Unfall vor Polizeiwache: Seniorin fuhr Radfahrer um und verließ Unfallort

rnEinspruch vor Gericht

Eine Seniorin hatte einen jungen Radfahrer angefahren und sich zu schnell vom Unfallort entfernt. Doch die Frau war sich keiner Schuld bewusst. Schließlich brachten Zeugenaussagen die Wende.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 18.08.2020, 20:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Fall einer Lüner Seniorin, die einen Radfahrer übersah und sich nach der Kollision zu schnell vom Unfallort entfernte, sorgten weitere Zeugen nun vor Gericht für Aufklärung und letztlich offenbar auch dafür, dass die Seniorin ihre ursprüngliche Strafe akzeptierte.

Rückblende: Am 12. März wollte die Rentnerin von der Kurt-Schumacher-Straße in Richtung Kaufland abbiegen. Dabei registrierte sie den Jugendlichen, der bei Grün mit dem Rad über die Straße fuhr, zu spät. Auch der Tritt auf die Bremse konnte eine Kollision auch nicht mehr verhindern. Der 15-Jährige flog über ihre Motorhaube, brach sich dabei den Arm und wurde am Bein verletzt. Auch wurde sein Rad beschädigt.

Seniorin fuhr nach kurzem Halt davon

Die 67-Jährige stieg aus, sprach den Jungen an, setzte sich kurz darauf wieder in ihren Wagen und fuhr davon. Zeugen folgten ihr und sorgten dafür, dass sie zum Ort des Geschehens zurückkehrte. Später erhielt sie einen Strafbefehl: Wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht wurde sie zu 2000 Euro Geldstrafe und zehn Monaten Sperrfrist zur Wiedererteilung der Fahrerlaubnis verurteilt. Sie legte Einspruch ein.

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Anfang August begann der Prozess vor dem Amtsgericht und die Rentnerin schien sich keiner Schuld bewusst zu sein. Sie gab an, vor Ort mit einem Polizisten geredet und ihre Personalien zu Protokoll gegeben zu haben. Der sei weggegangen, sie habe alleine dort gewartet und nicht gewusst, was sie tun sollte. Irgendwann sei sie dann eingestiegen und losgefahren. Als Zeugen ihr gefolgt und sie angesprochen hätten, sei sie natürlich sofort zurückgekehrt.

Nach dieser Einlassung hörte das Gericht erste Zeugen und der Mann, der der Lünerin folgte und sie quasi zurückbrachte, hatte keine Zweifel daran, dass es sich um eine Unfallflucht handelte. Allerdings, und das ging weiteren Zeugen nicht anders, konnte er nicht mit Sicherheit ausschließen, dass die 67-Jährige zuvor nicht doch mit einem Beamten sprach. Aus diesem Grund wurde die Verhandlung unterbrochen und es wurden weitere Zeugen geladen.

Aussagen bringen die Wende

Zwei dieser Zeugen sorgten nun am zweiten Prozesstag für mehr Klarheit. Eine Polizeibeamtin erinnerte sich, dass ihr die Seniorin nach ihrer Rückkehr zum Unfallort erklärt habe, dass sie zwar gewusst habe, dass der Radfahrer verletzt sei, sie aber bei sich keine Schuld gesehen habe und deshalb weitergefahren sei. Personalien, so die Zeugin, habe sie zuvor nicht genannt.

Und die Beifahrerin des Zeugen, der die Angeklagte zurückholte, erklärte, nicht gesehen zu haben, wie die 67-Jährige vorher mit jemandem redete. Diese Aussagen brachten offenbar die Wende: Die Lünerin nahm den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück.

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