auch derzeit nicht vorstellen, dass ein Landwirt den Versuch aus Russland übernimmt. Auch weil es wohl sehr aufwendig sei, „jeder Kuh so ein Ding umzuhängen“. Wobei er neue Ideen nicht ablehnt: „Es gab schon mal Versuche, Milchkühe mit klassischer Musik dazu zu bringen, mehr Milch zu produzieren. Das war erfolgreich.“

Bio-Bullen stehen im ersten Lebensjahr komplett auf der Weide

Bio-Landwirt Vitus Schulze Wethmar musste „auch schmunzeln, als ich davon gelesen habe“. Er sei kein Milchvieh-Experte, halte Mast-Rinder. Und die brauchen keine virtuelle Weide: „Unsere Bullen stehen ihr ganzes erstes Lebensjahr zusammen mit der Mutterkuh auf der Weide.“

Noch nichts von dem Experiment auf einem Bauernhof in Moskau hat Landwirt Dietrich Goertz gehört. Viel von den virtuellen Weide-Erlebnissen hält er nicht. „Ich finde, es ist besser, die Kühe raus zu lassen. Denn sie haben ja nicht mehr Bewegung, nur weil ihnen die Brille vorgaukelt, auf der Weide statt im Stall zu stehen.“ Er würde „nie auf die Idee kommen“, seine Tiere mit solchen Brillen zu veräppeln. „Ich halte das für Quatsch.“

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