Umweltaktivist: Andreas Brincks Kampf am Computer für Hambacher Forst preisverdächtig

rnHambacher Forst

Andreas Brinck ist 38 Jahre. Viele dieser Jahre widmet der Lüner dem Klimaschutz. Seit 2018 gilt sein Engagement dem Hambacher Forst. Nun ist er mit seinem Projekt für einen Preis nominiert.

Lünen

, 08.08.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit einem Jahr sitzt Andreas Brinck viel häufiger am Rechner als sonst: Er kämpft für den Erhalt des Hambacher Forsts. Nicht als Besetzer im Wald, sondern mit digitalen Mitteln: „Soli für Hambi“ heißt die Plattform im Netz, die den Menschen, die nicht im Wald stehen, zeigen soll, was die Menschen im Wald machen und worum es ihnen geht. Jetzt ist „Soli für Hambi“, gegründet von Brinck und seiner Mitstreiterin Antonia Greco, für einen Preis vorgeschlagen worden, den „Smart Hero Award“, als eines von 18 Projekten aus mehreren hundert Vorschlägen (Bewerbungsvideo).

„Wir wollen zeigen, um was es dort den Menschen geht“

„Ich bin kein Besetzer und ich war noch nie in einem Baumhaus im Hambacher Forst“, sagt Andreas Brinck, gebürtiger Essener, der jetzt in Brambauer zuhause ist. Zweieinhalb Stunden Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind es für ihn bis in den Hambacher Forst. So einige Wochenenden hat er dort verbracht, und dokumentiert, was passiert und worum es den Menschen geht.

Umweltaktivist: Andreas Brincks Kampf am Computer für Hambacher Forst preisverdächtig

Das Bild zeigt Demonstranten im Hambacher Forst nach einem Polizeieinsatz im September vergangenen Jahres im Hambacher Forst. © Brinck

In der Woche sitzt der studierte Marketing- und Kommunikationsexperte am Rechner, beruflich und privat. Heute arbeitet er selbstständig als „Digitaler Marketingberater“. Er kann sich die Zeit, einteilen. Als es im Hambacher Forst richtig abging, hat er Stunde um Stunde bis in die Nacht hinein am Rechner gesessen. Und er fühlt sich gut dabei: „Ich habe mich vorher so hilflos gefühlt“ sagt er. Das Gefühl, dabei zuschauen zu müssen, wie der für den Kampf für den Klimaschutz so wichtige Wald verschwindet - für ihn nur schwer zu ertragen.

Viele positive Reaktionen aber auch viel Hass

Nun kann er etwas tun. Auf seine Weise. Das Anliegen der Menschen im Netz verbreiten. Er macht das offenbar gut. Ein Video, das zeigt, wie die Polizei eine Aktivistin von einem Baum holt, zählt mehr als fünf Millionen Aufrufe. Auch überregionale Medien (zum Beispiel den Fernsehsender Arte) rief das zwischenzeitlich auf den Plan.

Umweltaktivist: Andreas Brincks Kampf am Computer für Hambacher Forst preisverdächtig

Selfie während der Dreharbeiten mit dem Fernsehsender Arte im November 2018. © Brinck

Während Brinck am Rechner sitzt, ist seine Mitstreiterin beim „Soli für Hambi“, Antonia Greco, oft vor Ort. Sie hat es nicht so weit und liefert das Material. Man habe so, sagt Brinck, auch „Menschen in den Wald gebracht, die vorher gar nicht wussten, dass der existiert“.

Umweltaktivist: Andreas Brincks Kampf am Computer für Hambacher Forst preisverdächtig

"Soli für Hambach": Ein Sticker des Projekts im Hambacher Forst. © Brinck

„Es gibt viele positive Reaktionen“, erzählt Brinck. Aber es gibt auch die anderen, die die ihn und die Aktivisten mit Hass überschütten. Der Satz, „da sollte man einfach mit dem Bagger drüberfahren“, ist eher einer der harmloseren Sorte. Es habe auch den Satz gegeben „diese Verbrecher sollte man mal besuchen“. Manchmal sitzt Brinck deshalb vor allem am Computer, um auf der Seite solche Kommentare wieder zu löschen.

Live-Bilder statt Fotos hochladen

„Anfangs“, so erinnert sich der 38-Jährige, „haben wir im Wald die Bilder aufgenommen, hochgeladen und ins Netz gestellt. Inzwischen sind es oft Live-Bilder.“ Die seien nicht manipulierbar, sagt Brinck. Ein Vorwurf, den er sich zuvor habe anhören müssen.

Der Smart Hero Award 2019 „Eine demokratische Gesellschaft“ wird in den folgenden Kategorien vergeben: - Vielfalt und Chancengleichheit Projekte und Initiativen, die sich für gleiche Chancen aller Menschen und eine pluralistische Gesellschaft einsetzen. - Umwelt und Gesundheit Projekte und (Selbsthilfe)-Initiativen, die sich für erkrankte und behinderte Menschen stark machen oder für Nachhaltigkeit und Umweltschutz engagieren. - Gemeinschaft und Zusammenhalt Projekte und Initiativen, die das gesellschaftliche Zusammenleben gestalten und das Miteinander fördern.

Seine Arbeit bezeichnet der 38-Jährige als „solidarische Berichterstattung“. Das heiße nicht, dass „wir alle Aktionen gut finden“. Im Moment ist es eher ruhig im Hambacher Forst. Aber Brinck rechnet damit, dass es irgendwann wieder losgeht. Dann wird er wieder auch die Nächte am Computer sitzen und telefonieren und koordinieren.

Sollte sein Projekt bei der Abstimmung für den Wettbewerb erfolgreich sein, dann will er das Geld in das Projekt stecken; zum Beispiel für eine Kameraausrüstung. Abstimmen kann man übrigens noch bis zum 25. September.

Mit dem Smart Hero Award zeichnen die Stiftung Digitale Chancen und Facebook seit sechs Jahren smarte Heldinnen und Helden aus. Das sind Menschen und Organisationen, die ihr ehrenamtliches und soziales Engagement erfolgreich in und mit Social Media umsetzen. Smart steht dabei für den klugen Einsatz von Social Media, für Anerkennung, Respekt und Toleranz. Schirmherrin ist Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung
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