Toter Säugling aus Lünen: Immer mehr Fragen

Prozess gegen Mutter zieht sich

Warum musste der sieben Monate junge Nils aus Lünen sterben? Hätte er trotz seines massiven Schädelbruches und eines mutmaßlichen Schütteltraumas gerettet werden können? Es gibt immer mehr Fragen, auf die das Dortmunder Schwurgericht Antworten finden will. Der Prozess gegen die Mutter dauert länger und länger.

LÜNEN/DORTMUND

09.06.2015, 17:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Toter Säugling aus Lünen: Immer mehr Fragen

Die Mutter soll ihr Kind zu Tode geschüttelt haben - so lautet der Vorwurf im Prozess.

Im Prozess gegen die angeklagte Mutter des Säuglings aus Lünen wurden nun bereits Verhandlungstage bis in den September hinein festgelegt.

Die Frage, ob Nils hätte gerettet werden können, hatte sich bisher eigentlich nie gestellt. Zuletzt aber hatte ein Neurochirurg in der Verhandlung schwere Vorwürfe erhoben. „Der Junge war über Stunden falsch intubiert“, behauptete der Sachverständige.

Er schließe nicht aus, dass sich auch die Sauerstoff-Unterversorgung negativ auf die Konstitution des Babys ausgewirkt habe. „Ich kann nicht sagen, dass er überlebt hätte“, sagte der Gutachter zwar. Er könne aber auch nicht einfach so behaupten, dass Nils unter keinen Umständen zu retten gewesen wäre.

Die Richter sehen deshalb nun „erheblichen Aufklärungsbedarf“. Um eine mögliche Schuld der Angeklagten beurteilen zu können, müssten sämtliche Facetten des Falles beleuchtet werden. Deshalb wird nun ein weiterer Sachverständiger mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Der Mediziner soll ein Experte auf dem Gebiet der Intensivmedizin sein.

Angeklagte: Bin nicht für den Tod verantwortlich

Die Angeklagte behauptet seit Beginn des Prozesses, nicht für den Tod ihres Kindes verantwortlich zu sein. Nils sei aus dem Elternbett gefallen und müsse sich dabei seine massiven und letztendlich tödlichen Kopfverletzungen zugezogen haben.

Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass die Frau das Kind heftig geschüttelt und dabei möglicherweise sogar mit dem Kopf gegen die Wand geschleudert hat. Mehrere Rechtsmediziner unterstützen diese These mit ihren bisherigen Gutachten. Ein simpler Sturz aus niedriger Höhe könnte ihrer Ansicht nach niemals so gravierende Folgen haben.

Der Fall im Überblick

Wenn Sie auf die einzelnen Daten klicken, können Sie den Verlauf des Prozesses nachverfolgen.

 

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