Der später freigesprochene Familienvater aus Lünen neben seinem Verteidiger Markus Diethelm (links) und einem Dolmetscher (rechts) kurz vor Prozessbeginn. © Werner von Braunschweig
Landgericht Dortmund

Schläge im Wettbüro: Gericht spricht verdächtigen Familienvater frei

Ein Prozess um eine Bierflaschen-Attacke in einem Lüner Wettbüro endet am Dortmunder Landgericht mit einem Blitz-Freispruch. Nach drei Monaten U-Haft kommt der Angeklagte sofort frei.

Mehr als sechs Jahre nach einem mutmaßlich bewaffneten Überfall in einem Wettbüro an der Münsterstraße in Lünen bleibt der Fall wohl jetzt für immer ungeklärt: Ein verdächtiger Familienvater (38) aus Lünen wurde am Donnerstag am Dortmunder Landgericht von allen Vorwürfen freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 38-Jährigen vorgeworfen, am 19. April 2015 gemeinsam mit drei unbekannten Mittätern in dem Wettbüro einen vermeintlich säumigen Drogenkunden (27) brutal zusammengeschlagen zu haben. Laut Anklage soll der Familienvater den Mann zunächst aufgefordert haben, seine Schulden zu begleichen, später soll er ihm eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen haben.

Angeklagter muss für U-Haft entschädigt werden

Dass der Angeklagte den Gerichtssaal nach knapp eineinhalb Stunden Verhandlung als freier Mann verlassen konnte, lag vor allem an der entlastenden Aussage des angeblichen Opfers. Der 27-Jährige hatte zwar seinerzeit Anzeige erstattet, im Prozess sich nun aber auf Erinnerungslücken berufen, letztlich aber sicher beteuert: „Der Angeklagte hat mich nicht angegriffen.“

Der Lüner Familienvater war im Juli nach einer Urlaubsreise festgenommen worden. Laut Urteil („Wer genau dem Zeugen die Verletzungen zugefügt hat, können wir nicht feststellen“) muss er nun für drei Monate U-Haft, in der er demnach zu Unrecht war, finanziell entschädigt werden.