Bei schönem Wetter sperrt die Stadt Zufahrtsstraßen zum Seepark. Damit will sie Parkchaos vermeiden und den Anwohnern helfen. Nicht alle Anwohner sind glücklich mit der Lösung.

Horstmar

, 02.07.2019 / Lesedauer: 5 min

Die von der Stadt Lünen zur Beendigung des Parkchaos rund um den Seepark eingeführten Straßensperrungen spalten die Gemüter.

Einige Anwohner finden sie gut, wieder andere lehnen sie ab. In einem Punkt, so sieht es zumindest aus, sind sich beide Parteien einig: Der für die Kontrolle zuständige Sicherheitsdienst könnte freundlicher sein.

Scharfe Kritik an den Sperrungen und am Umgangston der Ordnungskräfte übt derweil auch die CDU-Ratsfraktion. Die Stadt wiederum spricht von einer überwiegend positiven Resonanz der Anwohner auf die Sperrungen und das Verhalten der Sicherheits-Mitarbeiter vor Ort.

C. Müller, der seinen vollständigen Namen nicht veröffentlicht wissen will, hält überhaupt nichts von den am Osterwochenende dieses Jahres eingeführten Straßensperrungen an Wochenenden mit höchst sommerlichen Temperaturen.

Der 49-Jährige kümmert sich um seinen 78-jährigen Vater, der an der Straße Baukelweg in Horstmar wohnt. Deshalb reist Müller jeden Tag mit dem Auto aus Lünen-Mitte an.

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Sperrungen überhaupt nichts bringen. Dadurch verschiebt sich nur das Parkchaos“, sagte Müller am Montag (1.) im Gespräch mit unserer Redaktion. Viel schlimmer aber finde er das Verhalten der Security-Mitarbeiter an den Absperrungen.

„Trotz gültigen Anwohnerausweises meines Vaters wollten die von mir schon mehrfach den Personalausweis sehen. Dabei haben die einen Ton an den Tag gelegt, das war schon nicht mehr schön“, sagte Müller weiter.

„Ich will von der Stadt wissen, ob das überhaupt im Einklang mit dem Datenschutz steht und welche Rechte genau die Security-Leute haben.“

Bürgermeister empfängt Kritiker

Antworten auf diese Fragen könnte C. Müller am Dienstag (2.) aus erster Hand bekommen. Um 15.30 Uhr, das hat die Stadt unserer Redaktion bestätigt, trifft Müller Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns zum Gespräch im Rathaus.

Wie Stadtsprecher Benedikt Spangardt am Montag (1.) im Vorfeld des Treffens sagte, „muss die Legitimation nicht mit dem Personalausweis erfolgen. Dieser erleichtert lediglich den Nachweis, dass man Anwohnerin oder Anwohner ist, ganz erheblich“.

Scharfe Kritik am Verhalten der Sicherheitskräfte äußerte auch Gabriele Krischer in einem Leserbrief, den die Ruhr Nachrichten am Samstag (29. Juni) veröffentlichten und der auch der Stadt vorliegt. In dem Brief schilderte Krischer unter anderem, wie schwierig es für ihre Kinder war, sie und ihren Mann zu besuchen.

In dem Brief heißt es:

„Vor 3 Wochen wollten unsere Kinder aus Hamm uns besuchen. Sie kamen jedoch nur bis zur Straßensperre „Mittelfeld“. Auf Befragen des Security-Mitarbeiters, wohin sie denn wollten, antwortete unser Schwiegersohn (seine Eltern stammen aus der Türkei!), dass er zu seinen Schwiegereltern im Fliederweg 23 wolle.

Antwort: Das kann ja wohl jeder sagen, er solle seinen Besucherparkausweis vorweisen, vorher käme er nicht rein!

Wer Schlechtes denkt: SUV, HAM-Kennzeichen, Fahrer südländisch aussehend, Frau und 2 Kinder; die wollen nur zum Grillen in den Seepark, aber nicht mit uns!!!!! Unser Schwiegersohn ist also schön zu uns gelaufen, hat sich die Parkkarte geholt und die Familie konnte ‚einreisen‘.“

Hierzug nimmt Heiko Havers, Geschäftsführer der B-A-K Sicherheitsdienstleistungs-GmbH, nach Angaben von Stadtsprecher Spangardt wie folgt Stellung:

