Sparkassen-Schließung: Reaktion der Lüner Parteien

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Die Sparkasse an der Lippe wird bis 2020 drei Geschäftsstellen in Lünen schließen. Der Grund: Immer weniger Kunden kommen laut Sparkasse in die Filialen, die Entfernung zwischen den Filialen sei zu gering. Passend zum Wahlkampf berichten wir, wie die einzelnen Parteien auf diese Entscheidung reagieren.

LÜNEN

06.09.2017, 18:32 Uhr / Lesedauer: 4 min

Blau: Filiale bleibt bestehen Rot: Filiale schließt, nur noch ein Geldautomat verfügbar Orange: Filiale wird durch SB-Bereich ersetzt Grün: Neue Filiale

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In Brambauer an der Mühlenbachstraße, an der Bebelstraße und in Beckinghausen, wird es von der Sparkasse statt Geschäftsstellen künftig nur noch Automaten geben. Die Sparkasse begründet diesen Schritt damit, dass Kunden immer seltener in die Filialen vor Ort kommen und die Filialen weniger als 1,5 Kilometer auseinander liegen.

Wie die Parteien auf diese Entscheidung reagieren, haben wir für Sie recherchiert:

 

Das sagt Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns sagte am Mittwoch auf Anfrage: „An die sich stets verändernden Marktverhältnisse und Rahmenbedingungen – dazu zählt auch die Digitalisierung unserer Gesellschaft – darf und muss sich auch eine Sparkasse anpassen können. Diese Prozesse sind wichtig, damit die Sparkasse auch langfristig noch ihre öffentlichen Aufgaben erfüllen kann. Nach meinem Eindruck wurde diese Entscheidung mit Bedacht vorbereitet. Zum Beispiel (…) hält die Sparkasse die Struktur der Geldautomaten weitgehend aufrecht.“

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Das sagt die SPD Beckinghausen

Udo Kath, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Beckinghausen, teilt mit: „Enttäuscht und verärgert reagiert der SPD Ortsverein Lünen-Beckinghausen auf die intransparente, geheime, aber leider schon beschlossene Schließung der Sparkassenfiliale in Beckinghausen." SPD-Ortsvereinsvorsitzender Robert Schmidt: „Noch vor Monaten hieß es, Beckinghausen als einer der umsatzstarken Filialen steht gut da. Auch die Versprechungen bei der damaligen Fusion, die Sparkasse würde weiterhin mit ihrem breit aufgestellten Filialnetz bestehen, ließ eine solche Entscheidung nicht erahnen. Wenn das so weitergeht, können mit den gleichen Argumenten auch in Zukunft weitere Filialen geschlossen werden. Denn irgendeine Filiale ist im Vergleich zu anderen immer das Schlusslicht. Deshalb sind wir für das damalige Sparkassenversprechen sich nicht aus der Fläche zurückzuziehen.“

Die in den Medien zitierte Erläuterung vom Vorstandsvorsitzenden Thomas Lohmann, das das ja so ist, weil die Entfernungen zu anderen Geschäftsstellen unter anderthalb Kilometer liegen, ist falsch, da von Beckinghausen aus die nächste Filiale in Lünen rund drei Kilometer entfernt ist. Nicht nur die Bewohner des gegenüberliegenden Seniorenzentrums werden jetzt vor Ort keinen persönlichen Ansprechpartner im Nahbereich mehr vorfinden. Sondern auch viele Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende aus dem nahen Umfeld.

Vielleicht gelingt es ja wenigstens in Gesprächen mit den Verantwortlichen zu erreichen, dass die Beckinghausener Vereine weiterhin in ihren Aktivitäten unterstützt werden. Bis heute war die Zusammenarbeit mit dem Team um die Leiterin Melanie Kemper immer hervorragend für den Stadtteil, so beim traditionellen Volkstrauertag, Treffen der Beckinghausener Vereine, Ausstellungen wie zuletzt über das Uferkastell und dem zuletzt stattgefunden Schnadegang – wir hoffen, dass dies so bestehen bleibt.

Die Reduzierung auf eine SB-Zweigstelle kritisieren wir. Dadurch und durch ihr Verhalten wird die Sparkasse an der Lippe ihrer eigenen Werbeaussage „Der Mensch im Mittelpunkt – immer und überall“ nicht mehr gerecht. Im Gegenteil, anscheinend haben der Vorstand und der Verwaltungsrat mit seinen politischen Vertretern aus dem Kommunikationsgau in Gahmen nichts gelernt. Kein Wunder, wenn sich in Zukunft viele Kunden aus Beckinghausen und auch aus Bergkamen-Oberaden dem Sparkassenslogan folgen: „Sie als Kunde entscheiden, wie und wo Sie ihre Finanzgeschäfte abwickeln.“ Dafür werden dann etliche alternativ die kostenlosen bzw. kostengünstigeren Angebote auf dem Markt nutzen.

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Das sagt die CDU

Sprecher Arno Feller äußert sich für die CDU-Fraktion: „Die Schließung von drei weiteren Sparkassenfilialen ist für die betroffenen Ortsteile sehr bedauerlich. Da die Beschlüsse in den jeweiligen Gremien einstimmig erfolgt sind, geht die CDU-Fraktion davon aus, dass eine sorgfältige Abwägung wirtschaftlicher Notwendigkeiten und der Präsenz in unmittelbarer Nähe zum Kunden erfolgt ist.

