So feiert ein Flüchtling Weihnachten in Gahmen

Bei neuer Familie

„Spritzgebäck haben wir schon gebacken. Besser gesagt, ich habe den Teig gemacht und Filmon hat es mit einem Freund gebacken“, erzählt Renate Kolep bei Tee und Plätzchen am Küchentisch und lacht. Auch in diesem Jahr verbringt Filmon Afemerki, Flüchtling aus Eritrea, Weihnachten in seiner neuen Heimat.

GAHMEN

, 25.12.2016, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Elke Enzl (v.l.), Filmon Afemerki und Renate Kolep feiern auch in diesem Jahr wieder gemeinsam Weihnachten.

Elke Enzl (v.l.), Filmon Afemerki und Renate Kolep feiern auch in diesem Jahr wieder gemeinsam Weihnachten.

Filmon Afemerki aus Eritrea sitzt neben ihr und hört der alten Damen zu, wie sie über Weihnachten und ihr Zusammenleben spricht. Seit Juli 2015 wohnt er in der Dachgeschoss-Wohnung des Hauses von Renate Kolep. Und ist seitdem Teil der Familie. Auch Weihnachten werden die beiden gemeinsam mit Koleps Tochter Elke Enzl verbringen, die im ersten Geschoss des Hauses zwischen ihrer Mutter und dem 24-jährigen Filmon Afemerki wohnt.

Als orthodoxem Christen ist Filmon Weihnachten zwar nicht unbekannt, aber sein erster deutscher Weihnachtsbaum samt Baumschmuck im letzten Jahr hat ihn dann schon beeindruckt: „Filmon hat immer wieder gesagt: ‚Oh, wie schön‘“, erinnert sich Renate Kolep.

Afemerki war Nachmieter von Koleps Tochter

Die beiden machten ein Foto von sich, wie sie vor dem Weihnachtsbaum stehen. Filmon schickte es an seine Schwester, die seit sieben Jahren in Äthiopien lebt. Als sie ihn fragt, wer denn die Frau auf dem Bild ist, schreibt ihr Afemerki: „Das ist meine Mama.“ Renate Kolep gefällt es, dass er sie so nennt: „Er hat mich vom ersten Tag an so genannt.“

Dieser erste Tag, das war im Mai 2015. „Meine Tochter zog nach Dortmund“, erklärt Elke Enzl. „Und deshalb waren wir auf der Suche nach einem Nachmieter. Als uns dann mein Schwager fragte, ob wir uns vorstellen könnten, einen Flüchtling aufzunehmen, haben wir gesagt: ‚Ja, warum nicht?‘“

"Ich will hier leben, bis ich alt bin"

Kurz darauf stand Afemerki mit einer Mitarbeiterin der Caritas, die sich um die Wohnungs-Vermittlung kümmerte, vor der Tür. „Sie sagte, wir müssten nicht sofort sagen, ob wir Filmon aufnehmen möchten. Aber das stand für uns alle dann schon direkt fest. Auch für Filmon“, sagt Renate Kolep.

Elke Enzl blickt zu Filmon und fragt: „Was hast du gesagt, als du hier angekommen bist?“ Afemerki erinnert sich und beginnt zu grinsen: „Ich will hier leben, bis ich ein alter Mann bin.“ In diesem Jahr verbringt er nun zum zweiten Mal das Weihnachtsfest mit seiner deutschen „Familie“ – zwei Wochen früher, als er es eigentlich gewohnt ist.

Weihnachten in Eritrea am 7. Januar

„In Eritrea feiern wir am 7. Januar Weihnachten“, erklärt der 24-Jährige. „Was wir genau machen, wissen wir noch nicht. Aber an einem Tag kommt die Familie und dann machen wir Raclette und sitzen zusammen und quatschen“, sagt Renate Kolep.

Auch Silvester feiert die Familie gemeinsam. „Dann sagt Filmon wieder, dass das Feuerwerk der Leute draußen für ihn ist“, sagt Elke Enzl und lacht. Denn Filmon Afemerki hat am 1. Januar Geburtstag.

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