Schuss auf Flüchtlingsunterkunft in Lünen-Süd

Staatsschutz ermittelt

Unbekannte haben am späten Samstagabend offenbar auf eine Flüchtlingsunterkunft in Lünen-Süd geschossen – davon zeugt ein Loch in einer Fensterscheibe des ehemaligen Schulgebäudes. Verletzt wurde niemand. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

LÜNEN-SÜD

, 24.10.2016, 13:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Stahlkugeln seien im Umfeld der Unterkunft, der ehemaligen Kielhornschule an der Heinestraße, gefunden worden, erklärte ein Sprecher der Polizei am Montag auf Anfrage. Die Polizei sei Samstag gegen 23.30 Uhr alarmiert worden, nachdem Bewohner Geräusche bemerkt und die zersprungene Scheibe gesehen hätten. Vier Bewohner hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Raum dahinter auf.

Mehrere Millimeter große Stahlkugeln

Noch ist jedoch nicht klar, ob es sich bei der Kugel in der Fensterscheibe auch um die im Umfeld gefunden mehrere Millimeter großen Stahlkugeln handelt. Das sei jetzt Gegenstand der Ermittlungen, erklärte der Polizeisprecher. Die Kugel habe die erste Scheibe der Doppelverglasung durchschlagen, sei aber dann steckengeblieben. Verletzt wurde niemand.

Abgeschossen möglicherweise mit Zwille oder Steinschleuder

Unklar ist auch noch, womit die Kugel abgeschossen worden ist. Denkbar wäre eine Art Zwille oder Steinschleuder. Solche Zwillen können in Deutschland legal gekauft werden, sofern sie nicht mit einer Art Stütze versehen werden. Diese „Präzisionsschleudern“ fallen dann unters Waffengesetz.

Zu einem möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund wollte sich der Polizeisprecher noch nicht äußern: „Das können wir momentan weder ausschließen noch bestätigen“, erklärte er. Der Staatsschutz ermittelt aber immer dann, wenn es um möglicherweise politisch motivierte Kriminalität geht.

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Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns und Erster Beigeordneter Horst Müller-Baß seien „sehr entsetzt“, erklärte Frank Knoll, persönlicher Referent des Bürgermeisters, auf Anfrage. Kleine-Frauns und Müller Baß sind noch am Montag nach Lünen-Süd gefahren, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen – und mit der Polizei zu sprechen. Ihr anschließender Eindruck: „Die Bewohner sind relativ gelassen geblieben“, meinte Kleine-Frauns.

In der Flüchtlingsunterkunft der Kielhornschule leben derzeit 51 Bewohner. Ein Sicherheitsdienst war zu dem Zeitpunkt nicht vor Ort. Die Stadt fährt das Konzept, dass ein Sicherheitsdienst nicht permanent im Einsatz ist.

Das habe sich nun geändert, wie Frank Knoll mitteilte: Bis auf Weiteres ist der Sicherheitsdienst wieder eingesetzt. Aber: „Der Sicherheitsdienst hätte am Sonntag nichts machen können“, denn nach derzeitigem Kenntnisstand sei der Schuss von außerhalb gekommen. 

Hinweise gesucht
Die Polizei sucht nun nach Hinweisen auf den oder die Täter: Tel. (0231) 1327441.

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