Natürlich sind diejenigen stärker betroffen, die nicht so mobil oder mit dem Online-Banking nicht vertraut sind. Die Entwicklung läuft parallel mit den Schwierigkeiten eine ortsnahe Versorgung mit allen lebenswichtigen Gütern zu gewährleisten. Nur dort, wo noch eine hinreichende Kundenzahl für Geschäftsmodelle besteht, die sich wirtschaftlich rechnen, kann eine wirklich komfortable Infrastruktur aufrechterhalten werden.

Die CDU-Fraktion stützt deswegen im Rahmen der Stadtentwicklung die Ausweisung von Wohngebieten, die einem Ortsteil zusätzlichen Auftrieb geben (wie beispielsweise Lünen-Süd und Wethmar). Wenn wenigstens mit dem Nahverkehr das städtische Gesamtangebot oder das eines größeren Ortsteils erreichbar bleibt, gehen wir von zumutbaren Möglichkeiten aus.

Wünschenswert ist natürlich immer ein wohnortnahes Komplettangebot, aber die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass dies nur teilweise möglich ist und der politische Wille allein nicht genügt.“

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Das sagen die Grünen

Die Ratsfraktion der Grünen nimmt so Stellung: „B90/Die Grünen wollten die Bürgerschaft bei der Umgestaltung der Sparkasse zu Wort kommen lassen. Obwohl es hierzu eine Zusage des Verwaltungsratsvorsitzenden Martin Püschel gab, werden die Kunden erneut vor vollendete Tatsachen gestellt.

Wieder einmal haben die verantwortlichen Entscheidungsträger gezeigt, was sie davon halten, Kundenbindung und Kundenzufriedenheit über Mitwirkung und Beteiligung zu stärken. Eine verpasste Chance.“

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Das sagt die FDP

Das ist die Stellunganhme der FDP-Fraktion im Rat: "Wie uns der Vorstand der Sparkasse mitteilte, besuchen circa fünf Kunden am Tag die Zweigstelle an der Bebelstraße, die Sparkasse hält dafür vier Mitarbeiter bereit (Vorschrift drei Mitarbeiter). Ein Mitarbeiter pro Tag für einen Kunden kann sich kein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen leisten.

Während des letzten Jahres wurden in ausführlichen Untersuchungen die Kundenströme analysiert. Aus den Analysen ergab sich ein verändertes Kundenverhalten, wie es auch der Bericht schilderte. Daraus muss ein Unternehmen Konsequenzen ziehen, damit die Zukunft der verbleibenden Mitarbeiter gesichert bleibt und eine nachhaltige eigenständige Existenz ermöglicht wird.

Für den Einzelnen führt solche Entscheidung durchaus zu nachfühlbaren Nachteilen, doch die längerfristige Erfüllung der Aufgabe der Sparkasse, der „geld- und kreditwirtschaftlichen Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft insbesondere des Geschäftsgebietes und ihres Trägers zu dienen“ (§ 2 Sparkassengesetz) kann nur durch solche Entscheidungen gesichert werden.

Die FDP Lünen vertraut insbesondere dem Verwaltungsrat mit den politischen Vertretern aller Parteien und der Personalvertretung, dass sie verantwortungsvoll und im Interesse der Allgemeinheit die Entscheidungen gefällt haben.“

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Das sagt die Fraktion Gemeinsam für Lünen

Die Fraktion Gemeinsam für Lünen (GFL) im Rat äußert sich wie folgt: „Die Ratsfraktionen sind am Mittwoch erst vom Sparkassen-Vorstand über die bereits beschlossenen Maßnahmen zur Veränderung des Standortkonzepts informiert worden. Diese Informationen wird die GFL-Ratsfraktion gemäß Fraktionsvorstandsbeschluss vom Mittwoch in ihrer nächsten Fraktionssitzung, die am 18. September stattfindet, zunächst gemeinsam bewerten und sich anschließend dazu öffentlich positionieren.

Bei derart tiefgreifenden Veränderungen, die uns erst am Mittwoch vom Sparkassenvorstand vorgestellt wurden, ist die ausführliche Beratung und das Votum der Gesamtfraktion erforderlich.“

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Das sagen die Piraten/Freie Wähler

Ratsfrau Gabriele zum Buttel nimmt für die Fraktion Piraten/Freie Wähler Stellung:„Die Fraktion Piraten/Freie Wähler Lünen hat der Fusion der Sparkassen Lünen und Werne zugestimmt, vor allem vor dem Hintergrund der Nutzung von Synergieeffekten, einer Stärkung der Wirtschaftskraft und dass das Filialnetz nicht eingeschränkt werden sollte.

Jetzt sehen wir uns in einer ähnlichen Situation wie seinerzeit in Gahmen und Cappenberg. Die Schließung von Geschäftsstellen, sowie die Umwandlung von Geschäftsstellen in Automatenstandorte sind Einschränkungen für die Kunden, die dazu führen, dass weitere Wege in Kauf genommen werden müssen, was gerade für die älteren Kunden der Sparkasse, die die Geschäftsstellen noch häufiger aufsuchen als die jüngeren Kunden, suboptimal ist.“

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