Hermann Nüdling feiert am 25. Januar seinen 85. Geburtstag. © Jürgen Korn
Nachruf

Trauer um Kulturpreisträger Hermann Nüdling: Zeichnen war wie atmen

Zeichnen war für Hermann Nüdling der „Atem des Lebens.“ Mit spitzer Feder und kritischem Geist hat der ehemalige Lüner Stadtgrafiker gewirkt. Am Mittwoch (14.7.) ist er mit 89 Jahren gestorben.

Kritisch, streitbar und vielseitig interessiert: So hat der Künstler Hermann Nüdling gewirkt. Mit dem Kulturpreis 2020 würdigte Lünen seine besondere Kunst und sein vielfältiges Werk. Es war eine späte Auszeichnung für den Maler und Grafiker, dessen Verhältnis zu Lünen zeitweise schwierig war. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der 89-Jährige, der im Emsland wohnte, den Preis nicht mehr in Lünen entgegennehmen. Er bekam ihn per Post. Kurze Zeit später, am 14. Juli, ist Hermann Nüdling nach langer Krankheit gestorben.

Die hat nicht nur sein Leben, sondern auch sein Werk geprägt. Mit 15 Jahren verlor Nüdling durch Knochen-Tuberkulose ein Bein. Es war sein Arzt während des langen Krankenhausaufenthalts, der sein Talent sah und ihn förderte. Nüdling studierte freie und angewandte Grafik an der Werkkunstschule Dortmund, die in Schloss Buddenburg untergebracht war. Die Stadt Lünen unterstützte sein Talent und finanzierte ihm ein Reisestipendium, um den revolutionären spanischen Maler Francisco de Goya zu studieren. Ihn nannte Nüdling stets seinen künstlerischen Urvater.

Zu Neujahr hat Hermann Nüdling stets Grafiken verschickt. Diese anlässlich der Europawahl gestaltete er Neujahr 2019.
Zu Neujahr hat Hermann Nüdling stets Grafiken verschickt. Diese anlässlich der Europawahl gestaltete er Neujahr 2019. © Hermann Nüdling © Hermann Nüdling

„Kleeblatt“ und Jazz-Trompete

1967 begann er als Grafiker in der Lüner Stadtverwaltung. Von Nüdling stammt das „Lüner Kleeblatt“, das bis 1991 Stadt-Logo war. Er entwarf 1976 das Plakat für das erste Jazz-Festival und wurde damit in die Weltausstellung aufgenommen. Als Künstler brachte er sich in das Kulturleben ein und gründete die Kindermalschule, die 1500 Mädchen und Jungen unterrichtet. Das Projekt scheiterte, weil die Politik es nicht mehr finanzieren wollte. Nicht die einzige Enttäuschung für Nüdling.

Gesamtwerk den Lüner Bürgern geschenkt

1997 schenkte er den Bürgern Lünens 110 Zeichenblätter. Lange blieb sein Werk in Schubladen. Inzwischen finden sich im Stadtarchiv über 3500 Grafiken. Es ist sein Gesamtwerk. Auch das ist ein Geschenk Nüdlings an die Bürger der Stadt.

Gezeichnet hat Nüdling sein Leben lang. Zu seinem 80. Geburtstag kuratierten der inzwischen verstorbene Jürgen Korn, stellvertretender Leiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, und Architekt Karl Marek eine viel beachtete Ausstellung mit Nüdlings Werken in der Stadtgalerie. „Hermann Nüdling hat in den letzten Jahren, seit seiner großen Ausstellung 2012 in Lünen, die zunehmend kritische Weltsicht in meisterhaften Tusche-Zeichnungen und wichtigen Texten

erfaßt“, so Marek. Er habe im Sinne einer „weisen künstlerischen Voraussicht unsere jetzige kritische Zeit kommen sehen.“ Die Übergabe seines Werkes aus Grafik, Malerei, Fotos und Dichtung an die Lüner nennt Marek „einen Glücksfall“.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
Zur Autorenseite
Magdalene Quiring-Lategahn