Stadt Lünen äußert sich zum Lkw-Fahrverbot in Brambauer

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Anwohner des Taubenwegs in Brambauer befürchten, dass künftig Lkws durch ihre Straße fahren dürfen. Grund dafür ist ein Satz in einer Stellungnahme der Stadt. Die äußert sich nun dazu.

Brambauer

, 01.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Anwohner des Taubenwegs in Brambauer sind in Aufruhr. Innerhalb weniger Minuten versammeln sich etwa 20 von ihnen auf der Straße, um ihren Unmut zu äußern. Dass die Bewohner sich sorgen, lässt sich trotz Mund-Nasen-Schutz erkennen. Auslöser ist ein Schreiben der Stadt.

Bezirksregierung fordert Aufhebung des Fahrverbots

Ein einziger Satz in einer Stellungnahme der Abteilung Mobilität und Verkehrslenkung – eigentlich zur benachbarten Achenbachstraße – ist Grund für die Sorge der Anwohner.

In dem Schreiben heißt es: „Die Bezirksregierung hat die angrenzenden Straßen Tauben- und Starweg gegenüber der Stadt [...] angesprochen und die Meinung vertreten, die Beschilderung des Lkw-Durchfahrtsverbots zu entfernen.“

Bisher herrscht im Taubenweg ein Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen.

Anwohnerin Hildegard Eisenbeil befürchtet: „Wenn das Fahrverbot aufgehoben wird, wackeln im Haus die Gläser.“ Die enge Straße sei überhaupt nicht für den Lkw-Verkehr geeignet. „Gestern haben sie hier wieder einen Autospiegel abgefahren“, berichtet die 73-Jährige. Das komme regelmäßig vor, wenn Lastwagen durch die Straße fahren.

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Stadt will Lkw-Fahrverbot aufheben

Die Stadtverwaltung sieht dagegen keine Probleme: „Grundsätzlich kann sich die Stadt Lünen der Auffassung der Bezirksregierung anschließen, dass im Tauben- und Starweg kein Lkw-Durchfahrtsverbot notwendig ist“, teilt Stadtsprecher Benedikt Spangardt auf Anfrage mit.

„Wir haben hier eine klassische Tempo-30-Zone mit dem dafür vorgesehenen Ausbaustandard. Lkw-Fahrer werden sich nicht in diese Straßen begeben, um eine Abkürzung zu fahren“, ist Spangardt überzeugt.

Durch die Enge der Straße und die parkenden Fahrzeuge lohne sich dieser Weg nicht, sodass nur Anliefervekehr die Straße nutze. „Das ist aber auch heute schon möglich“, so Spangardt.

Die Stadt werde die Beschilderung zum Fahrverbot somit entfernen. Selbst bei einer anderen Auffassung der Stadtverwaltung wäre die Bezirksregierung Arnsberg befugt, eine Aufhebung des Lkw-Verbotes anzuweisen.

Die Stadt will das Lkw-Durchfahrtsverbot im Taubenweg aufheben. Wann die Beschilderung entfernt wird, steht noch nicht fest.

Die Stadt will das Lkw-Durchfahrtsverbot im Taubenweg aufheben. Wann die Beschilderung entfernt wird, steht noch nicht fest. © Dennis Görlich

„Die fahren hier wie die Psychopathen“

Ein weiteres Problem ist für die Anwohner die Geschwindigkeit der Fahrzeuge in der Tempo-30-Zone: „Hier fährt keiner mit 30 durch“, so Eisenbeil.

Bereits mehrfach hätten sich die Anwohner damit an die Politik gewandt, jedoch ohne Erfolg: „Da wurde uns alles versprochen, es ist aber nie was passiert. Wir haben uns oft genug gemeldet und Unterschriften gesammelt. Jetzt reicht es langsam“, sagt die Rentnerin.

Bewohner Thomas Härtel schlägt vor: „Man sollte überlegen, ob das hier eine Anliegerstraße wird“, so der 47-Jährige. Denn: „Der Verkehr ist eine Zumutung. Die fahren hier wie die Psychopathen. Ich habe eine sechsjährige Tochter. Wenn ich die in den Kindergarten bringe, ist das jetzt schon abenteuerlich.“

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Kinder fühlen sich nicht sicher

Felix Rosin hat sich mit anderen Kindern der Straße deshalb bereits etwas überlegt: „Wir haben Tempo-30-Schilder gebastelt und die an die Laternen gehangen. Die wurden aber wieder abgemacht“, verrät der Zehnjährige.

Mit Kreide auf den Boden gemalte Hinweise blieben auch ohne Erfolg. „Wir spielen oft auf der Straße, aber ich fühle mich nicht sicher“, fasst Felix zusammen.

Auch der Weg zur Schule wird zur Mutprobe, wenn er mit dem Rad zur Schule fährt: „Ich fahre auf der Straße, weil kein Radweg da ist. Die Autos fahren immer sehr nah an mir vorbei – auch wenn viel Platz ist.“

Die Angst vor einer Aufhebung von Tempo 30 kann der Stadtsprecher den Anwohnern aber zumindest nehmen: „Im Taubenweg sind keine weitere Maßnahmen geplant. Das ist und bleibt eine Tempo-30-Zone“, stellt Benedikt Spangardt klar. Hildegard Eisenbeil und die anderen Anwohner fordern, dass die Autofahrer sich dann auch daran halten – oder von Stadt und Polizei stärker kontrolliert wird.

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