Sprachbarriere ist Problem für Lüner Geburtshelfer

Schwangere Flüchtlingsfrauen

15 Flüchtlingsfrauen aus Syrien, Nigeria, Afghanistan und Pakistan haben bereits im Klinikum Lünen ihre Babys zur Welt gebracht. Sie alle standen vor einem Problem: die fehlende Verständigung. Und auch die Behandlung ist wie ein Blindflug für Ärzte und Hebammen.

LÜNEN

, 28.11.2015, 05:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
15 Babys von Flüchtlingsfrauen sind bereits im Klinikum Lünen zur Welt gekommen.

15 Babys von Flüchtlingsfrauen sind bereits im Klinikum Lünen zur Welt gekommen.

Viele der Flüchtlingsfrauen kennen weder Ultraschallgerät noch Wehenschreiber. In den Herkunftsländern bekommen die Frauen ihre Kinder ganz anders. Plötzlich landen sie in einem Krankenhaus mit Hygiene-Richtlinien, Apparatemedizin und Maßstäben der modernen Geburtshilfe. Dazu kommen die Frauen ohne Vorsorgeuntersuchung und Mutterpass. 

„Wenn ich ihnen nicht sagen kann, warum ich ihnen eine Nadel legen und wehtun muss, denke ich, was tue ich ihnen an“, nennt Dr. Stefani Grundmann, Oberärztin der Geburtshilfe des Klinikums, das Dilemma. Zumal die Ärzte den Frauen Medikamente geben und nichts über deren mögliche Allergien wissen. Zusätzlich begegnen ihnen die Klinik-Mitarbeiter in Schutzanzügen mit Mundhauben, solange der Verdacht auf Infektionen besteht und die Laborwerte noch nicht da sind. 

Vorsorge meistens nicht möglich

Für Grundmann ist es eine "schwierige Situation für Patientinnen und Mitarbeiter gleichermaßen". Vor allem, weil eine Verständigung mit den Flüchtlingsfrauen oft gar nicht möglich sei. Nicht erklären können, was passiert, das mache allen zu schaffen. Meistens bleibt nicht die Zeit, einen Dolmetscher aus dem Haus zu organisieren, denn die Schwangeren kommen meist nicht geplant und in akuten Situationen. 

Hilfreich wäre es, wenn Frauen bereits in der Schwangerschaft ärztlich betreut würden. Doch viele bleiben oft nicht lange in Lünen oder kommen erst kurz vorher in eine Unterkunft. Eine Situation, die die Mitarbeiter immer wieder herausfordert.

Auf Bedürfnisse eingehen

Kommen die Frauen in die Klinik, versucht das Personal, auch die kulturellen Bedürfnisse der Schwangeren zu berücksichtigen. Beispielsweise lassen sich Flüchtlingsfrauen lieber von Frauen behandeln. Das kann allerdings gerade in Notsituationen oder am Wochenende nicht immer eingehalten werden, denn in der Geburtshilfe arbeiten auch Ärzte.  „Manche Frauen wollen bei der Geburt ihren langen Rock anbehalten oder stellen ein Kreuz oder eine Figur auf“, schildert Stefani Grundmann. Das alles ist möglich. Und auch das erleben die Beschäftigten im Klinikum: Eine Hebamme betreut eine Schwangere. Ihre Füße sind eiskalt. Die Flüchtlingsfrau kam ohne Socken. Die Hebamme schenkt ihr spontan die eigenen.

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