Spatenstich bei Remondis ohne Vize-Kanzler

Für besonderen Stromspeicher

Besonderer Anlass, besondere Gäste: Am Dienstagabend hat es beim Lüner Recycling-Unternehmen Remondis den ersten Spatenstich für einen außergewöhnlichen Stromspeicher gegeben - unter anderem mit Daimler-Chef Dieter Zetsche. Ursprünglich hatte sich auch Vize-Kanzler Sigmar Gabriel angekündigt.

LÜNEN

, 03.11.2015, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter Federführung der Stuttgarter Daimler AG und der Lüner Unternehmensgruppe Remondis entsteht in der Lippestadt der größte Batteriespeicher der Welt. Der Speicher soll im Frühjahr 2016 auf dem Firmengelände von Remondis an der Brunnenstraße ans Netz gehen.

Remondis stellt das Gelände

An dem Projekt sind außerdem die Daimler-Partnerfirmen „The Mobility House AG“ und „Getec“ beteiligt. Remondis stellt das Gelände für den Batteriespeicher zur Verfügung, Daimler übernimmt dessen Finanzierung. Das erklärten Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche und Klemens Rethmann, Chef der Rethmann-Gruppe, zu der auch Remondis gehört, am Dienstag beim ersten Spatenstich für das Projekt.

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Zu den Investitionskosten machte Daimler-Chef Zetsche auf Nachfrage unserer Redaktion keine Angaben. Auf die Frage, ob mit dem Bau des Batteriespeichers in Lünen Arbeitsplätze entstehen, antwortete der Top-Manager: „In Lünen werden dadurch keine nachhaltigen Arbeitsplätze entstehen.“ Die sind für den Betrieb des Speichers wohl auch nicht erforderlich.

1000 gebrauchte Autobatterien

Bei dem Batteriespeicher handelt es sich den Angaben zufolge um eine 60 mal 40 Meter große Halle. Darin werden 1000 gebrauchte Batterien aus Elektroautos des PKW- und Nutzfahrzeugherstellers Daimler „ähnlich wie in einem Regallager“ (Zetsche) gebündelt.

Die ausrangierten, aber zu 90 Prozent noch leistungsfähigen Batterien, bilden den sogenannten Stationärspeicher. Mit dem sollen durch erneuerbare Energien entstehende Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen werden. Die Speicherkapazität beträgt etwa 13 Megawattstunden (MWh). „Damit können alle Lüner Haushalte eine Stunde lang mit Strom versorgt werden“, sagte Daimlers Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche.

Gabriel sagte Teilnahme ab

Stellvertretend für Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), der wegen der „aktuellen politischen Situation“ seine Teilnahme kurzfristig abgesagt hatte, griff Staatssekretär Uwe Beckmeyer zum Spaten. „Dieses Projekt wird dazu beitragen, die Energiewende langfristig effizienter zu machen – bei einem fairen Wettbewerb ohne staatlich fixierte Preise“, sagte Beckmeyer.

Abgesehen davon, so der Staatssekretär, „findet es die Bundesregierung super, dass das ganze Ding ohne Subventionen auskommt“. Das Geld des Steuerzahlers könne man schließlich nur einmal ausgeben. Klemens Rethmann erklärte für das Lüner Familienunternehmen, das es sich nicht nur mit dem Recyceln von hochwertigem Elektroschrott, sondern auch mit der Erzeugung von erneuerbaren Energien, zum Beispiel durch eigene Biogas-Anlagen, auskenne.

Stadt profitiert von Steuerzahlungen

Gemäß der Kooperationsvereinbarung mit den Projektpartnern betreibt Remondis nicht nur den Batteriespeicher, am Ende ihrer Nutzungsdauer von etwa zehn Jahren recycelt das Unternehmen auch die Batterien. Davon profitiere auch die Stadt durch entsprechende Steuerzahlungen, wie Klemens Rethmann sagte. Das dürfte Lünens Kämmerer Uwe Quitter, der Dienstag auch vor Ort war, mit Freude gehört haben.

„Wir können uns in Lünen gar nicht glücklich genug schätzen, so ein innovatives Unternehmen wie Remondis zu haben“, erklärte Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns am Rande der Veranstaltung gegenüber unserer Redaktion. Mit dem Batteriespeicher leiste Lünen nicht nur einen Beitrag zu der politisch mehrheitlich gewollten Energiewende, erklärte Kleine-Frauns, „damit kann Lünen auch überregional punkten“.

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