Tänzerinnen, Musik und ein Akrobat: „Let‘s Burlesque“ enttäuscht das Lüner Publikum nicht

rnShow im Hilpert-Theater

Freche Sprüche, johlendes Publikum, nackte Haut: Die Show „Let‘s Burlesque“ hielt, was sie versprochen hatte. Wobei der Höhepunkt nicht unbedingt die leicht bekleideten Tänzerinnen waren.

Lünen

, 11.02.2019, 15:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Untertitel der Show lautet „Willkommen im Paradies“. Nun mag jeder seine persönliche Vorstellung von Paradies haben - im Fall von „Let‘s Burlesque“ zielt das Motto jedoch darauf ab, dass es keine Regeln und vor allem keinen Richter gibt. Oder, wie Moderatorin „Miss Evi“ Niessner dem Publikum am Freitag (8.Februar) im Heinz-Hilpert-Theater gleich zu Beginn klarmachte: „Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Und mit je mehr Liebe wir alle auf etwas schauen, desto schöner wird es auch.“

Und selbst wenn man für die drei Tänzerinnen Coraline de Paris, Erochica Bamboo und Tara La Luna rein gar nichts empfunden hat: Schön anzusehen waren sie allemal. Gleiches gilt für Robert Choinka, der sich quasi als männlicher Gegenpol im Handstand auf einem Reifenstapel entkleidete: Beeindruckende Show, die zudem noch die Werbung einer kalorienarmen koffeinhaltigen Limonade aus den 1990er-Jahren aufs Korn nahm.

Zwei Weltklasse-Stimmen

Gut, nackte Haut war in einer Burlesque-Show jetzt irgendwie zu erwarten. Doch der eigentliche Höhepunkt war die Musik: „Miss Evi“ deckte gleich mehrere Genres zwischen Jazz, Rock und Boogie ab - Kritiker hatten der kräftigen Stimme in der Vergangenheit bereits das Prädikat „Weltklasse“ verliehen. Ein Urteil, dem sich auch das Lüner Publikum anschließen konnte.

Den Hut ziehen muss man auch vor den Musikern der Band „The Glanz“ - denn im Gegensatz zu den Tänzerinnen hatten sie so gut wie keine Pause in der Show, gaben aber trotzdem permanent Vollgas. Dabei harmonierten Robin Draganic am Kontrabass, Ben Perkhoff an Saxophon und Querflöte sowie David Tröscher am Schlagzeug perfekt mit Sängerin „Miss Evi“ und ihrem Mann, Rainer Leupold alias „Mr. Leu“ am Flügel.

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Aufführung "Let's Burlesque"

Eindrücke der Show "Let's Burlesque" am 8. Februar im Heinz-Hilpert-Theater, Lünen.
11.02.2019
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Kraftvolle Stimme, witzige Moderation: Evi Niessner alias „Miss Evi“ führte durch die Show.© Daniel Claeßen
Die Tänzerinnen des Abends (v.l.): Coraline de Paris, Erochica Bamboo und Tara La Luna.© Daniel Claeßen
Schon zu Beginn zeigten die Damen viel Haut - ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte.© Daniel Claeßen
Robin Draganic am Kontrabass: Das Tempo und die Finesse der Musiker waren beeindruckend.© Daniel Claeßen
Rainer Leupold alias „Mr. Leu“ sorgte mit „Waltzing Matilda“ für einen Gänsehautmoment.© Daniel Claeßen
Saxophonist Ben Perkhoff setzte Akzente - und das nicht nur auf der Bühne.© Daniel Claeßen
Handstandakrobat im Cola-Look: Robert Choinka. Auch die Jeans sollte noch fallen.© Daniel Claeßen
„Mr. Leu“ hielt es nicht immer an seinem Flügel.© Daniel Claeßen
Coraline de Paris sorgte mit einer Champagner-Flasche vor allem in der ersten Reihe für Unruhe...© Daniel Claeßen
...doch am Ende war es keine Flüssigkeit, sondern Konfetti, das auf ihren Körper regnete.© Daniel Claeßen
„Miss Evi“: Moderatorin und Sängerin in permanenter Höchstform.© Daniel Claeßen
Elegant zum Abschied: Die Tänzerinnen sagen „Auf Wiedersehen“ im Hilpert-Theater.© Daniel Claeßen

Womit wir beim beeindruckendsten Moment der Show wären: Während „Mr. Leu“ zunächst als leicht überdrehter Ansager das Publikum anheizte, um wiederum den Tänzerinnen eine entsprechende Atmosphäre zu bieten, schälte sich im weiteren Verlauf sein Gesangstalent mehr und mehr heraus - um dann nach der Pause mit dem australischen Volkslied „Waltzing Matilda“ für ein Gänsehautrlebnis erster Klasse zu sorgen.

Viel Glitter, schrille Töne - kaum Erotik

Das funktionierte vielleicht auch deshalb so gut, weil es inmitten einer Show mit viel Licht, Glitter und schrillen Tönen eine willkommene kleine Pause zum Durchatmen war. Und die brauchte das Publikum auch, um beim Finale dann wieder die richtige Reaktion auf „berufsspezifische Zeichen“ von Moderation und Tänzerinnen zu geben. Außerdem stützte die Ballade jene These, die „Miss Evi“ zu Beginn der Show aufgestellt hatte: „Burlesque ist alles, was sich nicht in eine Schublade stecken lässt.“

Fazit: Ein gelungener Abend mit viel Musik, schönen Frauen, attraktiven Männern, aber ohne Erotik - dafür wurde es zwischendurch dann doch zu albern und überzogen. Etwas zu viel Augenzwinkern, wenn man so will. Auf seine Kosten kam das Publikum trotzdem, und man darf „Miss Evi“ und ihrer Crew gerne die Daumen drücken, dass sie in Zukunft noch einmal den Weg ins Heinz-Hilpert-Theater finden.

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