Sparkassen Lünen/Selm und Werne prüfen Fusion

Bürgermeister informieren

Die Sparkassen Lünen/Selm und Werne könnten bald gemeinsame Sache machen: Die Institute prüfen nach einer Mitteilung der drei Stadtverwaltungen eine Fusion. Bei einem Pressegespräch am Donnerstagmittag haben die Bürgermeister der drei Städte schon viele Fragen beantwortet - einige Details sind aber noch unklar.

SELM/LÜNEN/WERNE

, 09.04.2015, 13:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sparkassen Lünen/Selm und Werne prüfen Fusion

Achim Schwarz (Vorstand Verwaltungsrat Sparkasse Lünen/Selm, r.) und Lothar Christ (Verwaltungsratsvorsitzender Werne) sowie die beiden Bürgermeister Mario Löhr (2.v.l.) und Hans Wilhelm Stodollick bei der Pressekonferenz zur Fusion der Sparkassen Lünen/Selm und Werne im Bistro Zur Kegelbahn auf Schloss Cappenberg. Dort erläuterten sie Pressevertretern die Absicht zur Fusion.

Das ist bisher bekannt:  Die drei Bürgermeister haben die regionalen Pressevertreter in einer E-Mail am Donnerstag um 8.59 Uhr informiert und zu einem Pressegespräch am selben Tag um 13 Uhr in Cappenberg – einem Ort, der geografisch zwischen den drei Kommunen liegt – eingeladen. Dabei wollen Mario Löhr, Hans Wilhelm Stodollick und Lothar Christ gemeinsam informieren. In der Einladung heißt es, die demografische Entwicklung, anhaltende Niedrigzinsen, deutlich steigende regulatorische Anforderungen und ein permanent zunehmender Wettbewerb im Privat- und Firmenkundengeschäft führten zu laufenden Veränderungen bei Sparkassen und Banken. Vor diesem Hintergrund prüften die Sparkassen Lünen/Selm und Werne eine mögliche Fusion. Im letzten Satz heißt es auch, dass die beiden Sparkassen schon heute in Teilbereichen zusammenarbeiteten und weitere Kooperationen zu Schwesterinstituten im Verbandsgebiet Westfalen-Lippe unterhielten.

Das ist das allgemeine Umfeld:  Es gibt einen Sparkassen-Verband Westfalen-Lippe, der schon ans Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Darin sind 71 Sparkassen zusammengefasst, die laut Angaben des Verbandes eine Bilanzsumme von insgesamt 123 Milliarden Euro (Jahr 2014) ausweisen. Es handele sich um die bedeutendste Finanzorganisation in Westfalen-Lippe, heißt es auf der Homepage. Die einzelnen wirtschaftlich eigenständigen Kreditinstitute unterliegen einem Regionalprinzip: Die eine Sparkasse darf der anderen nicht ins Geschäftsgebiet wirtschaften. Das Geschäftsgebiet ist mit den kommunalen Grenzen des Trägers übereinstimmend. Das bedeutet: Der Träger der Sparkasse Werne ist die Stadt Werne, die Sparkasse darf nur im Stadtgebiet aktiv sein. Gleiches gilt analog für die Sparkasse Lünen/Selm. Bei der Sparkasse steht auch als Geschäftsprinzip eine Orientierung am Gemeinwohl in den Leitlinien. Nachbarsparkassen sind die Sparkassen Hamm, Dortmund, Vest Recklinghausen, Unna/Kamen, Bergkamen-Bönen, Haltern am See, Herne, Westmünsterland und Schwerte.

Das ist das lokale Umfeld:  Die Sparkasse Lünen gibt es seit 1853. Vorstandsvorsitzender ist Sparkassendirektor Ulrich Fischer, Vorstandsmitglied ist Sparkassendirektor Heiko Rautert. 2013 feierte die Sparkasse ihr 160-jähriges Bestehen. Ein Sparkassenzweckverband der Städte Lünen und Selm ist der offizielle Träger. Beide Städte sind Mitglieder dieses Verbandes. Die Bilanzsumme der Sparkasse Lünen lag im Jahr 2013 bei 1,4 Milliarden Euro. 

Die Sparkasse Lünen/Selm betreibt 13 mit Personal besetzte Geschäftsstellen. Zehn in Lünen, zwei in Selm, eine in Bork. Von den drei SB-Geschäftsstellen gibt es inzwischen nur noch die eine in Lünen Innenstadt, nachdem die Automatenstandorte in Gahmen und Cappenberg im Herbst geschlossen wurden. Ein einzelner Automat steht noch in Lünen am Hauptbahnhof.

Die Stadtsparkasse Werne hat eine Bilanzsumme von knapp 650 Millionen Euro, wäre also deutlich der Junior-Partner einer Fusion. Fünf Filialen und Selbstbedienungszentren zählen zum Geschäftsstellennetz. Rund 130 Mitarbeiter sind bei der Stadtsparkasse Werne beschäftigt. Vorstandsvorsitzender ist Thomas Lohmann, Mitglied des Vorstandes Martin Abdinghoff.

Das sind die Hintergründe:  Sparkassen sind Anstalten öffentlichen Rechts. Die Zahl der Sparkassen ging in den vergangenen zehn Jahren um rund 12,5 Prozent zurück – von etwa 470 auf nur noch etwas über 400 bundesweit. Sparkassen haben einen Vorstand und einen Verwaltungsrat, dem der Bürgermeister der jeweiligen Kommune vorsitzt. Der Verwaltungsrat ist eine Art Aufsichtsrat, der die Arbeit des Vorstandes überwacht.

 

Das sind offene Fragen (unter anderem, Stand 9. April 2015, 13 Uhr):

Was würde sich bei einer Fusion für die Kunden ändern?

Was hat konkret nun zu den Fusionsbestrebungen geführt?

Sind mit der Fusion – wie oft bei Fusionen üblich – Einsparbestrebungen verbunden?

Wo wäre der neue Hauptsitz einer fusionierten Sparkasse?

Wo liegen bisherige Kooperationen?

Welche Folge hätte eine Fusion für Mitarbeiter-Strukturen und kommunale Ausschüttungs- und Steuerfragen? 

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