So geht die Sparkasse an der Lippe mit attraktiven Sparverträgen ihrer Kunden um

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Die Sparkasse Dortmund hat zum Ärger zahlreicher Kunden gut dotierte Prämien-Sparverträge gekündigt. Wir haben bei der Sparkasse an der Lippe nachgefragt, ob das für sie ein Thema ist.

Lünen, Selm, Werne

, 24.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sparkasse Dortmund zieht als eine der ersten Sparkassen in der Region die Reißleine: Wegen der anhaltend historisch niedrigen Zinsphase kündigt das öffentliche-rechtliche Geldinstitut 11.000 Sparverträge - zum Ärger ihrer treuesten Kunden.

Bei der Sparkasse an der Lippe ist diese aus Kundensicht äußerst unfreundliche Geschäftspolitik zurzeit noch kein Thema. Das erklärte eine Sparkassensprecherin am Mittwoch (23.) auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Sprecherin räumte jedoch ein, dass die im Jahr 2016 aus dem Zusammenschluss der Sparkasse Lünen/Selm und der Stadtsparkasse Werne hervorgegangene Sparkasse an der Lippe „derartige Sparverträge mit unseren Kunden“ wie in Dortmund geschlossen hat.

„Prämiensparen flexibel“

Diese, mit langen Laufzeiten ausgestatteten Verträge namens „Prämiensparen flexibel“ glänzten mit einem bis dato lukrativem Bonussystem. Je länger man bei der Stange blieb, umso ergiebiger war es für den Kunden.

Die Prämien begannen im ersten Jahr bei 0 Prozent, kletterten im zehnten Jahr auf 25 und ab dem 15. Jahr auf 50 Prozent der jährlichen Sparsumme. Zahlen die Kunden beispielsweise 1200 Euro im 15. Jahr ein, steuert die Sparkasse 600 Euro dazu.

Damit soll am 28. Februar 2020 für Dortmunder Sparkassenkunden Schluss sein. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Prämiensparverträge gekündigt. Dabei beruft man sich in Dortmund auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH).

Der BGH hat am 14. Mai 2019 entschieden, dass Sparkassen nach Erreichen der höchsten Prämienstufe – beim „Prämiensparen flexibel“ also nach 15 Jahren – Ratensparverträge ohne festgeschriebene Vertragslaufzeit ordentlich kündigen dürfen.

„Keine Beschlussfassung dazu“

Wie viele solcher Verträge die Sparkasse an der Lippe mit ihren Kunden geschlossen hat, dazu machte die Sprecherin keine Angaben: „Zur Anzahl möchten wir aus verständlichen Gründen keine Auskunft geben.“ Es gebe nach heutigem Stand auch keine Beschlussfassung, diese Verträge zu kündigen.

Gleichwohl räumte die Sparkassensprecherin ein: „Selbstverständlich beobachten wir den Markt und äußere Einflüsse - wie zum Beispiel BGH-Urteile - und passen unsere Geschäftspolitik und unsere Entscheidungen bei Bedarf entsprechend an.“

So geht die Sparkasse an der Lippe mit attraktiven Sparverträgen ihrer Kunden um

Sparkassen-Chef Thomas Lohmann © Storks (A)

Ähnlich hatte sich vor wenigen Tagen schon Sparkassenschef Thomas Lohmann in einem Interview mit dem Westfälischen Anzeiger geäußert.

Auf die Frage, ob die Sparkasse an der Lippe - wie einzelne Sparkassen in der Region - darüber nachdenke, wegen des Niedrigzins‘ gut dotierte Sparverträge zu kündigen, antwortete Lohmann:

Wir haben dazu aktuell keinen Beschluss in unserem Haus. Man muss aber generell festhalten, was der BGH in der Sache entschieden hat. Er sagt, dass man die Sparverträge kündigen kann, sofern ihr Ziel nach einer festgelegten Zeit erreicht ist, die Verträge also erfüllt wurden. Das Recht haben alle, die diese Verträge ausgestellt haben, nicht nur Sparkassen, auch andere Kreditinstitute. Letztendlich sind wir ein kaufmännischer Betrieb und müssen am Ende des Tages auch vernünftige Zahlen schreiben können. Uns gelingt dies auch dank des großen Engagements der Mitarbeiter.

Sparkassenchef kündigt Ausscheiden an

In dem Interview hatte Thomas Lohmann zudem erklärt, dass er mit Auslaufen seines Fünf-Jahres-Vertrags Ende 2020 in den Ruhestand wechseln werde. Mit dieser Ankündigung beendete der Vorstandsvorsitzender der Sparkasse an der Lippe Spekulationen um seine Person. Denn in Mitarbeiterkreisen hatte sich vor Erscheinen des Interviews am Freitag (18. Oktober) hartnäckig das Gerücht gehalten, der Vorstandschef würde von der Ausstiegsklausel in seinem Vertrag zum 31. Dezember dieses Jahres Gebrauch machen.

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