"Tischer's Bude" schließt zum Ende des Jahres

An der Münsterstraße

Die Gespräche wird Werner Tischer vermissen. „Gespräche und Gesichter.“ Nach 34 Jahren schließt Ende des Jahres „Tischer‘s Bude“ an der Münsterstraße. Vielen Herausforderungen haben Tischer und sein Kollege Martin Wilczynski sich gestellt, die meisten überstanden. Die Gesundheit ist es, die dem Geschäft ein Ende bereitet.

LÜNEN

, 21.10.2016, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Werner Tischer (l.) und Martin Wilczynski hören Ende des Jahres auf - dann schließt Tischer's Bude an der Münsterstraße.

Werner Tischer (l.) und Martin Wilczynski hören Ende des Jahres auf - dann schließt Tischer's Bude an der Münsterstraße.

Schon vor Monaten hatten die beiden entschieden, die Mittagspause auf viereinhalb Stunden zu verlängern, bei Öffnungszeiten von 5 bis 20 Uhr an Werktagen. Eine Rücken-Operation hatte Wilczynski aus der Bahn geworden. Jetzt ist er wieder fit, aber der Arzt warnt: Die Arbeit in der Bude solle sich der 63-Jährige lieber sparen. Das gab schließlich den Ausschlag zu sagen: Jetzt ist Schluss! „Wir wollten eigentlich noch zwei, drei Jahre machen“, meint Tischer, „aber ich alleine bin dafür zu alt. Die Bierkisten sind mit den Jahren immer schwerer geworden.“

Schweren Herzens verkauft der 73-Jährige also am 31. Dezember auf seinen 25 Quadratmetern zum letzten Mal Zigaretten, Zeitungen – und die berühmte süße Tüte. Der Abschied ist auch für ihn ein emotionaler: „Es gibt Kunden, die konnten wir beim Aufwachsen beobachten, von anderen kommen mittlerweile schon die Kinder.“

Was er vermissen wird:

Sich mit den Kunden, teilweise jeden Tag, über Gott und die Welt auszutauschen, das werde er vermissen, die Gespräche. Andere Kunden kommen morgens um fünf nach der Öffnung, hier die Zeitung, da das Geld – und tschüss. Auch die werden ihm fehlen – die Gesichter. Für viele Vereine aus dem Dorf war Tischer‘s Bude außerdem eine wichtige Verkaufsstelle, etwa für Eintrittskarten zu Veranstaltungen. Das war selbstverständlich. So selbstverständlich, dass Tischer selbst manchmal erst aus der Zeitung erfahren hat, dass es die Karten bei ihm zu kaufen gibt.

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Wäre die Gesundheit nicht, Tischer‘s Bude hätte wohl noch ein paar Jahre gemacht. „Mürbe gemacht“ hätten die beiden in den vergangenen Jahren aber schon viele Kleinigkeiten. Die vielen Vorschriften im Tabak-Verkauf. Gebühren für die Münzgeld-Einzahlungen. Einbrüche. Diebstähle. Als Tischers Kollege in diesem Jahr vom Einkauf in der Metro zurückkam, ließ er das Auto kurz unbeobachtet stehen. Wasser anstellen, für den Kaffee. Als er drei Minuten später wieder am Auto war, war die Seitenscheibe eingeschlagen, waren die Zigaretten weg. Der Wert: 3000 Euro. Wilczynski war offenbar seit dem Einkauf verfolgt worden. „Viele grauenhafte Dinge“, meint Tischer.

"Wir müssen davon abraten"

Seit durchsickert, dass Tischer und Wilczynski den Laden aufgeben wollen, häufen sich die Anfragen – wird denn kein Nachfolger gesucht? „Wir nehmen keinen Nachfolger, das haben wir uns geschworen“, meint Tischer. Das sei bei den heutigen Bedingungen unverantwortlich, meint er, „wir müssen davon abraten.“ Tischer gehört das Haus, die „Bude“ wird also erst einmal leerstehen. Eine Lücke an der Münsterstraße, noch eine. Aber eine, die viele wohl besonders schwer treffen wird.

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