Ulrike Kleber: Das tolle Miteinander an der Bußmann-Schule Lünen wird mir fehlen

rnWechsel zur Bezirksregierung

Über neun Jahre leitete Ulrike Kleber engagiert die Heinrich-Bußmann-Schule. Ab 1. April nimmt die 58-Jährige eine neue berufliche Herausforderung an. Ein Abschied mit Wehmut und Vorfreude.

Lünen

, 14.03.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 4 min

Derzeit bekommt Ulrike Kleber viele Anrufe von Menschen, denen sie in ihren über neun Jahren als Leiterin der Heinrich-Bußmann-Schule (HBS) begegnet ist und die es nicht fassen können, dass die beliebte Rektorin bald nicht mehr dort zu finden sein wird. Ihre Kollegen bezeichnen sie in der Einladung zur Abschieds-Feier am 11. April als „Schulleitung mit Herz“ und bereiten gerade das Programm vor. Wenn es soweit ist, hat Ulrike Kleber ihre neue Stelle als Schulaufsichtsbeamtin bei der Bezirksregierung Münster schon angetreten. Im Interview blickt sie zurück und nach vorn.

Lehrerin und Schulleiterin
Ulrike Klebers Werdegang

  • Ulrike Kleber ist Lehrerin für Mathematik, Biologie und Informatik. An der Bußmann-Schule hat sie auch Sport-Kurse gegeben.
  • 2001 kam sie als Lehrerin an die Lüner Hauptschule, blieb dort bis 2007. Dann ging sie als Konrektorin an eine Hauptschule in Kamen.
  • Sie war eine der ersten Lehrerinnen, die ein Assessment-Center für Schulleitungen durchlaufen musste. Im Februar 2010 kehrte sie als Nachfolgerin von Jürgen Ortlepp als Schulleiterin an die Bußmann-Schule zurück.
  • Die Heinrich-Bußmann-Schule hat derzeit 38 Lehrer und 402 Schüler.

Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an die knapp zehn Jahre als Leiterin der Heinrich-Bußmann-Schule denken?

Man hat ein Wohlfühlgefühl. Ich bin sehr dankbar für das tolle Miteinander, angefangen beim Kollegium über die Schülerinnen und Schüler, die Eltern bis zu der Sekretärin, dem Hausmeister und den Reinigungskäften. Alle haben sich getreu meines Antrittsmottos „Neue Wege gehen“ darauf eingelassen, gemeinsam mit mir Neues zu beginnen. Das hat sich bis heute nicht verändert und ist auf keinen Fall selbstverständlich. Daher ein ganz dickes Dankeschön an alle.

Gab es auch Tage, die Sie lieber vergessen würden?

Ja, der Tag des tödlichen Messerangriffs an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule im vergangenen Jahr. Der Jugendliche, der seinen Mitschüler angegriffen hat, war Gastschüler bei uns, sogar an diesem Morgen mit seiner Mutter noch bei uns. Dieser Tag hat Spuren hinterlassen, er beschäftigt mich immer noch. Wir versuchen seitdem noch sensibler Probleme und Auffälligkeiten unserer Schüler wahrzunehmen und im Rahmen unserer Möglichkeiten frühzeitig helfend zu reagieren und zu agieren. Dieser Tag hat uns nochmals deutlich gezeigt, dass wir trotz hervorragender und intensiver Beziehungs- und Präventionsarbeit nie 100 Prozent sicher sein können und dass solche Dinge immer wieder geschehen können und das macht mir Sorge. Das bedeutet zugleich eine sehr große Verantwortung für alle, die junge, heranwachsende Menschen begleiten.

Würden Sie mit zeitlichem Abstand Entscheidungen für die Bußmann-Schule anders treffen, als Sie es getan haben?

Nein. Ich denke lange darüber nach. Zudem habe ich ein tolles Schulleitungsteam, das ich bei wichtigen Entscheidungen hinzuziehe und wir beraten gemeinsam. Andere Meinungen zu hören, schärft dann oftmals den Blick.

Sie sind ja auch als gute Sängerin bekannt. Wenn Sie sich ein Lied aussuchen könnten, das genau zur Zeit bei der HBS passt - welches wäre es?

Eigentlich sind es zwei Lieder, die ich mit meiner Zeit an der HBS verbinde. Zum einen ist das in jedem Fall „I did it my way“ von Frank Sinatra, denn nachdem Jürgen Ortlepp in den Ruhestand gegangen ist, war es gut, manche Dinge anders zu machen, um nicht an ihm gemessen zu werden und das ist nach wie vor mein Credo, mit dem ich immer gut gefahren bin. Das andere Lied ist „Non, je ne regrette rien“ („Nein, ich bereue nichts“, Anm. d. Red.) von Edith Piaf, Das finde ich passend, das würde meine Zeit hier gut widerspiegeln. Ich bin angetreten, um viel zu bewegen.

Ulrike Kleber: Das tolle Miteinander an der Bußmann-Schule Lünen wird mir fehlen

Noch hat Ulrike Kleber an ihrem Schreibtisch in der Heinrich-Bußmann-Schule einiges zu tun. Ende des Monats wird sie ihn für ihre neue berufliche Aufgabe räumen. © Beate Rottgardt

Sie sind ja eigentlich Lehrerin mit Leib und Seele. Warum haben Sie sich nun für eine Tätigkeit entschieden, die eher etwas mit Verwaltung zu tun hat?

