Stadt schmeißt große Lösung für „Todeskreuzung“ über Bord

Drei tödliche Verkehrsunfälle

Um die Gefahr für Radfahrer an der Kreuzung Konrad-Adenauer-Straße/Moltkestraße zu bannen, hatte die Stadt extra einen Gutachter beauftragt. Weitere tragische Verkehrsunfälle sollten so vermieden werden. Nun ruderte neben der Lüner Verwaltung auch die Politik zurück.

Lünen

, 20.02.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
An der Kreuzung Konrad-Adenauer-Straße/Moltkestraße gab es seit 2001 bereits drei tödliche Unfälle. Die Stadt hat entgegen der ursprünglichen Pläne eines Gutachters nun eine erweiterte Sofortmaßnahme präsentiert, mit der sie die Gefahrenstelle schnell entschärfen will.

An der Kreuzung Konrad-Adenauer-Straße/Moltkestraße gab es seit 2001 bereits drei tödliche Unfälle. Die Stadt hat entgegen der ursprünglichen Pläne eines Gutachters nun eine erweiterte Sofortmaßnahme präsentiert, mit der sie die Gefahrenstelle schnell entschärfen will. © Marc Fröhling

Drei Todesopfer hat die Verkehrssituation an der Kreuzung Konrad-Adenauer-Straße/Moltkestraße bereits gefordert. Allesamt Radfahrer im Seniorenalter. Zuletzt starb 2015 eine 74-jährige Frau nach einem Unfall mit einem aus der Moltkestraße nach rechts in die Konrad-Adenauer-Straße einbiegenden LKW.

Dass an der Kreuzung etwas geschehen muss, um weitere tragische Unfälle zu vermeiden, war spätestens zu diesem Zeitpunkt sowohl der Politik als auch der Verwaltung klar. Die Stadt hatte daraufhin extra einen Gutachter beauftragt, an dessen Plänen sie dann aber selbst Zweifel äußerte – und sich dafür im September vergangenen Jahres einen ordentlichen Rüffel von den Mitgliedern des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung abholte. „Warum werden Gutachter beauftragt, denen man am Ende nicht traut?“, fragte Daniel Pöter (CDU) damals. Nun folgte die Kehrtwende.

Stadt hatte Zweifel an Plänen des Gutachters

Zum Hintergrund: In den Plänen des Gutachters, die eine komplette Umgestaltung der Kreuzung sowie der weiteren Verkehrsführung im Verlauf der Konrad-Adenauer-Straße vorsahen, erblickte die Stadt gleich mehrere Probleme – darunter Nachteile für den KFZ-Verkehrsfluss und die Funktionalität der Grünen Welle. Bauchschmerzen bereitete der Verwaltung jedoch vor allem das „subjektive Sicherheitsempfinden“ der Radfahrer.

Für die sahen die Pläne des vom Technischen Beigeordneten Arnold Reeker hoch gelobten Gutachters im Kreuzungsbereich ein direktes Linksabbiegen vor, analog zum KFZ-Verkehr also. Ausgehend von dem Gedanken, dass es mehr Sicherheit nur geben könne, wenn sich die Fahrlinien von Radfahrern und KFZ nicht mehr schneiden, sollten sich beide auf einer Spur einordnen – idealerweise ergänzt durch einen zusätzlichen Schutzstreifen für die Radfahrer.

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Neue Alternativlösung für Todeskreuzung vorgestellt

Weil die Verwaltung von diesem Konzept, das voraussichtlich erst 2019 hätte umgesetzt werden können, letztlich dann doch nicht allzu viel hielt, erarbeitete sie eine Alternativlösung: Sofortmaßnahmen, die noch im Sommer dieses Jahres realisiert werden sollen. Genau diese hat die Verwaltung inzwischen nun nochmals überarbeitet – und ihre neuen „Erweiterten Sofortmaßnahmen“ dem Ausschuss für Sicherheit und Ordnung vorgelegt.

Das Ergebnis diesmal: breite Zustimmung. Die sogenannte „große Lösung“ – der Entwurf des Gutachters – ist damit nun vorerst komplett vom Tisch. „Aufgrund der erzielten Wirkungen für die objektive und subjektive Sicherheit wird die Realisierung der umfangreichen Baumaßnahme verzichtbar“, so die Stadt in Bezug auf ihr modifiziertes Konzept, das Ausschussvorsitzender Herbert Jahn so kommentierte: „Das sieht doch sehr flüssig aus.“

Rechtsabbiegerstreifen und indirektes Linksabbiegen für Radfahrer

Eine wesentliche Änderung zur Vorgängerversion besteht in besagtem Linksabbiegen an der Kreuzung, das nun indirekt erfolgen soll. Heißt: Wer mit seinem Rad links abbiegen will, tut dies nicht mehr gleichzeitig und auf einer Spur mit den links abbiegenden KFZ, sondern nimmt einen Umweg. Er folgt zunächst derselben „Schutzreifenführung“ wie die geradeaus fahrenden Radfahrer, stellt sich dann erneut auf, wartet auf ein Signal und setzt seinen Weg schließlich fort. Ein separater Schutzstreifen für links abbiegende Radfahrer ist somit nicht mehr erforderlich.

Um Unfälle wie den aus dem Jahr 2015 zu vermeiden, sind schmale Rechtsabbiegerstreifen geplant, die von Radfahrern und KFZ gemeinsam genutzt werden sollen. Sie verlaufen rechts von dem zentralen Schutzstreifen für geradeaus fahrende und links abbiegende Radfahrer. Eine solche Neumarkierung wäre im Falle der großen Lösung erst 2019 erfolgt. Nun soll sie – ebenso wie die Linksabbiegerregelung – bereits im Sommer dieses Jahres umgesetzt werden.

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Arbeit des Gutachters war für Stadt dennoch wichtig

„Wir sind überzeugt, dass wir dadurch eine viel bessere Situation für Radfahrer schaffen können“, erklärte Arnold Reeker in der jüngsten Ausschusssitzung. War die Beauftragung des Gutachters also völlig für die Katz? Nein, sagte Reeker später auf Nachfrage unserer Redaktion: „Das war für uns sehr hilfreich. Der Vorschlag war fachlich sicher auch eine gute Lösung.“ Bei ein paar Punkten habe man allerdings eben Bauchschmerzen gehabt. Ohne die Arbeit des Gutachters „wären wir wohl auch gar nicht zu dieser neuen Lösung gekommen“, so der Technische Beigeordnete.

Für das sogenannte „Sicherheitsaudit im Bestand“ und den Planungsauftrag des Gutachters hat die Stadt zusammen 17.000 Euro gezahlt. Geld, das laut Reeker trotzdem gut investiert wurde: „An dieser Kreuzung hat es immerhin drei Todesfälle gegeben. Da sollte man dann auch mal Geld in die Hand nehmen.“

Für die modifizierte Verwaltungsvorlage gaben die Ausschussmitglieder einstimmig grünes Licht. In seiner nächsten Sitzung am 8. März entscheidet der Rat über die Umsetzung.

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