SPD ist gegen das Burkini-Verbot in Lüner Bädern

Negative Reaktionen

Das Burkini-Verbot in den Bädern der Lüner Stadtwerke bewegt weiter die Gemüter. Das zeigt nicht nur unsere Online-Abstimmung, bei der bis Donnerstagabend etwa 1500 Stimmen abgegeben wurden. Etwa 60 Prozent halten das Verbot für richtig. Viele Lüner sehen das jedoch anders.

LÜNEN

, 01.09.2016, 18:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gegen ein Burkini-Verbot ist beispielsweise die größte Fraktion im Stadtrat, die SPD. Auf Anfrage schrieb sie in einer Stellungnahme, dass sie das Verbot nicht nachvollziehen könne: „Für uns ist es eine Verletzung der grundlegenden Freiheitsrechte, der Gleichbehandlung und der Integrationsbemühungen. Alles, was aus einem 'Badekleiderstoff' besteht, sollte doch wohl erlaubt sein."

Stattdessen sorge das Burkini-Verbot dafür, „ein negatives Image zu pflegen und Lünen in die überregionalen Medien zu bringen“. Tatsächlich hatte die Berichterstattung dieser Redaktion auch andere Zeitungen und Fernsehsender auf den Plan gerufen: „Diese Schlagzeilen waren nicht nötig“, meint die SPD-Fraktion. Die Stadtwerke sollten jetzt „einen geschickten Ausweg aus dem Dilemma finden“, meint die Fraktion.

Jusos sprachen sich sofort gegen das Verbot aus

Die Jusos, die Jugendorganisation der SPD, hatten sich direkt nach Bekanntwerden des Verbots dagegen ausgesprochen: „Für viele muslimische Frauen bedeutet ein Burkini Teilhabe“, meinen die Jusos, außerdem bestünde ein Burkini aus dem gleichen Material wie ein Badeanzug, sei deshalb auch genau so hygienisch. 

Die Stadtwerke hatten das Verbot unter anderem damit begründet, dass muslimische Frauen sich mit Burkini vor dem Baden in den Sammelduschen nicht gründlich vorreinigen könnten.

"Wer entscheidet denn, was anständig ist?"

Verwunderlich finden die Jusos die Aussage der Stadtwerke, Burkinis seien keine „den Geboten des Anstandes entsprechende Kleidung“. Daniel Wolski, Vorsitzender der Jusos: „Wer entscheidet denn, was ‚anständig‘ ist?“

Auch die Fraktion der Piraten/Freie Wähler äußert sich kritisch: „Wir halten dieses Verbot für überzogen und hoffen, dass eine öffentliche Diskussion darüber zu einem Ende des Verbots führen wird“, heißt es in einer Stellungnahme.

Integrationsbeauftragte Aydemir will Gespräche führen

Dr. Aysun Aydemir, Integrationsbeauftragte der Stadt, hatte schon am Dienstag angekündigt, Gespräche für eine Aufhebung des Verbotes führen zu wollen. Das sei am Donnerstagmorgen geschehen, da habe sie mit Stadtwerke-Chef Dr. Achim Grunenberg gesprochen, erklärte Aydemir am Donnerstag auf Anfrage. Das Gespräch sei gut verlaufen, meinte sie – mehr wolle sie noch nicht sagen. 

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Noch keine Reaktionen von GFL und Gemeinden
Die GFL-Fraktion kündigte an, sich mit der Thematik kommenden Montag beschäftigen zu wollen und erst dann eine Stellungnahme zu veröffentlichen. Die Sprecher der Ditib-Selimiye-Gemeinde von der Roonstraße und der VIKZ-Gemeinde in Gahmen wollten sich am Donnerstag auf Anfrage nicht zu dem Burkini-Verbot äußern.

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