Ich bin ab 1. April als Schulrätin für fünf Hauptschulen in Gelsenkirchen und zwei in Bottrop zuständig. Da habe ich mehr mit Schulleitungen zu tun als mit Schülern. Und donnerstags ist Präsenztag bei der Bezirksregierung in Münster. Ich möchte den Verantwortlichen der Schulen Mut machen. Es sind tolle Leute, die an den Hauptschulen unterrichten und die einen tollen Job machen. Ich denke, das muss den Kollegen vor Ort auch öfter gesagt werden. Ich finde die Wertschätzung sehr wichtig. Außerdem möchte ich Mittler sein und hoffe, die Kollegen werden auch von meinen Erfahrungen profitieren.

Was werden Sie in Ihrer neuen Tätigkeit vermissen?

Die Kollegen und die Schüler, dieses Lebendige, mitten dabei zu sein, diese Nähe.

Auf was freuen Sie sich besonders?

Auf die neue Arbeit, die Zusammenarbeit mit den anderen Schulaufsichtsbeamten der Bezirksregierung Münster und auch auf die Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung selbst. Das wird anders sein, aber sicher nicht weniger intensiv. Ich hoffe, ich kann hinsichtlich der Bedarfe an den Hauptschulen mitreden, mitsteuern und mich für dieses System stark machen. Und mal schauen, was es sonst noch so gibt, woran ich wachsen kann. Darauf freue ich mich.

Wie sind Sie auf diese Stelle aufmerksam geworden?

Ich habe schon 2015 gleichzeitig als Schulrätin in Unna und als Leiterin der HBS gearbeitet. Dabei hab ich Kontakte auch zur Bezirksregierung Münster bekommen. Vor einem Jahr bekam ich einen Anruf mit der Frage, ob ich mir vorstellen könnte, mich auf die ausgeschriebene Stelle als Schulaufsichtsbeamtin zu bewerben. Mir war klar, dass das Bewerbungsverfahren kein Spaziergang werden würde, denn ich musste dazu vier Prüfungen absolvieren. Immer war die abgebende Bezirksregierung Arnsberg und die aufnehmende Bezirksregierung Münster dabei. Die letzte Prüfung fand im Januar im Ministerium in Düsseldorf statt. Ein Jahr lang in der Prüfungsphase zu sein, war schon nicht einfach und ich bin froh, es jetzt endlich geschafft zu haben.

Es gibt eine große Verabschiedung mit geladenen Gästen. Überwiegt derzeit die Vorfreude darauf oder die Wehmut?

Im Moment noch die Wehmut, es wird sicher ein sehr emotionaler Tag für mich, mit zitternden Knien und vielen Taschentüchern.

Was wünschen Sie „Ihrer“ HBS für die Zukunft?

Dass auf jeden Fall die Philosophie des Miteinanders und der gute Geist dieser Schule erhalten bleibt. Unser Konrektor Thorsten Fringess wird kommissarisch die Schulleitung übernehmen. Wir haben auch das Schulleitungs-Team erweitert, um die Aufgaben auf mehr Schultern zu verteilen. Ich wünsche mir weiterhin, dass die HBS eine neue, starke Führung erhält, die viel Verständnis für unsere Kids aufbringt, das Kollegium mitzieht und die tolle Arbeit wertschätzt und unterstützt und ich wünsche mir auch auf jeden Fall, dass die Eltern der HBS weiterhin ihr Vertrauen schenken und ihre Kinder bei uns anmelden.

Man sagt ja, niemals geht man so ganz.

Ich hoffe doch, dass ich zu der einen oder anderen Abschlussfeier oder auch Kollegiumsfeier eingeladen werde. Ich habe nach wie vor ein tolles Verhältnis zum Kollegium und auch den Schülern und ein Stück meines Herzens bleibt in der Heinrich-Bußmann-Schule. Zudem bleibe ich auch in der Heinrich-Bußmann-Bildungsstiftung und in der Jury für den Bußmann-Preis engagiert,

  • Die Schulleitungsstelle wird durch die Bezirksregierung in Arnsberg ausgeschrieben. Die Stadt Lünen ist insofern beteiligt, dass die Bezirksregierung ihr die in Frage kommenden Kandidaten nennt und die Schulverwaltung dazu nach dem Schulgesetz eine Stellungnahme abgeben kann.
  • Jürgen Grundmann wird als Leiter der Schulverwaltung vor der Stellungnahme zur Schulkonferenz in der Schule eingeladen, in der sich die Bewerber vorstellen. Die letzte Entscheidung liegt bei der Bezirksregierung.
  • In letzter Zeit ist es, so die Stadt Lünen, immer gelungen, Schulleitungsstellen zu besetzen. Das Verfahren zieht sich aber in der Regel hin.
  • Schwierigkeiten gibt es derzeit bei der Besetzung von stellvertretenden Schulleitungsstellen an Grundschulen.
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