Türkei: Stadt Lünen und Muslime zum Putschversuch

„Wir sind bei Bartin“

2974 Kilometer Luftlinie trennen die Lippestadt und Ankara, die Hauptstadt der Türkei. Viele Lüner sind türkischer Herkunft und sorgen sich nach den politischen Ereignissen um Familienangehörige, die in der Türkei leben. Auch die Stadt Lünen ist in Gedanken bei den Menschen ihrer türkischen Partnerstadt Bartin.

LÜNEN

, 18.07.2016, 20:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Foto aus Lünens Partnerstadt Bartin in der Türkei: Die Stadt Lünen hat nach den politischen Ereignissen versucht, Kontakt mit dem dortigen Bürgermeister aufzunehmen.

Ein Foto aus Lünens Partnerstadt Bartin in der Türkei: Die Stadt Lünen hat nach den politischen Ereignissen versucht, Kontakt mit dem dortigen Bürgermeister aufzunehmen.

Seit 2010 hat Lünen eine Städtepartnerschaft mit der türkischen Stadt Bartin. Der Erste Beigeordneter der Stadt Lünen, Horst Müller-Baß, hat am Montag gemeinsam mit der Integrationsbeauftragen Dr. Aysun Aydemir versucht, Kontakt mit der Referentin des Bürgermeisters von Bartin aufzunehmen.

„Wir konnten bisher noch niemanden erreichen, versuchen es aber weiter“, so Müller-Baß. Auf Facebook habe man aber verfolgt, dass Bartins Bürgermeister die Vorfälle sehr bedauere: „Er ruft alle Bürger zur Besonnenheit auf. Die demokratischen Parteien sollen zusammenhalten“. Niemand könne einen Putsch gutheißen. „Wir sind in Gedanken bei unserer Partnerstadt und werden in engem Kontakt und Austausch bleiben“, so Müller-Baß.

Sorge vor Blutvergießen

Halil Kayacan von der Ditib-Ulu-Moschee in Brambauer ist besorgt über die Ereignisse der vergangenen Tage. Ein Teil seiner Familie in der Türkei sympathisiere mit den Putschisten: „Ich ahne Schlimmes und befürchte, dass nun noch etwas Großes passieren wird.“

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Auf Facebook, sagt er, seien am Wochenende viele brutale Bilder gepostet worden. „Ich hoffe einfach, dass kein Blut mehr vergossen wird“, so Kayacan. „Gott sei Dank ist der Putsch gescheitert.“

„Keine gute Entwicklung“

Kenan Küçük, Geschäftsführer des Multikulturellen Forums in Lünen, teilt Kayacans Sorgen. „Familie hin oder her, was sich in der Türkei abspielt, ist keine gute Entwicklung.“

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Sich eine richtige Meinung zu bilden, sei aber schwierig, weil Informationen über die Hintergründe des Konfliktes nicht greifbar seien: „Das Land ist sowieso schon in großen Schwierigkeiten und mit jedem Putschversuch verschlimmert sich die Situation“, so Küçük.

„Die Menschen brauchen Jobs, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit"

In den vergangenen drei Tagen seien bis zu 3000 Richter und Staatsanwälte entlassen worden. Woher die Regierung nun 3000 neue, unabhängige Richter herbekomme, sei fraglich: „Der Demokratie wird der Riegel vorgeschoben. Wenn sich die Lage nicht entspannt, wird es gefährlich", warnt Küçük. "Die Menschen brauchen Jobs, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Derzeit entfernen wir uns davon mit jedem weiteren Tag."

Gleichzeitig betont er: „Wir können weder eine militärische noch eine zivile Diktatur billigen. Die Türkei ist ein wichtiger EU-Partner, aber die EU-Staaten müssen darauf achten, dass diese Diktatur nicht noch stärker wird.“

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