Tischer's Bude in Wethmar schließt nach 35 Jahren

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Es wurde ein wenig später als geplant. 20 Minuten arbeiteten Werner Tischer und Martin Wilczynski am letzten Öffnungstag von Tischer’s Bude in Wethmar länger, dann, um 12.20 Uhr, ließ Tischer die Rollos vor seiner Bude herunter - endgültig. Es war der allerletzte Akt in der Geschichte von Tischer’s Bude an der Münsterstraße.

WETHMAR

01.01.2017, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tischer's Bude in Wethmar schließt nach 35 Jahren

Ein letztes Mal verkaufte Werner Tischer am Samstag die gemischte Tüte.

An einen pünktlichen Feierabend war auch nicht zu denken. Wie schon in den Tagen zuvor, kamen einfach zu viele Kunden noch einmal vorbei, um die beiden Budenbetreiber persönlich zu verabschieden. Manche hatten sogar Abschiedsgeschenke dabei.

„Wir haben in den letzten Tagen Gebäck, Pralinen, Sekt, Bücher und noch viel mehr bekommen“, erzählte Wilczynski. „Das hat uns sehr gefreut. Wir haben unsere Kunden über die Jahre natürlich liebgewonnen, daher ist es jetzt schön zu sehen, dass wir ihnen auch etwas bedeutet haben.“

Kunden hatten teilweise Tränen in den Augen

Manche Kunden hätten sogar Tränen in den Augen gehabt, als sie zum letzten Mal durch die Tür der beliebten Bude gegangen sind. „Allerdings hatten alle Kunden Verständnis für unsere Entscheidung, auch wenn sie es schade fanden“, hielt Tischer fest.

Um ihn am letzten Arbeitstag zu begleiten, waren auch seine Parteigenossen von der SPD Altlünen vor Ort – zumal einige langjährige Kunden waren. „Seitdem ich hier wohne, bin ich zu Tischer’s gegangen. Das ist seit mittlerweile 16 Jahren“, erklärte etwa Petra Dreiskemper.

Noch länger war Georg Claus dabei, der am Samstag ebenfalls noch einmal vorbeischaute. Gleich in der Nachbarschaft wohnend war er Stammkunde, seitdem die Bude aufgemacht hat. „Natürlich ist man jetzt etwas traurig, dass es vorbei ist“, erklärte er. Besonders für Tischer und Wilczynski hatte er nur Lob übrig: „Der Service war immer gut und alle waren sehr freundlich“, sagte er.

Rollos fuhren ein letztes Mal herunter

So wie er urteilten die meisten. Von der Kundenfreundlichkeit konnten sich auch noch zwei Stammgäste überzeugen, die noch bedient wurden, als Tischer und Wilczynski die Bude eigentlich schon offiziell geschlossen hatten – Tischer wollte gerade die Rollos vor dem Geschäft herunterlassen.

Kurz danach kam dann aber der Moment des Abschieds – Tischer drückte auf den Knopf und die Rollos fuhren ein letztes Mal herunter. „Natürlich ist man jetzt wehmütig nach einer so langen Zeit. Das möchte man alles nicht missen“, erklärte Wilczynski. „Wir sind jedem Kunden sehr dankbar für die Treue und das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde. Es hat uns viel Spaß gemacht und war eine tolle Zeit!“, resümierte er.

Lebensmittel werden wahrscheinlich an die Tafel gespendet

Nun ist der Blick der beiden aber in die Zukunft gerichtet – auch wenn zunächst noch Arbeit anstand: Alle Zeitschriften wurden am Sonntag schon vom Verlag abgeholt und mussten daher noch nach der Schließung sortiert werden. „Was wir mit den anderen Sachen machen, wissen wir noch gar nicht richtig. Die Lebensmittel geben wir vielleicht zur Tafel, alles andere werden wir sehen“, sagte Wilczynski. Und dann muss noch der Verkaufsraum ausgeräumt werden.

Konkrete Pläne für die weitere Zukunft gibt es noch nicht – nur einen. „Wir freuen uns darauf, ein bisschen länger schlafen zu können und etwas mehr den Schlendrian walten zu lassen“, sagte Wilczynski. Nach 35 Jahren wird ganz Wethmar es ihnen gönnen.

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