Stolzenhoff: „Hätte ich um den Ärger gewusst, wäre ich in die Nachbarstadt gegangen“

rnDiskussion um Rodungen

Nach dem Rodungsbeginn an der Wethmarheide in Lünen meldet sich jetzt der Caterer Stolzenhoff zu Wort. Er baut dort neu - und fühlt sich in der Diskussion um die Rodungen ungerecht behandelt.

Lünen

, 20.02.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Helmut Stolzenhoff ist Senior-Chef des Unternehmens. Mit ihm sprachen wir in seinem Büro am noch aktuellen Lüner Standort Zum Pier. Das Familienunternehmen will erweitern und hat deshalb ein Gelände im Industriegebiet An der Wethmarheide gekauft. Dort lässt die Stadt momentan roden. Das wiederum verärgerte Naturschützer, die sich übergangen fühlten.

Herr Stolzenhoff, warum haben Sie sich bisher mit öffentlichen Äußerungen zurückgehalten?

Wir haben vorher abgesprochen, dass die Stadt das übernimmt.

Was für Gründe sprechen denn dafür?

Wir haben einfach besprochen, dass das nur einer macht. Ich habe nicht das Bedürfnis, jeden Tag in der Zeitung zu stehen. Auch nicht, wenn wir einen Verein, gemeinnützige oder wohltätige Projekte finanziell unterstützen.

Reaktionen

Das sagt Wirtschaftsförderer Eric Swehla zur Diskussion
Stolzenhoff: „Hätte ich um den Ärger gewusst, wäre ich in die Nachbarstadt gegangen“

Wirtschaftsförderer Eric Swehla © Linnhoff

“Ich finde es schon bemerkenswert, wenn der Unternehmer so im Fokus steht, nachdem der Rat der Stadt Lünen mit einer Enthaltung, ansonsten einstimmig, ein Grundstück verkauft hat. An einen honorigen Unternehmer, der tatsächlich nichts unrechtes getan hat. Im Gegenteil, es ist ein Unternehmer, der sich in großem Maße karitativ engagiert und für den Lüner Arbeitsmarkt von großer Bedeutung ist. Wenn man Wut hat, könnte man diese allerhöchstens auf die Stadt haben. Aber die Stadt hat auch abzuwägen. Und dieser Vorgang ist meiner Meinung nach ein Musterbeispiel dafür, wie man ein solches Verfahren ganz transparent zum Abschluss bringen kann. Die Naturschutz-Maßnahmen wurden im Prinzip fast übererfüllt. Deshalb empfinden wir eine zum großen Teil unsachlich geführte Diskussion als schade. Dass Aufregung und Diskussionsbedarf an sich da ist, verstehen wir natürlich.“

Jetzt sitze ich aber doch bei Ihnen im Büro. Auch, weil es Reaktionen in Leserbriefen und auf Facebook gegeben hat. Man wirft Ihnen vor, die Natur da zu zerstören, andere sprechen sogar von Korruption...

Ja, und da fühlen wir uns ungerecht behandelt. Wir haben ein als Industriegebiet ausgewiesenes Gelände von der Stadt gekauft. Wir würden hier heute nicht sitzen, wenn wir nach Castrop, nach Selm oder nach Werne gegangen wären. Auch dazu hatten wir die Möglichkeit. Trotzdem haben wir uns nach langen Gesprächen, auch mit dem Einsatz von Herrn Swehla (Wirtschaftsförderer der Stadt Lünen, d. Red.) und vielen politischen Gesprächen, entschieden, in Lünen zu bleiben. Nach langer Suche konnte uns die Stadt Lünen leider keine anderen Flächen in der Größe anbieten. Da wir allerdings schon immer in Lünen verwurzelt waren, war es eine Herzensangelegenheit, Lünen weiterhin als Unternehmenssitz zu wahren.


Außerdem arbeiten bei uns ja auch viele Menschen, die aus Lünen kommen. Die würden teilweise bei einem Umzug gar nicht mitkommen können. Die Stadt Lünen hat uns diese Fläche als einzige Fläche anbieten können. Wir haben das dann in der Familie beschlossen, ich beherrsche das nicht patriarchisch. Und die Familie ist sehr enttäuscht darüber, wie die Wogen gerade hochschlagen. Das Gebiet ist 1986 als Industriegebiet ausgewiesen worden. Hätte man damals die Bäume gleich weggemacht, würde das heute keinen interessieren. Wir wollen keinem Menschen etwas Böses, auch nicht der Natur, doch leider fehlten uns die Alternativen.

