Salafismus-Vortrag in Lünen: Aufklärung ist Trumpf

Fragen und Antworten

„Wie können Jugendliche geschützt und aufgeklärt werden?“ Diese Frage zum Thema Salafismus-Prävention stellte Prof. Dr. Mouhanad Khorchide von der Universität Münster am Donnerstag in der Aula der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (GSG). Was ist eigentlich Salafismus und warum ist er so gefährlich? Der Fachmann erklärt es.

LÜNEN

von David Reininghaus

, 20.05.2017, 05:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
Vortrag von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide zum Thema "Salafismus Prävention: Wie können Jugendliche geschützt und aufgeklärt werdem?"

Vortrag von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide zum Thema "Salafismus Prävention: Wie können Jugendliche geschützt und aufgeklärt werdem?"

Was ist Salafismus?

Wie Khorchide erklärt, ist zwischen drei Arten von Salafismus zu unterscheiden. Puristischer Salafismus ist „eher gemäßigt“, politischer Salafismus hat als wesentliches Ziel, „andere zu missionieren“. Beim jihadistischen Salafismus spielt Gewalt eine große Rolle. Grundsätzlich geht es um die Herstellung des „wahren“ Islam bei Ablehnung anderer Lebensformen und Religionen.  

Welches Ziel verfolgt Khorchide?

Ihm geht es vor allem darum, Salafismus als komplexes, mehrdimensionales Problem zu begreifen. „Theologie ist nur eine Dimension, auch die Politik, das soziale Leben sowie die psychische Stabilität des Einzelnen sind Faktoren, die die Gefahr, in den Salafismus abzurutschen, beeinflussen könnten“, erklärte Khorchide, der an der Universität in Münster muslimische Religionslehrer ausbildet, in der Gesamtschule.  

Wer ist besonders gefährdet?

Laut Khorchide ist fehlende Identität ein wesentliches Problem. Muslime aus der Türkei, die in zweiter oder dritter Generation in Deutschland leben, sehen sich selbst als Deutsche, während in der Öffentlichkeit eine Debatte darüber herrscht, ob der Islam zu Deutschland gehört. In der Türkei wiederum gelten sie als Deutsche. So entsteht laut Khorchide ein „Identitätsvakuum“. Orientierungslosigkeit, aber auch fehlende gesellschaftliche Anerkennung fördert die Bereitschaft, sich rekrutieren zu lassen.

An welchen Merkmalen sind Salafisten erkennbar?

An Äußerlichkeiten ist Salafismus nicht zu erkennen. Ist jemand mit einem langen Bart ein Salafist oder jemand, der ein Kopftuch trägt? „Es kann sein, muss aber nicht“, sagte Khorchide. Stellt man bei einem Menschen fest, dass er sich zunehmend isoliert und er wenig spricht, kann das ein Indiz sein, dass er sich von der Gesellschaft abschottet und diese mehr und mehr als Feindbild sieht. Diese mögliche Entwicklung zu erkennen, ist aber schwierig.  

Wie können Jugendliche geschützt werden?

Ein ausgereiftes Rezept oder Programm zur Prävention gebe es nicht, sagten Khorchide und Ellen Pilzecker vom präventiven Jugendschutz der Stadt Lünen offen. Wichtig sei vor allem Aufklärungsarbeit. „Der Religionsunterricht ist zum Beispiel sehr wichtig“, so Khorchide.  

Wie waren die Reaktionen auf den Vortrag?

Bei den Anwesenden kam der öffentliche Vortrag sehr gut an. „Ich habe einen viel differenzierteren Blick auf den Salafismus erhalten“, sagte Ulrich Scholz. Der langjährige Lehrer der GSG ist im Ruhestand und nutzte die Veranstaltung, um bei „seiner“ Schule vorbeizuschauen. „Ich arbeite auch mit muslimischen Flüchtlingskindern und finde es wichtig, mit ihnen über solche Themen reden zu können“, erklärte Sabine Yündem, Lehrerin der bischöflichen Friedensschule in Münster.

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