Steuer schockt Tagesmütter

LÜNEN 70 Tagespflegekräfte gibt es derzeit in Lünen. Möglicherweise werden es ab Januar weniger, teilt Beanka Ganser mit. Denn ab 1. Januar 2008 soll eine Steuerpflicht für „Tagesmütter“ in Kraft treten.

von Von Beate Rottgardt

, 12.11.2007 / Lesedauer: 3 min
Steuer schockt Tagesmütter

Beanka Ganser.

„Man geht von einer Gewinnerzielung aus. Ich halte das aber für einen sehr unglücklichen Beschluss“, so  die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend, Familie. Sie fürchtet, dass diese Regelung dazu führt, dass weniger Menschen bereit sind, tageweise Kinder zu betreuen. Denn der Verdienst ist auch jetzt nicht hoch.

Nicht wegen des Geldes

„Wegen des Geldes machen es die meisten nicht“, erzählt Tagesmutter Birgit Kellerhoff, die derzeit einen 17 Monate alten Jungen betreut. Sie erhält, wie auch die anderen derzeit 69 Tagespflegekräfte in Lünen eine „Aufwandsentschädigung“. „Man sollte uns das bisschen, was wir bekommen, lassen und nicht voll besteuern. Denn es ist ja nicht mit dem Spielen getan, wir haben natürlich auch eine gewisse Verantwortung für die Kinder, die wir betreuen“, betont Birgit Kellerhoff.

"Viele werden abspringen"

Sie hat auch die Fortbildung des Fachbereichs zur Tagespflegekraft absolviert, 2001 als Tagesmutter begonnen und dann nach einer Pause 2005 ein kleines Kind die ganze Woche über betreut. Ihren derzeitigen Schützling versorgt sie momentan zwei Mal die Woche bei sich daheim. Birgit Kellerhoff vermutet, dass viele abspringen werden, wenn die neue Regelung in Kraft tritt.

Dringender Bedarf ist vorhanden

„Was ich persönlich mache, weiß ich noch nicht. Ich muss mich erstmal informieren, was die Regelung bedeutet“, hofft sie auf schnelle und ausreichende Information. Aber sie kritisiert auch, dass in der Öffentlichkeit in puncto Kinderbetreuung von Tagesmüttern viel zu wenig die Rede sei. Dabei werden sie auch in Lünen dringend benötigt. Derzeit betreuen die 70 Tagespflegekräfte 110 Kinder unterschiedlichen Alters. „Wir könnten noch weitere gebrauchen“, so Beanka Ganser.

Andere Lösung finden

Zumal die Tagespflegekräfte gerade im Einsatz sind, wenn die Arbeitszeiten der Eltern sehr ungünstig liegen – beispielsweise am frühen Morgen oder bei Schichtdienst. Dann sind die Tagespflegekräfte meistens bei den Familien daheim im Einsatz, damit die Kinder nicht so früh aufstehen müssen. Andere versorgen die Kinder, so wie auch Birgit Kellerhoff, bei sich zu Hause. Eine Hoffnung gibt es laut Beanka Ganser: „Noch gibt es Bestrebungen, nach denen die neue Regelung noch ein Jahr ausgesetzt wird, um eine andere Lösung zu finden.“ 

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