Überholmanöver und Beleidigung an der Viktoriastraße: Fall endet ohne Urteil

rnGerichtsprozess

Ein Dortmunder muss sich wegen eines gefährlichen Überholmanövers an der Viktoriastraße und einer unflätigen Beleidigung vor dem Lüner Amtsgericht verteidigen. Was ist dran an den Vorwürfen?

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 15.07.2020, 15:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aussage gegen Aussage: Im Prozess um ein aggressives Überholmanöver und einen verbalen Tiefschlag im Nachgang beteuerte der Angeklagte seine Unschuld. Das mutmaßliche Opfer hatte indes keine Zweifel an seiner Täterschaft und zwei Zeugen bemühten sich redlich, Licht ins Dunkel zu bringen. Der Fall endete nun ohne Urteil.

Rückblende: Im Juni begann der Prozess gegen den 64-jährigen Dortmunder vor dem Amtsgericht Lünen. Ihm wurden Gefährdung des Straßenverkehrs und Beleidigung zur Last gelegt. Konkret wurde dem Mann, der zuvor strafrechtlich noch nie in Erscheinung getreten war, vorgeworfen, sich am späten Abend des 26. August als Autofahrer im Bereich der Viktoriastraße von seiner schlechtesten Seite gezeigt zu haben.

Unflätige Beleidigung vor der Ampel

Laut Anklage missfiel es ihm, dass sich der Fahrer im Wagen vor ihm an die vorgeschriebenen 30 Stundenkilometer hielt. Also, so zumindest schilderte es später der Gegner, trat der 64-Jährige auf das Gaspedal, überholte ihn auf der Gegenfahrbahn und scherte so dicht wieder ein, dass er selbst ausweichen musste und fast in geparkte Wagen am Straßenrand gefahren wäre. Vor einer roten Ampel, so der zweite Vorwurf, kurbelte der Angeklagte sein Fenster runter und äußerte: „Du bist ein Hurensohn.“

So eine Situation, so versicherte der Angeklagte am ersten Verhandlungstag über seinen Verteidiger, habe es nicht gegeben. Passend dazu bot er seine beiden Arbeitskollegen, mit denen er eine Fahrgemeinschaft hatte, als Entlastungszeugen an. Derweil war sich der andere Autofahrer sicher, den 64-Jährigen eindeutig identifizieren zu können.

Verhandlungstermin Nummer drei

Anfang Juli sollte der Prozess mit der Befragung der Arbeitskollegen des angeklagten Dortmunders fortgesetzt werden. Das scheiterte allerdings an der unerwarteten Abwesenheit des 64-Jährigen. Daraufhin mussten die beiden Zeugen ungehört entlassen werden und ein dritter Termin wurde für Mitte Juli anberaumt.

Dieser Termin fand nun statt und der Angeklagte leistete Abbitte für sein Fehlen am letzten Prozesstag. Das sei einem Missverständnis geschuldet gewesen. Er habe gedacht, die Zeugen würden ohne ihn gehört, er müsse nicht mehr erscheinen. Im Folgenden erinnerten sich seine Arbeitskollegen dann, dass er lediglich versucht habe, den Anderen zu überholen. Der habe das verhindert, in dem er dann selbst Gas gegeben habe. Von einer Beleidigung an der nächsten Kreuzung wüssten sie nichts.

Was sich in der Augustnacht tatsächlich abspielte, blieb letztlich offen. Das Verfahren wurde ohne Auflagen und auf Kosten der Landeskasse eingestellt. Die Abschiedsworte des Richters fielen allerdings deutlich aus: „Ich hoffe, dass ich Sie hier nicht wiedersehen muss.“

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