Dieses Foto von einem Brief aus dem Müll (hier ein Foto vom Foto) hat die Facebook-Gemeinde aufgebracht - und die Mitarbeiter des Umweltamtes Dortmund auf die Spur einer Frau aus Lünen gesetzt. © Sylvia vom Hofe
Umweltvergehen

Sperrmüllberg im Grünen: Mutmaßliche Verursacherin hinterließ Adresse

Mitten im Grünen in Dortmund-Mengede türmt sich Müll: leider nichts Ungewöhnliches. Aber zwischen Bildschirm, Schrank und Sofa liegt noch etwas anderes: ein Brief mit voller Adresse.

Sie heißt Resmija D. und wohnt in Lünen. Seit Sonntag (12.12.) wissen das mehrere Hundert Leute. Sie alle haben ein Foto auf Facebook gesehen, das alleine schon Emotionen schürt: ein Müllberg in der Mengeder Heide. Zwischen Waldsaum und Feld hat jemand zwei kaputte Kinderwagen, einen Koffer voller dreckiger Wäsche, alte Möbel und defektes Spielzeug abgeladen. Wegen eines zweiten Fotos glaubt die Netzgemeinde zu wissen, wer das war: Resmija D.

„Das ist asozial“: EDG-Sprecherin wird deutlich

„Jeder, der Müll unerlaubt entsorgt, handelt asozial“, sagt Petra Hartmann, Sprecherin der Entsorgung Dortmund GmbH. Der Verursacher – oder auch die Verursacherin – nehme bewusst in Kauf, dass die Umwelt leidet und die Gemeinschaft zahlt: eben asozial. In diesem Fall kommt aber noch etwas dazu: Dummheit. Denn seine Visitenkarte an einem Tatort zurückzulassen, ist aus Tätersicht nie eine gute Idee.

Eine Spaziergängerin hat in der Mengeder Heide den Müll entdeckt - und einen Brief. Beides hat sie auf Facebook gepostet
Eine Spaziergängerin hat in der Mengeder Heide den Müll entdeckt – und einen Brief. Beides hat sie auf Facebook gepostet © Screenshot © Screenshot

Das zweite Foto auf Facebook zeigt genau das: einen Brief mitten im Müll. Er trägt Resmijas Namen und Anschrift. Die Netzgemeinde ist aufgebracht. „Man müsste eigentlich alles einladen und ihr vor die Haustür kippen“, schlägt eine Nutzerin vor. Andere urteilen nur: „unfassbar“, „ekelhaft“, „unmöglich“, „wirklich frech“, „dumm“ und „einfach dämlich“. Dass es sich bei dem Brief um ein amtliches Schreiben handelt, macht die Sache noch pikanter: ein Bewilligungsbescheid des Kreises Unna an die Lünerin über Zuwendungen nach dem Sozialgesetzbuch.

Wertstoffhof bleibt trotz Lockdown wohl geöffnet

Wenn der ganze Unrat tatsächlich aus ihrem Haushalt stammt, erwartet eine Frau, die ohnehin schon Geldsorgen hat, jetzt noch obendrein eine saftige Strafe.

Laut Bußgeldkatalog Umwelt NRW wird das verbotswidrige Abladen von mehr als einem Kubikmeter Sperrmüll mit 410 bis 1530 Euro Strafe geahndet – zuzüglich der Entsorgungskosten und der Verwaltungsgebühr. Dabei hätten 5 Euro genügt.

So teuer ist es, Sperrmüll zum Lüner Wertstoffhof zu bringen, der für Müll aus Lünen die richtiger Adresse ist. „Man hätte ihn sogar auch abholen lassen können“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt.

Die Ausrede, dass der Wertstoffhof wegen Corona nicht geöffnet gewesen sei, zieht nicht. „Der Wertstoffhof ist bislang offen und wird es nach heutigem Stand auch während des Lockdowns bleiben.“ Genauso sieht es in Dortmund aus.

Immer mehr Umweltsünden in Dortmund

Trotzdem machen es immer mehr Zeitgenossen so wie in der Mengeder Heide. Das weiß Petra Hartmann von der Auswertung der Dreckpetze-App für ein sauberes Dortmund. Dort können Passanten seit April 2018 wilde Müllkippen und verdreckte oder überfüllte Müllcontainer-Standorte melden – gleich mit Foto und GPS-Daten. Im ganzen vergangenen Jahr seien dort 7800 Meldungen eingegangen. „In diesem Jahr hatten wir allein schon bis Mitte November mehr als 10.000.“ Allein mit Corona – mehr Homeoffice, mehr Müll – will die EDG-Sprecherin das nicht erklären. Sie glaubt auch eine „immer nachlässiger werdende Einstellung zum Umgang mit der Natur“ darin festmachen zu können.

Die ganze Sache hat einen Haken

Warum Resmija D. statt zum Wertstoffhof ins Grüne gefahren ist mit ihrem alten Krempel? Das ist offen. Genauso wie die Frage, ob sie es denn auch tatsächlich war oder doch jemand anderes.

„Es wird auf jeden Fall ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen sie geben“, sagt Petra Hartmann von der EDG. Die Lünerin, deren Adresse in Dortmund im Müll lag, wird sich äußern müssen. Hartmann und Spangardt haben aber beide schon so eine Ahnung, wie das ausgehen wird. Sowohl die Sprecherin des Dortmunder Entsorgungsbetriebs als auch der Lüner Stadtsprecher haben da ihre Erfahrungen. „Wenn man jemanden nicht gerade auf frischer Tat ertappt, wird es schwierig mit der Beweisführung.“ Dass ein Brief im Müll liegt, sage ja noch nichts darüber aus, wie er dahin gekommen ist.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe