Stadt Lünen streicht Aktionen zum Jubiläumsfest

675-Jahr-Feier

Bei den geplanten Feierlichkeiten zum 675-jährigen Stadtjubiläum regiert bekanntlich der Rotstift. Entgegen früheren Aussagen der Stadt fällt aber nicht nur das 40.000 Euro teure, von der Sportjugend für Juni geplante internationale Zeltlager für Jugendliche ins Wasser.

LÜNEN

, 04.03.2016, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Kunstaktion „Starke Orte“ war ursprünglich im Rahmen der diesjährigen Jubiläums-Feierlichkeiten geplant, fällt aber möglicherweise ins Wasser. Das Foto zeigt das „Gradierwerk“ der Lüner Kulturpreisträger Catharina und Dieter Wagner bei einer früheren Aktion unter dem gleichen Motto.

Die Kunstaktion „Starke Orte“ war ursprünglich im Rahmen der diesjährigen Jubiläums-Feierlichkeiten geplant, fällt aber möglicherweise ins Wasser. Das Foto zeigt das „Gradierwerk“ der Lüner Kulturpreisträger Catharina und Dieter Wagner bei einer früheren Aktion unter dem gleichen Motto.

Das erklärten Horst Müller-Baß, Erster Beigeordneter, und Kulturbüro-Leiter Uwe Wortmann im Gespräch. Im Ausschuss für Kultur- und Europaangelegenheiten hatte Wortmann vor zwei Wochen noch erklärt, dass nur eine Veranstaltung ausfalle, nämlich das Zeltlager: „Ansonsten sind viele Sachen dabei, die wir kürzen mussten, die aber stattfinden.“ Damit gab sich der Ausschuss seinerzeit zufrieden. Nachfragen zu den Kürzungsplänen gab es keine. Mittlerweile steht fest:

  • Der zweite Band des Urkundenbuches der Stadt Lünen wird erst 2017 veröffentlicht. Die Kostenersparnis liegt bei 20.000 Euro.
  • Die Kunstaktion „Starke Orte“ in den Lippeauen ist vom Tisch. Die Kostenersparnis liegt bei 15.000 Euro.
  • Die Ausstellung „Patchwork Gilde“ mit Künstlern aus Partnerstädten wird nicht weiter verfolgt. Weil die Stadt, wie es heißt, „keine Möglichkeit der Durchführung wegen des spärlichen oder gar nicht vorhandenen Interesses der Partnerstädte Lünens" sieht. Zur Kostenersparnis machte die Stadt keine Angaben.

Um noch mehr Geld zu sparen, hat sich die Verwaltungsspitze von drei Projekten verabschiedet, die auf Finanzspritzen angewiesen sind:

  • Dazu zählt die vom Förderverein für Kunst und Kultur geplante Präsentation des Lüner Hansetuchs am Jubiläumstag (4. Juli) in der Stadtgalerie. Hier spart die Stadt 10.000 Euro ein.
  • Dazu zählt der vom Förderverein für Kunst und Kultur geplante Stadtrundgang „Kunst im öffentlichen Raum“. Die Kostenersparnis beträgt null Euro, da die Stadt für dieses Projekt keine Fördersumme in den Raum gestellt hatte. Ob die vom Kunstverein geplanten Projekte trotz fehlender städtischer Zuschüsse doch noch stattfinden, hängt davon ab, ob auf anderen Wegen Drittmittel der Finanzierung beschafft werden können. „Wir hoffen, dass wir für unsere Projekte Mittel aus der Kulturstiftung der Sparkasse erhalten“, sagte Jochen Otto vom Förderverein auf Nachfrage unserer Zeitung.
  • Auf Drittmittel hofft auch Jürgen Larys´ „art ensemble Theater“ für das Projekt „Sterne und Staub Musiktheater“. Das wollte die Stadt ursprünglich mit 15 000 Euro unterstützen.
  • Ohne städtische Gelder muss auch der City-Ring und das von ihm geplante Stadtmauerfest auskommen. Das wollte die Stadt ursprünglich mit 10 000 Euro mitfinanzieren.

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Das sagen die Fraktionen zu Lünens Stadtjubiläum

Mit dem 1. Januar hat das Jubiläumsjahr begonnen: Lünen blickt auf 675 Jahre Stadtgeschichte zurück. Das soll gefeiert werden. Doch so richtig weiß noch keiner wie. Denn das Geld ist knapp. Das sagen die Fraktionen.
06.01.2016
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Fraktion Piraten/Freie Wähler: „Wir begrüßen die Durchführung von Veranstaltungen zum Stadtjubiläum“, so Gabriele zum Buttel. „Natürlich sehen auch wir die sehr schwierige finanzielle Lage der Stadt und auch bei den Aktivitäten im Rahmen des Stadtjubiläums muss genau geschaut werden, wo es Einsparpotential gibt ohne jedoch das Stadtjubiläum komplett aufzugeben.“© Foto: UWG
SPD: „Wir sind noch nicht in den Haushaltsberatungen“, erklärt Fraktionschef Michael Haustein. Ende Januar gehe die SPD in Klausur. Tabuthemen gebe es nicht, so Haustein, wichtig sei, den Haushalt genehmigt zu bekommen. Denkbar sei vielleicht eine kleine Lösung, „denn Bürger haben viel Vorarbeit geleistet im Vertrauen auf die Politik“.© Foto: Peter Fiedler
FDP: Nachdem bereits der Hansetag aus Kostengründen abgesagt wurde, hält es Dr. Roland Giller für ein falsches Signal, die Feiern des Stadtjubiläums auch fallen zu lassen. „Die Bevölkerung ist stolz auf die 675-jährige Geschichte Lünens und sollte auch das Recht haben, das Jubiläum entsprechend zu feiern“, sagt. er. Auf der anderen Seite sei es jedoch schwer vermittelbar, nahezu 300 000 Euro auszugeben, wenn aufgrund der Haushaltslage zum Beispiel auch freiwillige soziale Leistungen gekürzt werden müssen. „Die FDP Fraktion ist für die Durchführung des Stadtjubiläums, fordert jedoch ein deutliches Zeichen zu setzen und das geplante Budget zu kürzen.“ Gleichzeitig sollte sich die Lüner Wirtschaft aufgerufen fühlen, die Feierlichkeiten zu unterstützen, „damit beim Bürger nicht der Eindruck entsteht, er allein hat die Bürde zu tragen.“© Foto: FDP
Die Linke: Ein „schwerer Fehler“ sei es, bei Veranstaltungen zu sparen, sagt Sandra Dee-Schülken für die Fraktion Die Linke. „Veranstaltungen kommen allen Menschen in Lünen zu Gute und machen unsere Stadt lebenswert“. Weil die Lüner Steuern zahlen, können sie auch erwarten, dass diese „zumindest in einem Mindestmaß
für sie verwendet werden.“© Foto: Linke
Bündnis 90/Die Grünen: „Das ist ein umstrittenes Thema“, erklärt Fraktionssprecher Eckhard Kneisel. Ein Stadtfest sei wichtig für den Zusammenhalt: „Wenn es sich finanziell einigermaßen darstellen lässt, unterstützen wir das“.© Foto: Grüne Lünen
CDU: Die CDU wird am Montag über das Stadtjubiläum sprechen. Fraktionschefin Annette Droege-Middel sagt: „Bisher liegt noch kein endgültiges Konzept für das Jubiläum durch die Verwaltung vor. Solange dieses nicht vorliegt, kann auch noch nichts Genaues über die tatsächlichen Kosten ausgesagt werden.“
Die CDU sei sich immer einig gewesen, dass das Jubiläum in angemessener Weise gefeiert werden müsse. „Ein solches Jubiläum gibt Lünen die Gelegenheit mit den Bürgern, den anliegenden Gemeinden und den Städtepartnern und allen Besuchern zu feiern“, so Droege-Middel. Es wirke positiv nach innen und außen. Lünen könne sich mit all seinen Stärken präsentieren. „Darüber hinaus kann die Stadt das Jubiläum nutzen und das Ehrenamt würdigen, das in unserer Stadt ein außergewöhnliches Engagement bei den Bürgern findet.“© Foto: CDU
Wählergemeinschaft Gemeinsam für Lünen (GFL):
„Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage müssen wir dieses Thema möglichst fraktionsübergreifend in der nun anstehenden Haushaltsdiskussion nochmals aufnehmen“, erklärt der kulturpolitische Sprecher und Ratsherr Wolfgang Manns. Die vom Rat genehmigten Ausgaben von rund 290 000 Euro seien mit Blick auf die angespannte Haushaltslage aus GFL-Sicht schon damals nicht tragbar gewesen. „Deshalb hatten wir bereits im April 2015 in der Ratssitzung zumindest eine Reduzierung auf 175 000 Euro der städtischen Ausgaben für das Stadtjubiläum beantragt“, so Manns. Der Rat hatte den Vorschlag abgelehnt und 290 000 Euro genehmigt. „Aus unserer Sicht sind diese Ausgaben aus Haushaltsmitteln auch heute in dieser Höhe aktuell nicht vertretbar. Wir werden über das Thema am kommenden Montag in der Fraktion nochmals beraten und uns dann nochmals dazu äußern.“© Foto: GFL
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Ratssitzung am Abend

Ob es bei diesen Streichungen und Kürzungen bleibt, ist noch offen. Am Donnerstagabend traf sich der Rat der Stadt zur Verabschiedung des Haushalts 2016. Der Haushaltsplan sah vor, dass die Stadt 100.000 Euro für das Jubiläum in die Hand nimmt. Ursprünglich sollten es fast 200.000 Euro sein – ohne Sponsorengelder.

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