Schmerzen im Arm: Warum es schwierig ist, beim Neurologen einen Termin zu bekommen

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Volle Praxen, lange Wartezeit. Dieter God hat seit Ende August Schmerzen. Der Hausarzt schickte ihn zum Neurologen. God sprach in mehreren Praxen vor und wurde letztlich auf 2020 vertröstet.

Lünen

, 21.10.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schnell einen Termin beim Facharzt zu bekommen, ist nicht leicht. Diese Erfahrung machte Dieter God (63). Mit Schmerzen im Arm hatte er am 23. August seinen Hausarzt aufgesucht. Der stellte ihm eine Überweisung zum Neurologen aus. Damit begann eine Odyssee von Praxis zu Praxis.

Dieter God meldete sich bei einem Arzt. Dort war bis Ende August Urlaubszeit. Anschließend habe es geheißen, er solle woanders einen Termin ausmachen. Dort hätte er Mitte Oktober untersucht werden können. Doch so lange wollte Dieter God nicht warten.

Schmerzen im Arm: Warum es schwierig ist, beim Neurologen einen Termin zu bekommen

Dieter God, hier als überzeugte Blutspender, soll Anfang 2020 noch mal nach einem Termin beim Neurologen nachfragen. © Foto Beuckelmann

Dass es jetzt noch länger wird, konnte er nicht ahnen. God meldete sich bei einem anderen Neurologen. Der hatte Urlaub. Danach erfuhr God: Es würden keine Patienten mehr aufgenommen. Er versuchte es in einer anderen Praxis. Dort hieß es, er solle es Anfang 2020 versuchen. „Dann werde ich wohl keine Schmerzen mehr haben oder noch schlimmere.“

Praxen der Neurologen besonders voll

Dass es gerade bei Neurologen schwierig ist, einen Termin zu bekommen, kann Dr. Michael Funke, Vorsitzender des Lüner Ärztevereins, bestätigen. Er sagt aber auch, „in bedrohlichen und dringenden Fällen kommen Patienten immer unter.“ Dafür reiche ein Anruf des Hausarztes beim Facharzt. Das sagt auch Neurologe Dr. Norbert Katte: „Die Warteliste ist momentan lang.“ Aber wenn der Hausarzt sich melde und um eine schnelle Meinung bitte, könne das auch kurzfristig klappen. „In Lünen läuft das gut“, so Katte.

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Ganz so dringend war es bei Dieter God wohl nicht, dennoch hätte er seine Schmerzen gerne abgeklärt. Patienten können auch über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) einen Facharzttermin bekommen. „Hierfür stellt der behandelnde Arzt dem Patienten eine sogenannte dringliche Überweisung aus“, so Vanessa Pudlo, Sprecherin der KVWL. Für Gynäkologen und Augenärzte sei dies aber nicht nötig. Das Problem: Die Termine werden verteilt, unabhängig vom Wunscharzt. Für Dieter God kam das nicht infrage.

„Klagen auf hohem Niveau“

Für die vollen Praxen bei Neurologen hat Norbert Katte mehrere Erklärungen, darunter auch die Ferienzeit: „Es war so voll wie noch nie“. Aber auch die älter werdende Gesellschaft und der Anspruch auf eine Zweitmeinung zählten dazu. Außerdem würden sich Hausärzte mitunter schwertun, neurologische Medikamente zu verschreiben, so dass die Patienten wieder beim Facharzt landeten. „Das Ganze ist ein schwieriges Thema“, so Katte. Dennoch spricht er von einem „Klagen auf hohem Niveau“. Bei einem Notfall ginge es eben auch kurzfristig.

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Hausarzt Michael Funke erklärt die Entwicklung mit einer Überversorgung über viele Jahre. Jetzt werde die Facharztbehandlung auf ein normales Maß zurückgedreht. Das sei für Patienten ungewohnt. „Es gibt immer eine Möglichkeit der Behandlung, nur nicht mehr so schnell und vielleicht auch weiter weg.“ Dieses Phänomen ist wohl auch ein Grund dafür, warum Lüner in einer Umfrage der medizinischen Versorgung leicht schlechtere Noten gegeben haben.

Ein Neurologe für 31.373 Patienten

Wie viele Fachärzte sich in einem Bereich niederlassen dürfen, regelt die Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Für den Kreis Unna sind 18 Nervenärzte vorgesehen. Das entspricht einem Versorgungsgrad von 141,1 Prozent. Nach Auskunft der KVWL ist ein Neurologe für 31.373 Patienten zuständig. Um einen Facharzt aufzusuchen, gelten über 30 Minuten Wegzeit als zumutbare Entfernung.

Weil inzwischen ein höherer Bedarf festgestellt worden ist, soll es Anfang 2020 neue Zulassungsmöglichkeiten für Neurologen in Westfalen-Lippe geben. Welche Auswirkungen das konkret auf den Kreis Unna haben wird, dazu konnte die KVWL-Sprecherin noch nichts sagen.

Information

So bekommt man Termine über die Servicestelle

Mit einer dringlichen Überweisung des Hausarztes kann sich der Patient an die Terminservicestellle der KVWL wenden. Sie ist unter Tel. (0231) 94 32 94 44 montags, dienstags, donnerstags von 8 -12 Uhr und 14 -16 Uhr, mittwochs von 14 -17 Uhr und freitags von 8 -12 Uhr zu erreichen . 2018 wurden über die KVWL 27.800 fachärztliche und psychotherpeutische Termine vermittelt. Die maximale Wartezeit zwischen dem Anruf bei der Terminservicestelle und dem Behandlungstermin beträgt vier Wochen.
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