Schotter in Vorgärten weiterhin erlaubt: Ausschuss lehnt Vorstoß der Grünen ab

rnSteinwüsten

Die Grünen wollten die „Steinzeit“ in Vorgärten beenden. Natur statt Schotter sollte es in zukünftigen Bebauungsplanverfahren heißen. Den meisten Ausschussmitgliedern ging das aber zu weit.

Lünen

, 07.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist ein Trend, der sich durch viele Wohnstraßen zieht: Statt Hecken, Rasen oder Blumenbeeten finden sich in Vorgärten zunehmend Schotter- und Kiesflächen. Den Grünen ist das ein Dorn im Auge. „Ökologisch völlig wertlos“ sei das, argumentierten sie in ihrem Antrag.

Kein Lebenraum für Tiere

Unter den Steinen würden Eigentümer noch eine Unkrautschutzfolie verlegen und damit die Fläche hermetisch abriegeln. Kein Lebensraum für Schmetterlinge, Marienkäfer, Bienen, Hummeln oder Vögel. Letztlich, so die Grünen, wirke sich das auch auf die Menschen aus. Denn Kiesflächen heizten sich in der Sonne wesentlich stärker auf als beschatteter Erdboden. Das beeinträchtige das Mikroklima.

Die Grünen wollten daher, dass bei zukünftigen Bebauungsplanverfahren Vorgärten mit Vegetation festgelegt werden. Ausgenommen werden sollten erforderliche Zufahrten, Stell- und Müllstandplätze.

Den Bürgern nichts vorschreiben

Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt fand der Vorstoß am Dienstag (5. Februar) keine Mehrheit. Klaus Lamczik (SPD) konnte das Anliegen zwar nachvollziehen, aber „Bürgern vorzuschreiben, wie sie ihre Vorgärten zu gestalten haben, das geht zu weit.“ Er plädierte dafür, die Bürger besser über heimische Gehölze aufzuklären. Ein Prüfauftrag ging an die Verwaltung, dafür Möglichkeiten vorzustellen.

Paul Jahnke (CDU) sprach von Bevormundung der Bürger, Marc Elsbeck (Fraktion Piraten /Freie Wähler) vom Eingriff ins Eigentumsrecht.

Grüne wundern sich über die SPD

Die Grünen erklärten dazu in einer Pressemitteilung am Mittwoch: „Steingärten in Lünen werden weiterhin wachsen“. CDU und SPD machten mit ihren Stimmen den Weg für die Etablierung von Steinwüsten und Vorgärten frei. Sie entzögen sich der Verantwortung für die Verbesserung des Mikroklimas in der Stadt.

Verwundert zeigen sich die Grünen vor allem über die SPD. In anderen Städten habe sie diese Anträge unterstützt und sich gemeinsam mit den Grünen für die Begrünung der Kommunen stark gemacht.

„Thema verödet im festbetonierten Denken“

Weiter heißt es: „Überall in der Welt stehen die Menschen für den Klimaschutz auf, das Bewusstsein gegen ein ´Augen zu und weiter so` wächst, doch in Lünen verödet das Thema im festbetonierten Denken der beiden ehemals großen Parteien SPD und CDU.“ Thomas Matthée (Grüne) nennt ein Beispiel aus Wesel, wo die CDU einen Antrag gegen die zunehmende Versiegelung von Vorgärten eingebracht hatte.

Kommentar

Lieber überzeugen, als verbieten

Auf Spaziergängen begegnen mir immer wieder diese „toten Vorgärten“, zugepflastert mit Schotter und Kies. Mal abgesehen davon, dass sie mit Natur nun wirklich nichts mehr zu tun haben, finde ich sie auch optisch einfach öde und trist. Viele argumentieren ja damit, dass diese „Steingärten“ absolut pflegeleicht seien. Auch das erschließt sich mir nicht, denn Laub fällt zwischen Kies und Schotter, Algen setzen sich fest und durch die Untergrundfolie ist schon so manches Kraut gewachsen. Ich möchte einen solchen Garten nicht haben, auch nicht in meiner Nachbarschaft. Deshalb kann ich die Grünen gut verstehen. Ich finde auch, dass wir Artenvielfalt schützen und ein besseres Mikroklima in Städten erreichen sollten. Dennoch sträube ich mich dagegen, immer mehr Regeln aufzustellen. Überzeugen finde ich besser. Vielleicht sollte jeder neue Häuslebauer eine Broschüre bekommen, in der die Auswirkungen von Steinwüsten dargelegt werden. Ein Päckchen Wildblumensamen dazu, dann ist vielleicht der Blick geschärft. Aber Vorschriften? Davon haben wir doch schon viel zu viele. Magdalene Quiring-Lategahn
Lesen Sie jetzt