Trotz Corona gleich wieder in den Klassenraum? Schulen rücken von neuer RKI-Empfehlung ab

rnCorona an Schulen

Trotz Corona-Infektion gleich weitermachen mit Präsenzunterricht: Die neue Empfehlung des Robert-Koch-Instituts trifft auf Widerstand im Kreis Unna. Nach kurzer Verunsicherung fällt eine Entscheidung.

Kamen/Kreis Unna

, 03.11.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein positiver Corona-Fall in der Klasse und trotzdem weiter Präsenzunterricht? Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist das jetzt möglich, weil Hygieneregeln, Maskenpflicht und regelmäßiges Lüften die Infektionsgefahr im Klassenraum verringern.

Die neue Empfehlung stößt auf erheblichen Widerstand an Schulen. Ein Widerstand, der auch das Kreisgesundheitsamt überzeugte. Schon am Montag kündigte es an, zur alten Regelung zurückzukehren: Quarantäne für 14 Tage statt Fortsetzung des Präsenzunterrichts. Getestet wird trotzdem nicht mehr im früheren Umfang: Lediglich die „symptomatischen Personen“, so heißt es, gehen jetzt noch in die Testung.

Schüler, Eltern und Lehrer verunsichert

Die Klasse 5B der Kamener Fridtjof-Nansen-Realschule war am Freitag die erste Klasse im Kreis Unna, die unter der neuen Verfahrensweise den Präsenzunterricht trotz Corona-Falls einfach fortsetzen sollte.

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„Es handelte sich um einen Strategiewechsel, der im krassen Gegensatz dazu steht, wie es vorher gehandhabt wurde“, so Realschulleiter Peter Wehlack kritisch. „Das hat zur großen Verunsicherung unter Schülern, Eltern und Kollegen geführt.“

Auch andere Schulleiter, so stellte sich auf Abfrage des städtischen Schulamts heraus, stuften die neue Verfahrensweise, die an den weiterführenden Schulen keine Quarantäne mehr vorsieht, als gefährlich ein.

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Rasche Kehrtwende von der Kehrtwende

Nach einem Abstimmungsgespräch mit dem Kreisgesundheitsamt erfolgt nun die Kehrtwende von der Kehrtwende: An allen weiterführenden Schulen im Kreis Unna gilt weiterhin die Quarantänepflicht von 14 Tagen, sollte ein Schüler positiv getestet werden

„Wir wollten es lieber anders handhaben und auf Nummer sicher gehen“, schildert Stadtsprecher Peter Büttner den Hintergrund für die Initiative aus Kamen, das Kreisgesundheitsamt zu einer Umkehr zu bewegen. „Die Rückmeldung der Schulleiter war: So ganz wohl ist uns dabei nicht, sofort wieder in den Präsenzunterricht zu gehen.“

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Kreisgesundheitsamt offen für den Vorstoß aus Kamen

Beim Kreis Unna war man durchaus offen für den Vorstoß, wie Sprecher Max Rolke durchblicken lässt. „Eigentlich halten wir uns sehr eng an die Empfehlungen des RKI. Doch gerade im Herbst die Strategie in vollem Galopp zu ändern, ist tatsächlich nicht günstig.“

Deswegen habe man entschieden, weiter eine Quarantäne von 14 Tagen zu verhängen, sollte es einen Corona-Fall unter Schülern geben. Nicht nur in Kamen, sondern im ganzen Kreis Unna. „Wir sind lieber vorsichtiger und testen einen Schüler zu viel, als einen neuen Ausbruch zu riskieren.“

Mit der Strategie sei man an den Schulen auch bisher erfolgreich gewesen. „Das hat an vielen Stellen geholfen, weitere Quarantäne zu verhindern.“ Kamen habe als „kleiner Präzedenzfall“ dafür gesorgt, die Empfehlungen des RKI vor Ort strenger auszulegen.

Die Schulgemeinde nicht weiter verunsichern

Wehlack ist erleichtert, dass weiterhin Quarantäne angeordnet werden kann und hat ähnliche Reaktionen auch von Schulleitern aus dem Kreis Unna erhalten. „Aus unserer Sicht ist die alte Verfahrensweise dringend notwendig.“

Das Kreisgesundheitsamt sei den Argumenten aus Kamen aufgeschlossen gewesen, Tenor: „Wir wollen die Schulgemeinde nicht noch weiter verunsichern.“

Die 5B muss trotz allem jetzt nicht mehr in Quarantäne. Der Erstkontakt mit der infizierten Person ist nun schon fast zwei Wochen her. Schulleiter Wehlack: „Nach dem Elternsprechtag heute geht es wohl morgen ganz normal weiter.“

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