Bereuen Sie die Entscheidung für Lünen?

Wenn ich es heute entscheiden müsste und wüsste um diesen Ärger, dann wäre ich in die Nachbarstadt gegangen. Dann hätte ich kein Problem gehabt, da gibt es keine Bäume. Dass man jetzt so massiv angegangen wird, finde ich nicht in Ordnung. Wir machen etwas für die Stadt, auch wenn wir uns damit nicht in den Vordergrund drängen. Letztendlich sind wir einer der größten Arbeitgeber und Steuerzahler in Lünen, wovon die Stadt und jeder Bürger profitieren. Leider wird so etwas nie direkt wahrgenommen und gerne heruntergespielt.

Stolzenhoff: „Hätte ich um den Ärger gewusst, wäre ich in die Nachbarstadt gegangen“

Helmut Stolzenhoff © Britta Linnhoff

Können Sie den Unmut denn etwas nachvollziehen?

Aufgrund der alternativlosen Ausgangslage nicht.

Auch das, was die Naturschützer gesagt haben?

Nein, es war lange bekannt. Die Stadt hatte das lange ausgelegt. Ich hätte gar nicht gewusst, wen ich anrufen soll. Ich halte mich aus diesen Sachen sonst immer raus.

Manche haben Ihren Unmut ja auch eher der Stadt gegenüber geäußert…

Ja, aber ich glaube, viele können das nicht unterscheiden. Da gibt’s ja auch Vorwürfe der Bestechung. Dass Aufregung da ist, verstehe ich. Auch, dass man darüber diskutiert. Aber es sollte sachlich bleiben. Wir machen ja nichts Unanständiges. Wir werden übrigens auf einem anderen Grundstück hier in Lünen, an der Brechtener Straße, noch zusätzlich 1000 neue Bäume pflanzen. Und das zusätzlich zu den Ausgleichsflächen, die gefordert waren. So schaffen wir über die Anforderungen hinaus neue, waldähnliche Flächen.

Es hieß, sie hätten im Familienrat entschieden, ob sie in Lünen bleiben oder die Stadt verlassen sollen. Waren Sie derjenige, der die Familie zum Bleiben überredet hat?

Die Abstimmung war 5:0. Wie gesagt, unsere Wurzeln liegen in Lünen.

Das ist deutlich.

Wir haben auch geheim abgestimmt, auf Zetteln. Ich wollte niemanden beeinflussen, ich mache das ja auch nicht für mich. Der Neubau ist eine Investition für die Familie, unsere Mitarbeiter und auch die Stadt. Wir haben auch in einem Rat mit den führenden 30 Mitarbeitern darüber gesprochen und das diskutiert. Mittlerweile haben wir auch einen sehr guten Draht zum Betriebsrat, mit dem haben wir auch gesprochen. Querschüsse braucht keiner, dann macht das keinen Spaß.

So wie jetzt gerade.

So wie jetzt gerade. Da macht das überhaupt keinen Spaß. Ich glaube, dass damit auch alles gesagt ist.

Der Neubau

Was entsteht an der Wethmarheide?

Insgesamt baut Stolzenhoff nach eigenen Angaben auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern. Es wird eine Produktion mit Metzgerei, Konditorei sowie warmer und kalter Küche geben, dazu einen Verkaufsladen, wie es ihn auch am jetzigen Standort gibt. Stolzenhoff baut außerdem ein doppelgeschossiges Bürogebäude, Verladerampen für die Transporter, Sozialräume, die Reinigung, Spülmaschinen sowie Lager für Ausstattung und Möbel fürs Catering. Wie viel er investiert? „Die Summe ist noch nicht bekannt“, sagt Stolzenhoff, und: „Es ist sehr zukunftsträchtig.“ Er werde, sagt Stolzenhoff, etwa 30 bis 40 neue Arbeitsplätze schaffen. Momentan arbeiten rund 300 Mitarbeiter für Fleischerei und Partyservice in Lünen. Beim Stolzenhoff-Catering in Castrop-Rauxel „nochmal ein paar mehr“, wie Stolzenhoff sagt. Im Neubau in Lünen wird es noch weitere Kapazitäten, etwa fürs Catering, geben. Baustart soll noch in diesem Jahr sein, Stolzenhoff geht von einer zweijährigen Bauphase aus.
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