Spenden zur Weihnachtszeit: Wahre Wohltäter von schwarzen Schafen unterscheiden

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Alle Jahre wieder flattern Bitten um Spenden ins Haus. Und in der Fußgängerzone stehen Spendensammler. Man sollte nicht leichtgläubig spenden, denn nicht jede Organisation ist seriös.

Lünen

, 18.12.2019, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob für bedürftige Kinder, Flüchtlinge aus Krisengebieten, kranke Tiere: Alle Jahre wieder wird gerade in der Vorweihnachtszeit um Spenden gebeten - ob per Post, im Internet oder mit der Sammelbüchse in der Fußgängerzone. „Wer helfen möchte, sollte aber seine Gaben nicht allzu leichtgläubig verteilen“, so Jutta Gülzow von der Verbraucherberatung Lünen. Wie man die wahren Wohltäter von schwarzen Schafen unterscheiden kann, erklärt die Verbraucher-Expertin in Fragen und Antworten.

? Woher kennen die Organisationen eigentlich die Postadressen? Wer einmal gespendet hat, erhält meistens jedes Jahr wieder Post. Spendenorganisationen nutzen außerdem auch kommerzielle Adresshändler oder beziehen Anschriften aus Telefonbüchern, durch Preisausschreiben oder von Versandhändlern.

? Wie sollte man mit diesen Briefen umgehen? Wer per Post um eine Spende gebeten wird, sollte sich bei Zweifeln an der Glaubwürdigkeit die Zeit nehmen, die Organisation genauer unter die Lupe zu nehmen. Das kann man durch einen Blick in den jeweiligen Jahresbericht tun, den seriöse Organisationen auf Anfrage zusenden. Vorsicht ist geboten, sagt Jutta Gülzow, wenn die Werbepost allein auf Gefühle zielt. Glaubwürdig hingegen sind klare, aussagekräftige Informationen und authentische Fotos mit Bezug zum Spendenzweck. Jutta Gülzow: „Man muss auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn Organisationen beispielsweise Weihnachtskarten beilegen. Es sind unverlangte Lieferungen, die man nutzen kann, ohne dafür zu spenden.“

? Wer darf eigentlich mit der Büchse um Spenden bitten? In drei Bundesländern müssen Spendensammlungen behördlich angemeldet und genehmigt werden. In NRW genügt es jedoch, einen Verein zu gründen, sich eine Satzung zu geben und auf Sammeltour zu gehen. Früher musste eine Sammelbüchse verplombt sein, nun fehlt aber oft eine Regelung, um Münzen und Scheine vor einem Zugriff zu sichern. Manchmal wird versucht, mit Fotos von angeblichen Folteropfern, hungernden Kindern oder gequälten Tieren Mitleid zu erregen. Auch hier sollte man nicht spontan spenden, sondern sich in Ruhe informieren. Seriöse Sammler freuen sich auch über eine Überweisung an Verein oder Organisation, für die sie unterwegs sind.

? Was sollte man bei Spendenaufrufen im Internet beachten? Eine eigene Homepage ist noch kein Garant für die Seriosität einer Organisation. Man sollte prüfen, ob im Impressum ein Ansprechpartner sowie eine ordentliche Adresse genannt sind. Man sollte zudem nach anderen Quellen im Netz suchen, die sich über die Organisation und ihre Aktivitäten äußern. Das gilt auch für die Spendenaufrufe, die über soziale Medien verbreitet werden. Dort tummeln sich, so die Lüner Verbraucherschützer, etliche Organisationen, Vereine, aber auch Shops oder Einzelpersonen, die vorgeben, sich für eine wohltätige Aktion zu engagieren. Statt einer Information zum Spendensammler und Belegen zu dessen Engagement springen die jeweiligen Bankverbindungen für eine Überweisung aber meist sofort ins Auge.

? Gibt es auch andere Wegweiser durch den Spendendschungel? Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt an förderungswürdige Organisationen ein Spenden-Siegel. Derzeit dürfen sich damit 232 überwiegend soziale Organisationen schmücken. Allerdings werden nur Hilfswerke geprüft, die sich selbst beim DZI melden und die Kosten für die Prüfung zahlen. Vor allem kleinere Organisationen sparen sich dies häufig. Wenn ein Verein also in der DZI-Liste fehlt, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass er unseriös ist. Das aktuelle DZI-Spendenmagazin 2019 liegt in der Verbraucherberatung zum Mitnehmen aus.

Hier geht es zu allen bisher veröffentlichten Folgen unserer Serie:

Die Verbraucherberatung bietet Rat und Hilfe in der Beratungsstelle, Kirchstr. 12., Tel. (02306) 30 13 801, Mail: luenen@verbraucherzentrale.nrw, Öffnungszeiten: Montag 9 bis 13 Uhr, 13.30 bis 17 Uhr, Mittwoch: 9 bis 13 Uhr, 14 bis 18 Uhr, Donnerstag 9 bis 13 Uhr, 13.30 bis 17 Uhr und Freitag 9 bis 13 Uhr.
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