Stadt stoppt Baumfällaktion nach Beschwerden von Anwohnern

rnFällarbeiten in Alstedde

Werden da Bäume einfach so mir nichts, dir nichts hinter der Waldhöhe in Alstedde gefällt? Diese Frage stellen sich Anwohner und der Arbeitskreis für Umwelt. Das steckt dahinter.

von Antonia Gutzmann

Alstedde

, 14.09.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Auftrag der Stadt Lünen sind in den vergangenen Tagen hinter der Waldhöhe in Alstedde zahlreiche Bäume gefällt worden. Seit Freitagmorgen (13.9.) ruhen die Arbeiten. Grund dafür sind massive Anwohnerbeschwerden.

„Die Fällarbeiten finden teilweise ohne Absicherung der Wege oder Warnschilder statt“, sagte eine Anwohnerin (66) am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion: „Eine Nachbarin ist bei ihrem regelmäßigen Hundespaziergang am Nachmittag fast von einem fallenden Baum erschlagen worden.“

Als sich die Nachbarin daraufhin lautstark bemerkbar gemacht hätte, sei sie von einer nicht sichtbaren Person gefragt worden, warum sie denn auch da lang liefe.

Ominöse Baumfällaktion

Bei der Stimme handelt es sich um einen Mitarbeiter der von der Stadt beauftragen Lüner Firma Blueforce. Dort hieß es auf Anfrage lediglich, dass die Stadt Lünen Auftraggeber sei, aber man nicht wisse, warum die Bäume gefällt werden müssen.

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Die aus Anwohnersicht ominöse Baumfällaktion -„die arbeiten nur nachmittags und, was gar nicht geht, am Wochenende“ - hat mittlerweile auch den Arbeitskreis für Umwelt und Heimat auf den Plan gerufen. „Uns wurde von der Stadt versichert, es würden nur Bäume mit Sturmschäden gefällt werden“, sagte Freitag Achim Pflaume, Mitglied des Arbeitskreises, auf Anfrage.

Arbeitskreis: Gesunde Bäume betroffen

Laut Pflaume seien von den Arbeitern am Donnerstag (12.9.) jedoch auch drei alte, völlig intakte Hainbuchen gefällt worden, die zusammen mit den Eichen, von der auch schon eine gefällt worden sei, für einen verdichteten Waldrand sorgen.

,,Diese Bäume waren gesund und haben niemanden gestört“, so Pflaume.

Der Umweltschützer sorgt sich um die Nistpläze der Vögel; „Wenn noch mehr Bäume fallen, werden auch die zwei Nachtigallen-Reviere bald nicht mehr existieren.“

Derweil bereiten den Anwohnern die vorher nicht da gewesenen Schotterhaufen Kopfzerbrechen. Sie befürchten, dass damit der Gehweg zu Lasten der Bäume erweitert werden soll. Hier gibt der Arbeitskreis jedoch Entwarnung.

Nach seinen Informationen dient der Schotter nach Angaben der Stadt „nur zum Auffüllen der Spurrillen von den zum Fällen benötigen Fahrzeugen“.

Irritiert ist der Arbeitskreis laut Achim Pflaume darüber, dass das Umweltamt des Kreises nichts von den Arbeiten weiß: ,,Dabei ist das Fällen von Bäumen ohne außergewöhnliche Gründe oder Gefährdungen bis zum 1. Oktober eigentlich verboten und muss deswegen vom Amt abgesegnet werden. In Unna will man sich nun schnell um eine Klärung des Sachverhalts kümmern.“

Aktion zur Verkehrssicherung

Bei der Stadt hieß es am Freitag, dass es sich bei den Arbeiten um Verkehrssicherungs-Maßnahmen handele: „Diese sind nötig, weil nach schweren Sturmböen während eines Gewitters Kronenschäden und Starkastbrüche aufgetreten sind. Betroffen sind mehrere Pappeln (im Bereich Tennisanlage und Kita) und Buchen. Die Stadt hat die besagte Firma mit der Entnahme der Bäume beauftragt“, so Stadtsprecher Benedikt Spangardt.

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Wie er weiter sagte, sei es beim Fällen der Bäume wegen des teilweise sehr dichten Baumbestands offenbar zu Schäden an Nachbarbäumen gekommen, von denen daraufhin ebenfalls einzelne gefällt worden seien.

Spangardt: „Hinweise von Bürgern bezüglich mangelhafter Arbeitssicherheit haben auch wir erhalten. Wir sind derzeit dabei, die Vorwürfe zu prüfen.“

Dazu finde am Montagmittag (16.9.) ein Ortstermin unter Beteiligung des Firmeninhabers statt, erklärte der Stadtsprecher: „Bis dahin hat die Stadt als Sofortmaßnahme die Firma angewiesen, die Arbeiten einzustellen und ruhen zu lassen.“

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