Servicedienst im Klinikum Lünen zeigt Wirkung

Vor drei Monaten gestartet

Yusuf Günes arbeitet im Servicedienst des Klinikums Lünen. Vor drei Monaten wurden die viel diskutierten Schlichter im Klinikum Lünen vorgestellt. Die Mitarbeiter sind Männer für alle Fälle und beruhigen aufgebrachte Patienten und Angehörige in Notfällen. Wir haben Yusuf Günes einen Abend lang begleitet.

LÜNEN

, 16.08.2015, 07:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Servicedienst im Klinikum Lünen zeigt Wirkung

Der Eingang zu den 13 Behandlungsräumen der Notaufnahme: Hier ist der Arbeitsplatz von Servicedienst-Mitarbeiter Yusuf Günes.

Den Druck rausnehmen. Das ist die Aufgabe von Yusuf Günes. Der Druck steigt zu manchen Zeiten in der Notaufnahme des Klinikums Lünen. Wenn Patienten lange warten müssen, Alkohol im Spiel ist und sich Aggressionen gegen Pfleger und Ärzte aufstauen.

Yusuf Günes ist Mitarbeiter des seit drei Monaten eingerichteten Servicedienstes. Wir haben ihn an einem Abend vier Stunden während seiner Schicht begleitet. Eines vorweg: Der Abend von 20.30 bis 0.30 Uhr verlief unspektakulär. „Sie hätten mal gestern kommen müssen. Da habe ich keine Minute gesessen“, sagt eine Schwester.

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Weil es ruhig ist, kann Yusuf Günes einiges erzählen. Er schildert Szenen, die glaubt man kaum. Ein Patient muss vom Pfleger so gebändigt werden, dass der Chirurg die Wunde auf dem Boden kniend nähen muss. Angehörige drohen Mitarbeitern Prügel an. Ein Patient will mit Nadel im Arm Reißaus nehmen, ein anderer macht sich plötzlich am Medikamentenschrank zu schaffen. Probleme gibt es vor allem nachts und an Wochenenden.

Präsenz zeigen, ruhig bleiben, bestimmt auftreten

Yusuf Günes ist der Mann für alle Fälle. Früher war er in der Sicherheitsbranche am Flughafen für Passagiere zuständig, jetzt kümmert er sich um Patienten. Kein Abend ist gleich, jede Situation neu. Auch in unauffälligen Schichten kann plötzlich die Stimmung kippen. Präsenz zeigen, ruhig bleiben, bestimmt auftreten. Das ist Günes Auftrag.

Auf den ersten Blick ist er nicht als jemand zu erkennen, der eingreifen soll. Der 28-Jährige trägt schwarze Hose und weißes Hemd. „Es gibt bewusst keine Uniform“, sagt er. Nach seiner Erfahrung kommt das gut an. Ebenso das Reden. Als ihm mal jemand an die Gurgel wollte und er die Attacke ruhig abwehren konnte, umarmte ihn später der Patient mit den Worten: „Du bist ein ganz netter.“

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25 Patienten werden an diesem Abend behandelt, überwiegend leichtere Fälle. Weil alle 590 Betten belegt sind, hat sich das Klinikum bei der Rettungsleitstelle Kreis Unna abgemeldet. Dennoch bringt der Rettungsdienst zwei lebensbedrohlich Erkrankte. Einer wird am Herzkatheter-Messplatz behandelt, ein anderer bekommt eine Bluttransfusion. Beide müssen auf die Intensivstation.

"Reden hilft"

Yusuf Günes ist in Dortmund geboren und hat türkische Wurzeln. Das kommt ihm im Umgang mit Menschen seines Kulturkreises zugute. Er spricht ihre Sprache und weiß, dass bei Todesfällen die Art des Trauerns eine andere ist. „Reden hilft“, sein Leitspruch hat sich bisher bewährt.

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