Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

So erinnern sich Castroper und Lüner an Wuttke

Gestorbener Ex-Fußball-Profi

Er wurde nur 53 Jahre alt: Der ehemalige Fußball-Profi Wolfram Wuttke ist tot. Einer, an den sich nicht nur Weggefährten aus der Bundesliga erinnern, sondern auch Fußballer aus der Region. Denn in Jugendzeiten spielte Wuttke in Castrop-Rauxel, nach dem Profi-Karriere-Ende dann in Lünen.

LÜNEN

, 03.03.2015 / Lesedauer: 3 min

"Ich habe ihm das Schnibbeln des Balles beigebracht", sagt beispielsweise Norbert Witczak. Er war in den 60er-Jahren Berufsfußballer bei Viktoria Köln, hatte Hennes Weisweiler und Udo Lattek als Trainer und wurde später Nachwuchstrainer bei der SG Castrop. "Ich habe Wolfram Wuttke vier Jahre lang bei den C- und D-Junioren trainiert", erinnert sich Witczak. Und das enorme Talent wurde schon da deutlich.

Dann ging Wuttke nach Schalke

"Wir haben mit der C-Jugend der SG Castrop um die Westfalenmeisterschaft gespielt und waren dazu zwei Tage in der Sportschule Wedau einkaserniert." Das Turnier sei für die Talent-Sichter "natürlich wie ein Präsentier-Teller" gewesen, so Witczak, "und eine Woche später haben wir dann erfahren, dass Wuttke nach Schalke geht."

Zunächst blieben die Mannschaftskameraden auch in Kontakt zum Abgeworbenen. Erst nach der Zeit auf Schalke habe sich das geändert, erinnert sich Volker Hördemann, der in den vier Jahren C- und D-Jugend mit Wuttke auf dem Platz gestanden hatte: „Ich war schon geschockt, als ich hörte, dass es ihm so schlecht geht“, sagt Hördemann, "Wir sind ja ein Jahrgang, unsere Geburtstage liegen nur vier Tage auseinander." Am Sonntag war Wuttke in einem Lüner Krankenhaus gestorben.

Erst Profi, dann nach Haltern und Lünen

Doch vorher machte er Karriere: Schalke, Mönchengladbach, Hamburg, Kaiserslautern, Saarbrücken, Espanyol Barcelona, eine Handvoll Länderspiele, Bronze bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul zusammen mit Klinsmann, Häßler, Mill.

Die ganz große Karriere wurde es aber nicht. Wuttke galt als einer, der viele Widerworte gibt und seinen Kopf durchsetzen will. Ein Image, das immer wieder neue Nahrung bekam.

Spielertrainer in Haltern, Gastspiel in Lünen

Nach dem Abschied vom Profisport ging Wuttke 1994 kurz als Spielertrainer zum TuS Haltern. Später sollte er eigentlich für den Bayernligisten Königsbrunn auflaufen. Ein Sponsor wollte ihn zu jeder Partie einfliegen lassen. Doch der Geldgeber konnte sein Versprechen schon bald nicht mehr halten.

Dann - 1996 - folgte Wolfram Wuttkes Gastspiel beim Lüner SV, der unbedingt in die Oberliga wollte. Ein Handschlagvertrag, Geld gab es pro Einsatz. Wuttke selbst sagte vorher: "Trotz meiner Erfahrung als Profi und Nationalspieler bin ich ein Mensch wie jeder andere, der nicht wie ein rohes Ei behandelt werden muss."

Glücklose Zeit beim Lüner SV

Er wollte "auf dem Rasen Taten folgen lassen" - und blieb doch in Lünen glücklos. Bei der Heimpremiere vor 1100 Zuschauern glänzte er noch. Eine Woche später aber musste er schon nach 36 Minuten verletzt vom Platz. Zwei Mal noch in den folgenden Partien bereitet er Tore vor, in einem anderen Spiel gelang ihm ein schöner Freistoß-Heber - sein einziger eigener Treffer für den LSV.

Ansonsten war Wuttke verletzt, fiel nicht auf, verabschiedete sich nach nur zehn Spieltagen mit den Worten: "Ich muss mich um meine beruflichen Belange kümmern." Seinerzeit baute der Ex-Profi in Oschersleben bei Magdeburg einen Sport- und Tennispark auf.

"Wenn er in Ballbesitz ist, explodiert er"

Vor dem ersten Spiel in Lünen hatte Trainer Werner Barth noch geschwärmt: "Wolfram Wuttke wurde von der Mannschaft gut aufgenommen. Natürlich ist er konditionell noch nicht voll da. Aber wenn er in Ballbesitz ist, explodiert er." 

Als der Trainer aber vier Wochen später zurücktrat, kam ein neuer Coach - Manfrad Balcerzak. Und bei dem hörte sich das anders an: "Auch Wolfram Wuttke muss um einen Stammplatz kämpfen."

Vom Fuß- zum Filzball

Wuttke kämpfte weiter gegen die Rückschläge. Im Privaten wie auf dem Platz. Nach seiner Zeit beim Lüner SV wurde er Spieler und Trainer bei Grün-Weiß Selm - in der Stadt, in der er seinerzeit schon wohnte. Er spielte Tennis in Selm, wo man ihn auch als Platzwart beschäftigte. 2008 war er für ein knappes Jahr Sportdirektor beim baden-württembergischen Fußball-Oberligisten TSV Crailsheim. Eine weitere Rückkehr zum Fußball aber sollte es für ihn nicht mehr geben.

Lesen Sie jetzt

Ruhr Nachrichten Verbraucherärger mit Partnervermittlung

Mieses Geschäft mit der Einsamkeit: Lünerin soll 8500 Euro zahlen, um ihren „Hans“ zu sehen