Schon eine Idee, wie Eltern die Wasserflächen in Lünen verdoppeln können?

rnKolumne „Jetzt mal unter uns“

Es gibt offensichtlich zu wenig Schwimmbecken in Lünen. Doch die Politik tut sich schwer damit, bei Entscheidungen aus der Vergangenheit nachzusteuern. Unser Autor fragt sich: Warum nur?

Lünen

, 15.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Mehr als 40 Schwimmkurse finden im Lippe Bad statt. Offenbar zu wenig, denn die Wartezeiten für Eltern sind lang. Das wiederum führt dazu, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen. Als Verwaltungsspitze oder als verantwortlicher Politiker würde ich denken: Da müssen wir was tun, schauen wir doch mal, ob da was möglich ist.

Aber: Die Wahl fällt nicht immer auf die aus Sicht des Wählers vermeintlich logische Schlussfolgerung, sondern man ist stattdessen ja gerne darauf bedacht, sich selbst aus der Verantwortung rauszuhalten. Und sei die Begründung auch noch so absurd. „Wir müssen den Eltern sagen, dass sie ihren Kindern das Schwimmen beibringen“, hat SPD-Vertreter Uwe Walter gesagt. So weit ich das mitgekriegt habe, hat er das auch nicht ironisch gemeint.

Die Problemstellung lautet, dass es möglicherweise zu wenig Wasserflächen in Lünen gibt. Die Antwort der SPD ist, dass die Eltern Schwimmunterricht geben sollen. Das verstehe ich nicht: Verdoppelt sich die Beckengröße automatisch, wenn Eltern anstatt Schwimmlehrer am Beckenrand stehen? Oder glaubt man im Rat, dass jede Familie einen eigenen Pool besitzt? Vielleicht wurde aber auch einfach das Problem nicht verstanden, nämlich dass es weder an mangelndem Einsatz von Eltern, Schulen oder Schwimmvereinen scheitert, sondern vielmehr an fehlenden räumlichen Kapazitäten.

In der Ratssitzung am Donnerstag hat Hugo Becker (SPD) das noch einmal erklärt, denn da klang die Sache schon anders: 8 Prozent weniger Wasserfläche unter dem Dach, aber dank längerer Öffnungszeiten 4,2 Prozent mehr Gesamtkapazität. Dazu die berechtigte Frage, was Vereine und Bädergesellschaft noch leisten könnten. Und der Hinweis, dass es möglicherweise schon vor dem Bau des Lippe Bades zu wenig Kapazitäten gegeben hat.

Damals sinnvoll, heute möglicherweise falsch

Das Problem hat man also, wenn auch mit Verspätung, erkannt. Warum sich die Politik damit so schwer tut, ist mir allerdings schleierhaft. Zumal man ja in diesem Fall niemandem wirklich einen Vorwurf machen kann. Als das Bäderkonzept und der Bau des Lippe Bades beschlossen wurden, sahen die Statistiken voraus, dass die Zahl der Kinder eher zurückgehen wird. Mit Blick auf die zu erwartenden Kosten war die Entscheidung damals vernünfitg, aber aus heutige Sicht möglicherweise falsch: Zum einen haben die Menschen in Lünen offenbar doch Spaß an Kindern, zum anderen gab es eine Zuwanderungswelle, die die Kapazitäten zusätzlich beansprucht.

Das konnte natürlich keiner ahnen. Heute kann davor aber auch keiner die Augen verschließen. Stattdessen sollten Politik und Verwaltung ihren Job machen und eine Lösung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger finden. Dazu braucht es übrigens meiner Meinung nach auch kein teures Konzept (vielleicht erinnern Sie sich). Zu prüfen, ob es im Lippe Bad noch Kapazitäten für zusätzliche Kurse gibt, ist schon mal ein guter Anfang.

Spannend wird es, wenn die Antwort auf diese Frage „Nein“ lautet. Denn dann steht der Rat möglicherweise vor der Entscheidung, Geld zu investieren - entweder, um zusätzliche Wasserflächen unter dem Dach der Bädergesellschaft zu schaffen, oder um jeder Familie in Lünen einen Pool zu spendieren. Ich weiß nicht, was für den städtischen Haushalt besser wäre.

Einmal in der Woche sprechen die Mitglieder der Redaktion „mal unter uns“ über Themen, die sie und Lünen beschäftigen. Mal hitzig, mal pointiert, mal einfach geradeaus - aber immer bereit, sich der Diskussion zu stellen. Unser Autor freut sich über Kommentare - entweder gleich unter diesem Artikel oder per E-Mail.
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