So hilft ein Lüner Verein Tieren von Obdachlosen

Interview mit Tierärztin

Für viele Wohnungslose ist ein Tier der einzig verlässliche Freund. Doch was, wenn Hund oder Katze krank werden? Hier hilft der gemeinnützige Verein „DoDogs“ aus Nordlünen und behandelt die Tiere kostenlos. Wie genau der Verein arbeitet und wie Lüner Bürger die Arbeit unterstützen können, verrät Tierärztin Dr. Barbara Seibert im Interview.

NORDLÜNEN

, 29.12.2016, 12:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
So hilft ein Lüner Verein Tieren von Obdachlosen

Tierärztin Dr. Barbara Seibert mit zwei Praxishunden. Mit ihrer Kollegin hat sie den Verein "DoDogs" gegründet.

Wir haben mit der Initiatorin und 1. Vorsitzenden von "DoDogs", der Lüner Tierärztin Dr. Barbara Seibert, über die Idee, die Aufgaben und die Wünsche der Vereinsmitglieder gesprochen.

Wann kamen Sie auf die Idee, den Verein zu gründen?

Das war im Jahr 2009. Mit meiner Freundin und Kollegin, der Tierärztin Friederike Weichenhan aus dem Sauerland hab ich gegen heftige Widerstände von allen Seiten das Projekt auf die Beine gestellt.

Warum gab es Widerstände?

Weil wir für die Menschen und Tiere, für die wir etwas tun wollten, die Gebührenordnung außer Kraft gesetzt haben. Wir haben die Tiere ja unentgeltlich behandelt. Aber inzwischen haben wir viel Hilfe bekommen und man weiß inzwischen, dass es eine gute Sache ist.

Für wen ist Ihr Verein gedacht?

Für Wohnungslose und Menschen, die in Suchtprogrammen stecken, beispielsweise Methadon bekommen. Sie dürfen zu uns kommen, denn gerade für sie haben Tiere eine große Bedeutung.

Kümmern sich diese Menschen um ihre vierbeinigen Freunde?

Auf jeden Fall. Diese Tiere sind meistens in einem sehr guten Zustand. Da verzichten die Menschen selbst eher auf Essen und kümmern sich darum, dass ihre Tiere satt werden.

Welche Tiere haben die Menschen, die zu "DoDogs" kommen?

Meistens sind es Hunde, oft große Hunde. Zu etwa einem Viertel oder etwas mehr auch Katzen.

Warum sind Tiere für die Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, so wichtig?

Aufgrund zahlreicher negativer Erfahrungen mit ihren Mitmenschen gibt ihnen die Beziehung zum Tier das Gefühl, akzeptiert und geliebt zu werden. Manche Menschen finden auch mit Hilfe ihres Tieres zurück in die Gesellschaft.

Unterstützung für den Verein "DoDogs"
Die medizinische Grundversorgung für die Tiere umfasst die Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen, die Wundversorgung, Prophylaxe und Behandlung parasitärer Erkrankungen, Impfungen und Beratung. Helfen kann man durch Sachspenden (medizinischer Bedarf, Tierarzneimittel), Geldspenden und eine Mitgliedschaft im Verein für 50 Euro im Jahr.
Das Spendenkonto bei der Sparkasse an der Lippe, IBAN DE60 4415 2370 0010 0010 89, BIC WELADED1LUN
Homepage:

Gibt es da ein Beispiel?

Einer jungen Frau ist ihr Hund weggelaufen, weil er sich erschrocken hat. Sie hat ihn gesucht, wir haben auch sofort überall Suchplakate angebracht. Mit Freunden hat sie abwechselnd Wache im Wald geschoben, in der Hoffnung, dass das Tier zurückkommt. Als sie eines kalten Morgens um 4 Uhr zurückkam, spürte sie, wie eine Schnauze sie anstupst – ihr Hund war zurück. Sie kam sofort mit ihm zu uns. Dieses Erlebnis hat ihr die Kraft gegeben, ihr Studium doch noch zu beenden. Inzwischen ist sie Theaterpädagogin, kümmert sich in Dortmund um Projekte für missbrauchte Kinder.

Was bietet DoDogs?

Wir behandeln jeden Mittwochnachmittag im Streetwork-Cafe an der Leopoldstraße in Dortmund Tiere von Wohnungslosen. Wir sind vier Tierärzte, Dr. Mechthild Fecke-Peitz aus dem Lipperland, Dr. Michael Coers aus Lünen, Friederike Weichenhan und ich. Wir machen das auf unsere Kosten, brauchen aber Sponsoren und Mitgliedsbeiträge für die Arbeit – und das kommt alles zu 100 Prozent dem Verein zugute. Selbst Wohnungslose geben mal fünf Euro für die Arbeit des Vereins, obwohl sie selbst nicht viel haben.

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

50. Über weitere Mitglieder würden wir uns sehr freuen.

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