Schauspieler aus Lünen haben wieder Hoffnung trotz der Corona-Krise

rnSchauspieler in Zeiten von Corona

Erst Leipzig, dann Lünen - für die beiden Lüner Kulturpreisträger Jürgen Larys und Susanne Hocke hebt sich langsam wieder der Theater-Vorhang. Doch der Boden bleibt für sie schwankend.

Lünen

, 01.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Schauspieler freuen sich, dass es für sie nach langer Pause wieder losgeht. Seit März standen Susanne Hocke und Jürgen Larys vom Artensemble-Theater nicht mehr vor Publikum auf der Bühne. Die beiden aktuellen Lüner Kulturpreisträger haben sich aber nicht gelangweilt, sondern vor allem geprobt. Doch als freie Künstler ist ihre Lage alles andere als einfach in Zeiten von Corona.

Jetzt treten sie wieder auf. Gerade waren sie in Leipzig mit ihrer Inszenierung von Goethes „Faust“. „Unser letztes Stück vor und unser erstes Stück nach dem Lockdown“, so der gebürtige Lüner Larys.

Vorfreude auf Premiere von „Gehen“

Nun steht ihre Premiere „Gehen“ auf der Studiobühne des Lüner Heinz-Hilpert-Theaters am 7. und 8. September auf dem Spielplan. Susanne Hocke: „Das ist ein wie immer tief gehendes Stück zu Leben, Sterben, Tod und Übergang. Das Thema hat aber auch durchaus komödiantisches Potenzial und einige launige Bemerkungen zu den aktuellen Corona-Beschränkungen dürfen nicht fehlen.“ Mehr Infos und Karten gibt es beim Lüner Kulturbüro, Tel. (02306) 104 22 99. Eigentlich hätte „Gehen“ schon Ende April gespielt werden sollen. Dann kam Corona und alle Theater mussten vorzeitig schließen.

Szene aus „Gehen“. Das Stück feiert am 7. und 9. September auf der Studiobühne des Heinz-Hilpert-Theaters Premiere.

Szene aus „Gehen“. Das Stück feiert am 7. und 9. September auf der Studiobühne des Heinz-Hilpert-Theaters Premiere. © Artensemble Theater

Dadurch, dass es keine Auftrittsmöglichkeiten gab, konnten Hocke und Larys „umso intensiver proben“. Neben „Gehen“ auch schon das Stück für die übernächste Premiere. „Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da“ ist eine Kooperation mit dem Kulturbüro im Rahmen des Förderprogramms „Heimwärts“ für Bespieltheater in NRW (Theater ohne eigenes Ensemble, Anm.d.Red.).

In diesem Stück geht es um einen Augenzeugen, der den ersten Abwurf einer Atombombe auf Hiroshima 1945 aus nächster Nähe erlebt und ihn auf wundersame Weise überlebt hat. Premiere soll am 10. November im Rahmen der Studioserie im Heinz-Hilpert-Theater sein.

Hilfsangebote und Unsicherheit

Auch wenn sich das Schauspieler-Paar auf die neuen Aufgaben und Auftritte freut, so bleibt bei Beiden das Grundgefühl, „dass der Boden schwankend ist“ auf den Brettern, die für sie die sprichwörtliche Welt bedeuten. Auf der einen Seite gebe es immer wieder tolle Hilfsangebote, auf persönlicher Ebene wie auch von offizieller Seite.

Auf der anderen Seite steht die Unsicherheit, was am Ende dabei wirklich herauskommt und was die Zukunft bringt. „Hier bleibt zu hoffen, dass die Solidarität siegt“, so Larys.

Gesellschaft scheint zweigeteilt zu sein

Ihn und seine Lebens- und Bühnenpartnerin beschleicht das Gefühl, dass die Gesellschaft hier zweigeteilt ist. Da sind die einen, für die Corona vor allem der Verlust an Spaß bedeutet. Und dann die anderen, denen es wirklich an die Existenz geht. „Wir können nur hoffen, dass alle am Ende bereit sein werden, die Kosten gemeinsam zu tragen.“

Dass vieles bei der langsamen Rückkehr zur Normalität im Kulturbereich nicht so einfach ist, haben die beiden Schauspieler schon selbst als Besucher erlebt. Vor einigen Tagen besuchten sie ein Open-Air-Konzert in Köln, bei dem alles nach geltenden Hygiene-Regeln ablief. Nach Verlassen des Konzerts jedoch sahen sie viele Menschen in großen Gruppen feiern, Schulter an Schulter.

Gastronomen und Hoteliers auch betroffen

Am nächsten Tag plakatierten Hocke und Larys dann in Lünen für die Premiere von „Gehen“ und kamen mit einigen Lünern in Gespräch. „Es wurde deutlich, dass neben den Künstlern auch zum Beispiel Hoteliers und Gastronomen die Leidtragenden des Lockdowns sind. Da blickte ich in einige lange Gesichter“, so Larys. Es fielen Bemerkungen wie „Viel eigenes Geld reingeschossen“ oder „nochmal schaffe ich das nicht“.

Die Schauspieler kennen auch einen freischaffenden Fotografen, der schon längst aufgrund von Corona sein Arbeitsfeld gewechselt hat: „Heimlich, still und klaglos. Ausgang ungewiss. Die Liste ließe sich fortsetzen.“

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