Schokolade von den Nachtjägern

17.07.2007, 17:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lünen Rund ums Schloss Schwansbell ranken sich viele Erlebnisse von Lünern, die sich auf unseren Aufruf gemeldet haben.

So kann sich Heinz Rieksmeier (72, Foto) noch daran erinnern, dass während des Zweiten Weltkriegs deutsche Nachtjäger im Schloss Quartier nahmen. "Ich bin in der Gegend dort groß geworden, hab' in der Gneisenaustraße gewohnt. Als Kind hat man natürlich viel mitbekommen", erzählt der gebürtige Lüner.

Zwar weiß er nicht mehr, in welchen Kriegsjahren die Nachtjäger in Schwansbell logierten, doch dass sie abends mit großen Fahrzeugen zum Flughafen nach Dortmund-Brackel gebracht wurden, weiß er noch. "Morgens kamen sie dann wieder nach Schwansbell zurück."

 

Als Kinder seien er und seine Freunde hellauf begeistert gewesen, wenn die LKW durch die Seydlitzstraße und die Seelhuve gefahren seien. "Manche der Soldaten waren regelrecht dekoriert, wahrscheinlich nach einem Abschuss, sie trugen Kränze", so Rieksmeier.

 

Und da kamen die Kinder auf die Idee, den Soldaten zu gratulieren - mit Blumensträußen, die sie in heimischen Vorgärten pflückten. Rieksmeier: "Wir hatten da aber einen Hintergedanken, denn wir wussten, die Flieger hatten Schokolade." Und die war in Kriegszeiten Mangelware und bei den Kleinen natürlich heiß begehrt. "Anfangs haben wir auch tatsächlich ein paar Riegel bekommen, aber dann kamen immer mehr Kinder und es war mit der Schokolade vorbei."

Der Lüner weiß auch noch, dass der Kommandant der Nachtjäger Oberst Schnaufer hieß und es nach dem Krieg zumindest einmal ein Oberst-Schnaufer-Gedächtnistreffen in Lünen gab. Ein Nachtjäger hat auch sein Liebesglück in der Lippestadt gefunden, er lernte seine spätere Frau hier kennen und blieb.

Auch an Anfang 1946 erinnert sich der Lüner noch gut - denn das enorme Hochwasser, das Lünen heimsuchte, sorgte dafür, dass man nicht mehr zum Schloss Schwansbell gelangte. Rieksmeier: "Das Wasser hat wohl auch im Schloss gestanden, als der Sesekedamm brach." BS

 

Wenn Sie auch noch Erinnerungen ans Schloss Schwansbell und das Waisenhaus haben, rufen Sie uns an, Tel. 7 60 10, oder mailen Sie uns: lokalredaktion.

luenen@ruhr-nachrichten.de

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