„Bei gutem Wetter sind die Sperrstellen sehr stark frequentiert und dieses vornehmlich von Personen, welche kein berechtigtes Interesse haben, sondern lediglich die Zufahrt zum Horstmarer See nutzen wollen.
Da viele Parkbesucher sich sehr kreativ zeigen und die verschiedensten Geschichten erfinden, um die Sperrstelle zu passieren, kann es leider wie in diesem Fall dazu kommen, dass das beschriebene, berechtigte Interesse, nochmals genauer geprüft wird.
Nachdem die Aussage des Anwohners vorlag, waren alle Zweifel erloschen und die Personen konnten passieren. Auch die nachgerückte Gesellschaft konnte nach einer kurzen internen Rücksprache zu der Wohnung des Gastgebers.“

Grundsätzlich, sagte Stadtsprecher Benedikt Spangardt, sei das Sicherheitspersonal angewiesen, freundlich aber bestimmt aufzutreten. Am vergangenen Wochenende (29./30. Juni) seien am Samstag und am Sonntag schätzungsweise jeweils 7000 Menschen im Seepark gewesen. Am Montag (1.), sagte Spangardt weiter, seien sieben Beschwerden bei der Stadt eingegangen: „Die Beschwerden drehten sich nicht alle um das Parken beziehungsweise die Kontrollstellen.“

„Keine richtigen Probleme mit Sicherheitspersonal“

Kritik an Seepark-Security: Unfreundliches Personal und Ausweiskontrollen sorgen für Ärger

Heidi Bork wohnt in Lünen-Süd und kommt jeden Tag mit dem Auto nach Horstmar. Denn die 68-Jährige kümmert sich sieben Tage die Woche um ihre pflegebedürftige Mutter (92), die an der Straße Mittelfeld wohnt. Heidi Bork hat bislang keine schlechten Erfahrungen mit dem Sicherheitspersonal an den Straßensperrungen gemacht. © Storks

Es gibt aber auch positive Stimmen zu den Straßensperrungen. So wie die von Heidi Bork. Die 68-Jährige ist am Seepark „groß geworden“, lebt seit ein paar Jahren in Lünen-Süd.

Von dort kommt sie täglich, „auch an den Wochenenden“, angefahren, um sich um ihre pflegebedürftige Mutter (92) zu kümmern. „Ganz ehrlich, richtig Probleme mit den Sicherheitsleuten an den Sperrungen habe ich bislang keine gehabt“, sagte Heidi Bork am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion am Eingang zum Seepark an der Straße Mittelfeld.

„Je nachdem, mit wem man es da zu tun hat, ist der eine freundlicher als der andere. Aber das ist ja überall der Fall.“ Bislang habe sie nach Vorzeigen der Besucherkarte (ihrer Mutter, Anm. d. Red.) immer durchfahren können.

Und was ist mit dem Parkchaos? „Ich habe schon den Eindruck, dass die Sperrungen Wirkungen zeigen und sich die Situation entschärft hat.“

„Situation auf jeden Fall besser geworden

Das sieht Janina Apostel ganz genau so. Von ihrer Terrasse aus hat die 68-Jährige freien Blick auf den Eingang zum Seepark an der Straße Mittelfeld.

„Mit den Sperrungen ist es hier auf jeden Fall besser geworden. Viel ruhiger, der Eingang zum Seepark ist wieder begehbar.“ Und was ist mit Besuchern? „Da gab es mit Vorzeigen des Pakrausweises bislang keine Probleme“, erklärte Janina Apostel.

Scharfe Kritik an den Straßensperrungen und dem Umgangston der Ordnungskräfte äußert indes CDU-Fraktionschefin Annette Droege-Midel in einem offenen Brief an Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns. In dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt, heißt es unter anderem:

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

die im Frühjahr beschlossenen Maßnahmen haben nach unseren Informationen nicht zu einer Entlastung der Anlieger am Horstmarer See und im Nahbereich geführt. Im Gegenteil – die Parksituation ist für die Anlieger komplizierter geworden.

Die Situation an den Einfahrten der anliegenden Straßen ist chaotisch. Die Ordnungskräfte sind einer unüberschaubaren Vielzahl ankommender Wagen ausgesetzt. Das führt sicherlich dazu, dass sie einigen Anwohnern mit einem unfreundlichen und rohen Umgangston und -form begegnen.

Die Ordnungskräfte gehen sehr stringent mit den Anliegern und auch deren Besuchern um. Sie fühlen sich wie auf einer Bannmeile. Spontane Besuche von Anwohnern, aber auch angekündigte Besuche z.B. anlässlich von Feierlichkeiten der Anlieger, werden unverständlicherweise abgewiesen.“

Vor diesem Hintergrund fordert die CDU von Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns spätestens bis zur Ratssitzung Lösungsvorschläge ein, die zu einer Verbesserung der Situation führen.

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