Toter Säugling: War einer der Gutachter parteiisch?

Baby Nils aus Lünen

Hat eine Mutter aus Lünen ihr Baby zu Tode geschüttelt? Der Gutachter-Streit zu dieser Frage vor Gericht geht weiter. Die Verteidiger der Angeklagten haben erneut einen Rechtsmediziner als parteiisch und voreingenommen abgelehnt. Ob die Richter das auch so sehen, ist für die Dauer des Prozesses sehr wichtig.

LÜNEN/DORTMUND

05.01.2016, 14:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Toter Säugling: War einer der Gutachter parteiisch?

Der Prozess gegen eine Mutter aus Lünen, die ihr Baby zu Tode geschüttelt haben soll, geht weiter.

Die Entscheidung der Richter Dortmunder Schwurgericht über den Antrag der beiden Rechtsanwälte Rüdiger Deckers und Christian Koch ist elementar für die weitere Zeitplanung in dem seit fast zwei Jahren laufenden Prozess. Würde die Kammer den Argumenten der Angeklagten folgen und auf die Ausführungen des Experten Bernd Karger aus Münster verzichten, könnte dies eine weitere längere Verzögerung nach sich ziehen. Würde die Kammer hingegen die Ablehnung zurückweisen und den Rechtsmediziner anhören, könnte ein Urteil noch im Frühjahr gesprochen werden. 

Bevor diese Entscheidung getroffen wird, liegt das Hauptaugenmerk aller Beteiligten allerdings erst einmal auf dem nächsten Verhandlungstag. Am 15. Januar soll der Frankfurter Neuropathologe Prof. Dr. Michel Mittelbronn als weiterer Gutachter in diesem Verfahren befragt werden.

Weiterer Experte soll Todesursache klären

Mittelbronn ist leitender Oberarzt am Edinger Institut der Uni-Klinik Frankfurt und damit am ältesten Hirnforschungsinstitut in Deutschland. Anhand der damaligen Behandlungsunterlagen soll der Sachverständige den Beteiligten erläutern, was seiner Ansicht nach zum Tod des sieben Monate alten Säuglings Nils im Sommer 2010 geführt hat.

Während die Angeklagte erklärt, das Kind sei damals aus dem Elternbett gefallen und müsse sich dabei den verhängnisvollen Schädelbruch zugezogen haben, der letztendlich zu schweren Hirnblutungen und dem Tod des Jungen führte, geht unter anderem Rechtsmediziner Karger davon aus, dass das Baby heftig geschüttelt und dabei sogar mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen wurde.

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