So rechtfertigt Lünen die Baustellen-Strategie

Nach massiver Kritik

Viele Baustellen, noch dazu außerhalb der Ferien, viele Staus, viel Stress: Die Stadt Lünen hat massive Kritik abbekommen. Die Verantwortlichen sahen sich offenbar unter Rechtfertigungsdruck, informierten am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. So erklärte die Stadt ihre Strategie - hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen.

LÜNEN

, 31.08.2016, 16:35 Uhr / Lesedauer: 3 min
So rechtfertigt Lünen die Baustellen-Strategie

Für ihre Strategie bei den Straßensperrungen - hier an der Borker Straße vor dem Bahnübergang in Höhe Döttelbeckstraße - hat die Stadt Lünen massive Kritik bekommen.

Was ist der aktuelle Stand auf den Straßenbaustellen? Die Arbeiten auf der Kurt-Schumacher-Straße sollen am Freitag beendet werden, so Hendrik Lütke Brintrup, stellvertretender Abteilungsleiter Straßenbau. Auch die Borker Straße sei so gut wie fertig, solle am Donnerstag im Laufe des Tages wieder in Richtung City befahrbar sein – aber nur bis zur Von-Wieck-Straße.

Was ist mit der Umleitung? Wegen einer Stadtwerke-Baustelle bleibt die Borker Straße weiter zwischen Von-Wieck-Straße und Konrad-Adenauer-Straße Richtung City gesperrt. Daher bleibt es laut Stadt auch bei der offiziellen Umleitung über die Laakstraße. Der Römerweg, der zwischenzeitlich freigegeben war, wird wieder nur für Anlieger ausgeschildert, kündigt Friedhelm Wittlieb an, Abteilungsleiter Verkehrslenkung und Überwachung. Er geht davon aus, dass sich der Verkehr neu sortiert und Ortskundige über Von-Wieck- und Ladestraße in die City fahren werden. Auch die VKU-Busse würden diese Strecke nutzen.

Leser Peter Lüders fragt: Warum wird die Borker Straße nicht flexibel ausgeschildert – morgens Richtung Stadt, nachmittags Richtung Norden? Technisch wäre es laut Wittlieb möglich. Man habe sich aber aus Sicherheitsgründen anders entschieden. Die Feuerwehr brauche den Anfahrtsweg über die Borker Straße Richtung Norden, um ihre Hilfsfristen einzuhalten.

 

Leser Prof. Dr. Bernd Niehues will wissen: Warum wurde die Bergkampstraße nicht während der Bauphase freigegeben? Ging nicht, erklärt Friedhelm Wittlieb für die Stadt: „Zwischen Kriegerdenkmal und Sperrpfosten ist sie nicht mehr als ein gut ausgebauter Feldweg.“

Es gab im Baustellenbereich und auf Umleitungsstrecken Geschwindigkeitskontrollen. Warum mutete man auch das noch den Autofahrern zu? Allein aus Sicherheitsgründen, erklärt die Stadt, zum Schutz der Bauarbeiter und Anwohner.

Laut Leserin Sabine Gormann wurde am vergangenen Freitag auf der Borker Straße überhaupt nicht gearbeitet. Stimmt das? Er habe Freitagmorgen selbst Arbeiter gesehen, sagt Hendrik Lübke Brintrup. Es sei aber nicht in allen Bereichen gearbeitet worden. Lütke Brintrup betont: Die Firma hält den Zeitplan ein.

Die Stadtwerke reparieren nach aktuellem Stand noch eine Woche an ihrem Fernwärmenetz in Höhe Von-Wieck-Straße. Ursprünglich sollte das sogar drei Wochen dauern. Warum geht es nun so schnell? „Fünf Stellen am Fernwärmenetz standen für den Schaden in Verdacht“, erläutert Friedhelm Wittlieb, „die Stadtwerke-Kollegen haben schnell die richtige Stelle entdeckt, müssen also nicht mehr länger suchen.“

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Immer wieder wird kritisiert: Andere Straßen hätten es viel nötiger als die Borker Straße. Was sagt die Stadt dazu? Dass man unterscheiden müsse zwischen der Sanierung einer völlig maroden Straße von Grund auf und den Sanierungen im Rahmen des sogenannten Deckenprogramms wie etwa bei der Borker Straße, so Manfred Scholz, Abteilungsleiter Straßenbau.

Was bedeutet das Deckenprogramm? Für rund 500.000 Euro im Jahr werden die Deckschichten vor allem von Hauptstraßen erneuert, deren Schadensbild das noch zulässt. Würde man länger warten, wären diese Straßen irgendwann ein Totalschaden, so die Stadt. „Das Programm spart uns richtig Geld“, erklärt Kämmerer Uwe Quitter.

Welche Straßen sind die nächsten beim Deckenprogramm? Cappenberger Straße von Esso-Tankstelle bis Innenstadt, Gahmener Straße von Karlstraße bis Stadtgrenze Dortmund und Kupferstraße vom Kreisverkehr bis zur Dortmunder Straße. Konkrete Termine dafür, so Manfred Scholz, stehen noch nicht fest.

Und wo wird von Grund auf saniert? Laakstraße und Schulstraße seien in den Planungen der Stadt als nächste an der Reihe, sagt Scholz.

Was ist mit einer völlig maroden Straße wie der Steinstraße? Aus Kostengründen, so Scholz, mache man Straßensanierung in der Regel dort, wo auch der Kanal saniert wird. Die Steinstraße stehe aber aktuell nicht im Abwasserbeseitigungskonzept, daher sei der Zeitpunkt für eine Straßensanierung momentan nicht absehbar.

Borker Straße, Kurt-Schumacher-Straße, Jägerstraße: Überall arbeitet dieselbe Firma. Wäre es nicht besser gewesen, die Aufträge zu verteilen? Die gemeinsame Ausschreibung aller drei Maßnahmen habe Kostenvorteile gebracht, erklärt Kämmerer Quitter. Laut Hendrik Lütke Brintrup (Straßenbau) gebe es nur noch wenige große und kaum noch mittelständische Firmen, die Arbeiten wie beim Deckenprogramm durchführen könnten. Und die dann auch am Wochenende, wie jetzt bei der Jägerstraße, Asphalt geliefert bekämen. Es sei dann aber kaum möglich, die Termine so zu koordinieren, dass ausschließlich während der Ferien gearbeitet wird. 

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