Strafzinsen auch für kleine Sparguthaben? Das sagen die Lüner Banken

rnGeldpolitik der EZB

Banken zahlen Strafzinsen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Müssen „normale“ Sparer nun befürchten, dass sie demnächst für Sparguthaben zur Kasse gebeten werden?

Lünen

, 17.08.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Europäische Zentralbank um ihren Präsidenten Mario Draghi hält die Zinsen weiter auf einem Rekordtief - mit Folgen für die Banken und Sparkassen, die mittlerweile Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie ihr Geld bei der EZB „parken“. Folglich, so die Befürchtung, könnte es bald auch derartige Zinsen auf normale Sparguthaben geben. So auch in Lünen?

Ausstieg aus der EZB-Geldflut derzeit nicht absehbar

Bei der Targobank sind die Spareinlagen - trotz anhaltender Niedrigzinsphase - im ersten Halbjahr 2019 in Lünen um 1,6 Prozent auf 6,7 Millionen Euro gestiegen. Aber: „Der Bedarf an Alternativen zu klassischen aber niedrig verzinsten Anlageformen wächst“, wird Filialleiterin Simone Rose in einer Mitteilung zitiert. Das Sparbuch hat ausgedient, allerdings müssen Targobank-Kunden nicht befürchten, demnächst mit Strafzinsen belegt zu werden: „Wir erheben von unseren Kunden aktuell kein Verwahrentgelt und planen dies auch nicht“, teilt Sprecher Jan Miebach auf Anfrage unserer Redaktion mit. Auch die Kündigung bestehender Verträge mit hohen Verzinsungen sei laut Miebach ausgeschlossen.

Die Sparkasse an der Lippe erklärt ebenfalls, derzeit keine Form von Strafzinsen zu erheben: „Über Jahre hinweg haben wir - wie die weit überwiegende Anzahl von Kreditinstituten - die Kunden vor der Belastung der Zinspolitik der EBZ geschützt“, so Sprecherin Barbara Thöne. Allerdings seien die Mittelfristplanungen der meisten Kreditinstitute wohl darauf ausgerichtet gewesen, dass in absehbarer Zeit ein schrittweiser Ausstieg aus der Geldflut der EZB gelingt. „Dieses ist aktuell nicht mehr absehbar.“

„Wäre eine verantwortungslose Aussage“

Die Volksbank Lünen lässt von den Strafzinsen für Sparguthaben ebenfalls die Finger. „Allerdings haben wir so gut wie alles, was den Sparern Zinsen bringt, auf null gestellt“, sagt Vorstandsmitglied Ludger Suttmeyer. Da die Planungen zur Fusion mit der Volksbank Dortmund auf Hochtouren liefen, habe man dieses Jahr auch Wichtigeres zu tun, als über Strafzinsen nachzudenken. „Aber zu sagen, dass es die bei uns nie geben wird, wäre eine verantwortungslose Aussage.“

Allerdings hatte wohl niemand damit gerechnet, dass Draghi seinen Kurs durchzieht - und sogar noch verschärft. „Was die EZB macht, ist desaströs“, sagt Ludger Suttmeyer. Die Geldpolitik Draghis habe dazu geführt, dass nun schon Strafzinsen auf Staatsanleihen fällig werden: „Wenn Sie dem Staat also Geld leihen, zahlen sie in jedem Fall drauf.“

„EZB hat Regel der Wirtschaft auf den Kopf gestellt“

Ähnlich sieht es die Sparkasse an der Lippe: „Mit der aktuellen Geldpolitik hat die EZB die Regeln der Wirtschaft auf den Kopf gestellt“, so Barbara Thöne. Noch könne und werde man die Kunden schützen. „Wenn diese, aus unserer Sicht falsche Geldpolitik weiter anhält oder sich sogar noch verschärft, werden spürbare negative Auswirkungen in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen unausweichlich sein.“ Wie diese aussehen werden, bleibe abzuwarten.

Kein pauschaler Rat möglich

Und was machen die Sparer nun mit ihrem Geld? „Einen pauschalen Rat zu erteilen, wäre unseriös“, sagt Jan Miebach. „Dafür sind die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Kunden zu unterschiedlich.“ Der beste Rat wäre, ein individuelles Beratungsgespräch in Anspruch zu nehmen.

Auch Ludger Suttmeyer rät zu individuellen Lösungen, so lange sie unterschiedlich sind: „Es macht keinen Sinn, alles in einen Topf zu werfen.“ Ob man nun Immobilien oder Aktien bevorzugt, liege an jedem selbst: „Wichtig ist, dass man seine eigene Einstellung nicht vergisst.“ Bloß, weil es weniger oder keine Zinsen mehr gebe, dürfe man nicht seine Prinzipien über Bord werfen und Risiken eingehen, die man sonst nie eingegangen wäre.

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