Urteil um Tod des kleinen Nils: Spezialist aus Hamburg verteidigt verurteilte Lünerin

rnBundesgerichtshof entscheidet

Mehr als zehn Monate sind nach dem Urteil im Prozess um den Tod des kleinen Nils vergangen. Die Mutter soll ihn Tode geschüttelt haben. Ein prominenter Anwalt unterstützt sie jetzt.

Lünen

, 10.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Prozess um den Tod des kleinen Nils war einer der längsten und aufwändigsten, die das Dortmunder Schwurgericht jemals verhandelt hat. Über vier Jahre dauerte es, ehe die Richter am 11. Juni 2018 das Urteil sprechen und die angeklagte Mutter des Kindes zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilen konnten. Unzählige Sachverständigen-Gutachten hatten sie im Laufe der Zeit eingeholt. Und viele Gutachter widersprachen sich stellenweise in ganz elementaren Fragen.

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Für die Richter stand jedoch fest: Die Angeklagte muss Nils heftig geschüttelt und dabei mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen haben. Das Urteil lautete auf Körperverletzung mit Todesfolge. Doch wird diese Entscheidung Bestand haben? Das muss der Bundesgerichtshof entscheiden, dem die Revisionsbegründung in diesen Tagen zugehen dürfte. Aufgrund der langen Verfahrensdauer hatte das Dortmunder Schwurgericht mehrere Monate Zeit, das schriftliche Urteil zu verfassen. Erst danach begann die Revisionsfrist von einem Monat zu laufen.

Urteil um Tod des kleinen Nils: Spezialist aus Hamburg verteidigt verurteilte Lünerin

Rechtsanwalt Johann Schwenn hat für die vom Landgericht Dortmund verurteilte Lünerin die Revision begründet. Schwenn vertrat unter anderem auch den bekannten Wettermoderator Jörg Kachelmann (r.), als der wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht stand. Kachelmann wurde 2011 freigesprochen. © picture alliance / dpa

Mit der Formulierung und Begründung des Einspruchs gegen das Urteil hat die angeklagte Lünerin den Hamburger Spezialisten Johann Schwenn beauftragt. Schwenn ist bundesweit bekannt, hatte zuletzt unter anderem den Wetter-Moderator Jörg Kachelmann vertreten und mit den Reemtsma-Entführern verhandelt. 541 Seiten hat der Rechtsanwalt geschrieben – sogar mehr, als die eigentliche Urteilsbegründung aufweist. Aktuell ist der Eingang der Unterlagen noch nicht in den Datenbanken von Bundesgerichtshof oder Bundesanwaltschaft vermerkt. Dort hieß es auf Nachfrage nur: „Unter diesem Namen haben wir keinen Eintrag.“

Anwalt: „Sicher, dass wir neu verhandeln werden“Urteil

Christian Koch, der die Lünerin gemeinsam mit Rüdiger Deckers vor dem Schwurgericht verteidigt hatte, blickt für seine Mandantin weiter zuversichtlich in die Zukunft. „Ich bin sicher, dass wir in einigen Monaten wieder zusammensitzen und neu über den Fall verhandeln werden“, sagte er auf Nachfrage am Mittwoch (8. Mai). Es gebe einfach zu große und gravierende Zweifel an der Schuld der Angeklagten. Die Mutter des kleinen Nils müsse endlich freigesprochen werden, um ihren Frieden mit dem schrecklichen Geschehen machen zu können.

Anträge auf Protokoll-Berichtigung

Kochs Kollege Deckers hat die vergangenen Monate übrigens weiter genutzt, um gegen das Dortmunder Schwurgericht vorzugehen. Mehrere Anträge auf Berichtigung des Verhandlungsprotokolls hat der Anwalt gestellt. Seiner Ansicht nach waren die Zusammenfassungen der einzelnen Sitzungstage lückenhaft und damit voller Fehler. Über diese Anträge ist ebenfalls noch nicht entschieden.

Wann sich der Bundesgerichtshof mit der Revision der Lünerin befassen wird, steht noch in den Sternen. Realistisch ist eine Entscheidung bis zum Herbst.

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