Solarium-Verbot wegen Krebsgefahr? Lüner Sonnenbank-Betreiber kritisieren Forderung

rnDebatte um Gesundheits-Gefährdung

Hautärzte und die Deutsche Krebshilfe fordern ein Verbot von Solarien. Bei Sonnenstudio-Inhabern stößt das auf Unverständnis. Auch in Lünen gehen die Meinungen zu diesem Thema auseinander.

Lünen

, 05.02.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gesundheitsdebatte um Solarien ist wieder einmal groß. Neu sind die Warnungen vor Hautkrebs, die die Deutsche Krebshilfe zum Weltkresbtag am Dienstag, 4. Februar, ausspricht, zwar nicht - die Organisation geht nun aber noch einen Schritt weiter und fordert sogar ein bundesweites Verbot von Solarien. Das stößt bei dem Bundesfachverband Besonnung auf Unverständnis: Es gäbe keine wissenschaftliche Grundlage für eine solche Forderung.
Auch die Betreiberin des Lüner Sonnenstudios Steinstraße, Heike Jakob, sieht in einem Verbot den falschen Weg: „Der Kunde soll eigenverantwortlich entscheiden, was gut ist, und was nicht. Es gibt sowieso schon zu viele Verbote.“ So sei es, wie fast überall, immer eine Frage der Dosierung und in gesundem Maße kein Problem - ähnlich wie beim Alkohol. „Den verbietet ja schließlich auch niemand“, so Jakob, die das Sonnenstudio in Lünen seit Oktober 2018 betreibt.

Beratung ist das A und O

Laut der Deutschen Krebshilfe erkranken in Deutschland jedes Jahr 37.000 Menschen am schwarzen Hautkrebs - Solarien seien für etwa 10 Prozent davon verantwortlich. Um eine solche Erkrankung zu vermeiden, setzt das Sonnenstudio Steinstraße auf gute Beratung und Kontrolle. So werden dort bewusst keine Münzautomaten oder Flatrates angeboten, die Sonnenbänke werden alle vom Tresen aus bedient.

Die meisten Kunden kämen ohnehin nicht zum Bräunen in das Sonnenstudio, sondern einfach zum Licht tanken und entspannen oder um eine Auszeit vom Alltag zu nehmen - zum Beispiel, weil sie durch ihre Arbeit den ganzen Tag keine Sonne sehen. Einige kämen auch, um ihre Haut zu verbessern und beispielsweise Neurodermitis vorzubeugen.

Die Bräunung sei dann vor allem ein netter Nebeneffekt. Sorgen um Hautkrebs würden sich die Kunden eher weniger machen: „Wir werden oft gefragt, wie viel Sonnen gut für die Haut ist, aber vor Hautkrebs haben die Kunden eigentlich keine Angst“, sagt Jakob.

Experten warnen vor künstlicher UV-Strahlung

Dabei stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowohl die natürliche UV-Strahlung der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien in die höchste Risikogruppe der krebsauslösenden Faktoren ein. Das bestätigt auch der Selmer Hautarzt Andreas Leibing: „Licht ist ab einer gewissen Dosis krebserregend, das ist wissenschaftlich bewiesen.“ Gerade in Solarien sei die Konzentration so hoch, dass Effekte auf die Haut kaum ausblieben.

Auch von einem Besuch im Solarium gegen Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder Neurodermitis rät der Hautarzt ab. Wenn, dann solle man so etwas nur bei einem Dermatologen und nicht im Sonnenstudio durchführen lassen.

Qualifikation und Aufklärung statt Verbot

Heike Jakob wünscht sich statt einem Verbot von Sonnenstudios mehr ärztliche Aufklärung über Risikogruppen - unter Einfluss von Alkohol oder Antibiotikum lasse die Inhaberin keine Kunden auf die Sonnenbank. Auch ein Verbot für Minderjährige sei sinnvoll. Ein generelles Solarium-Verbot könne sie aber nicht verstehen: „Im Sommer achtet auch keiner auf die Uhr, wenn man in der Sonne liegt. Auf der Sonnenbank ist die Zeit wenigstens kontrolliert.“

Auch strengere Vorschriften für die Qualifikation der Mitarbeiter im Solarium seien wichtig, um eine kompetente Beratung garantieren zu können, so Jakob: „Wenn man von gut qualifizierten Mitarbeitern betreut wird, dann ist Sonnen gut für die Seele“.

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