Schlägerei in Alstedde: Angeklagte und Opfer beschuldigen sich gegenseitig

rnGerichtsprozess

Zwei verletzte Frauen, viel Zorn und gegenseitige Vorwürfe: Das Fazit einer Party im Herbst 2018 in Alstedde. Nun endete der Prozess wegen Körperverletzung – allerdings nicht mit einem Urteil.

von Sylvia Mönnig

Alstedde

, 13.11.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rückblende: Ende Oktober begann vor dem Amtsgericht Lünen das Verfahren gegen eine 31-jährige Frau aus Bergkamen und ihren Freund (27) und das, was beiden vorgeworfen wurde, wog schwer.

Laut Anklage kam es bereits auf der Party zum Streit und die Angeklagte sollte ihrer Kontrahentin, einer 33-Jährigen aus Lünen, vor dem Vereinsheim eine Kopfnuss verpasst und dann mit einigen Freundinnen auf die Frau eingetreten haben.

Das Geschehen, so viel stand fest, verlagerte sich in den Bereich Alstedder Straße. Dort sollte der Angeklagte der geflüchteten Gegnerin förmlich in den Rücken gesprungen und später mit seiner Partnerin auf sie eingetreten haben.

Angeklagte und Zeugen werfen sich Taten gegenseitig vor

Vorwürfe, die das Paar so nicht auf sich sitzen lassen wollte. Zunächst schwiegen beide, dann offenbarten sie ihre Version über eine Verteidigererklärung, in der die Gegnerin als treibende Kraft geschildert wurde – auf der Party und später auf der Alstedder Straße.

An beiden Orten habe die Lünerin auf die Angeklagte eingetreten und schließlich habe der Angeklagte mit mehreren Tritten pariert. Die Lünerin indes belastete das Paar schwer, wobei es in ihren Angaben vor Gericht und zuvor bei der Polizei einige Unterschiede gab.

Hinzu kamen Zeugen, die weitere, neue Versionen schilderten. Ganz zu schweigen davon, dass, was den Komplex Alstedder Straße betraf, von einer dritten Person die Rede war. Hierbei handelte es sich um einen zwischenzeitlich verstorbenen Begleiter der Angeklagten.

„Die ist ja richtig ausgeflippt“

Aufklärung erhoffte sich das Gericht von zusätzlichen Zeugen, die am zweiten Verhandlungstag gehört werden sollten. Polizisten berichteten von einer verletzten, aufgelösten Lünerin.

Gleichzeitig bescheinigte ein Attest der Angeklagten allerdings ebenfalls Blessuren. Zwei ihrer Freundinnen belasteten das mutmaßliche Opfer. Da war von büschelweise ausgerissenen Haaren, Tritten und einer Verletzung am Auge der Angeklagten die Rede. Eine der beiden Zeuginnen betonte: „Die ist ja richtig ausgeflippt.“

Unter den Voraussetzungen blieb Vieles von dem, was vor zwei Jahren tatsächlich in Alstedde geschah, auch am zweiten Verhandlungstag im Dunkeln – geschuldet dem Umstand, dass hier Alkohol, Erinnerungslücken und unterschiedlichste Versionen aufeinandertrafen.

Am Ende wurde das Verfahren gegen das Paar vorläufig eingestellt – gegen Zahlung von jeweils 400 Euro Geldbuße an den Deutschen Kinderhospizverein. sam

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